Glossar: Asiatische Kunst

Netsuke

Netsuke

Netsuke (Japan. ne "Wurzel, Wurzelholz", tsuke "anhängen") sind als Kleinplastik gebildete Knebel oder Halteknöpfe aus geschnitztem Elfenbein, Buchsbaum oder Hirschhorn und in seltenen Fallen auch aus Metall, die die Sagemono (die herabhängenden Dinge), die am Obi (Gürtel) der japanischen Kleidung mit einer Schnur befestigt sind, zu halten haben: Tabakspfeife, lnrô, Börse, Schreibzeug. Auch gibt es Netsuke, die an der Unterseite eine Siegelinschrift tragen; sie werden zur Unterzeichnung von Schriftstücken benutzt. Mit der Einführung europäischer Kleidung verschwand das Netsuke als Gebrauchsgegenstand. Es wurde zum kunstvoll bearbeiteten Sammelobjekt und auch als solches hergestellt. Dargestellt sind die Tiere des ostasiatischen Tierkreises, die Teufel, die Sieben Glücksgötter, kleine Kinder, historische oder legendäre Figuren, Tiere und Menschen als mythologische Wesen, Landschaften. Die Realistik der Netsuke-Schnitzereien äußert sich in Motiven aus dem profanen Lebensbereich (Europäer, Greise, Betrunkene, Bettler, Blinde, Wasserträger, Reisstampfer) und in Berufs- und Arbeitsdarstellungen (Verkäufer, Fassbinder, Steinschleifer, Gärtner, Bauern, Fischer, Maskenschnitzer, Tänzer, Geishas). Die ersten Netsuke sind zu Beginn der Tokugawa-Periode (1615-1868) nachweisbar, die Blütezeit ist im 18./19. Jh.

 

In Kooperation mit dem Seemann Verlag
Aus: Lexikon der Kunst