Glossar: Stil­richtungen

Beuroner Kunstschule

Beuroner Kunstschule

1868 entstandene Bewegung in Kloster Beuron bei Sigmaringen mit dem Ziel, die christlich-katholische Kunst aus übergroßer Emotionalität zu lösen und ihr eine neue, würdige Form zu geben. Den Anstoß gab der Architekt, Bildhauer und Maler Desiderius (Peter) Lenz (*12.3.1832 Haigerloch, †31.1.1928 Beuron), der eine eigene "ästhetische Geometrie" entwickelt hatte, mit deren Hilfe er eine neue "Heilige Kunst" erschaffen wollte. Zusammen mit Gabriel (Jacob) Wüger (*2.12.1829 Steckborn, †31.5.1892 Monte Cassino) und Fridolin (Lucas) Steiner (*4.7.1849 Ingenbohl/Schwyz, †2.12.1906 Beuron) baute er eine Werkstatt in Kloster Beuron auf. Kennzeichen der Malerei und Architektur war eine an ägyptischer, frühchristlicher und byzantinischer Kunst orientierte maßvolle Strenge, der Kunst der Nazarener verwandt. Zunehmend bedeutende Aufträge aus internationalen Benediktinerklöstern, u.a. Monte Cassino (Ausmalung 1876-80 und 1899-1913) und Prag (Emmaus-Kloster 1880-86; Kloster St. Gabriel 1891-99; hier kommt der Nabis-Künstler Willibrord (Jan) Verkade, *18.9.1868 Zaandam, †19.7.1946 Beuron hinzu). Bedeutende Werke auch auf dem Gebiet der Goldschmiedekunst; 1905 Beteiligung der Beuroner an der Herbst-Ausstellung der Wiener Sezession. Die Beurooner beeinflußte Maler der Nabis, des Symbolismus und des Jugendstils. Fortsetzung nach dem 2. Weltkrieg durch den Bildhauer und Grafiker Ansgar (Leo) Dreher (*1912 Vilsingen, †1990 Beuron).

Steppes, Michael; Schaller, Andrea: Seemann Künstlerlexikon. Leipzig, 2012: E.A. Seemann Verlag.