Glossar: Stil­richtungen

Informel

Informel

"Es geht um die Auflösung des klassischen Formprinzips: keine festumrissenen Formen malen, sondern die jeweilige Malmaterie so bearbeiten, dass es nur noch Passagen, Strukturen, Texturen, Farbflüsse oder Verflechtungen von Mal- und Zeichenspuren gibt." So beschrieb  Karl Otto Götz, einer der bedeutendsten Maler des deutschen Informel, die neu gewonnene malerische Freiheit, welche die Künstler sich in den Nachkriegsjahren schafften. Die Entwicklung der neuen abstrakten Kunst begann Mitte der 40er Jahre in Paris vor dem aktuellen, kulturellen und politischen Hintergrund, als die Künstler nach dem Zweiten Weltkrieg die konstruktive Kunst in Frage stellten und einen neuen Sinn suchten. Sie fanden sie in einem neuen freien Umgang mit den Malmitteln. Man experimentierte mit Materialien, die Leinwand wanderte von der Staffelei auf den Boden, man goss die Farbe oder zerkratzte sie.

Der französische Kritiker Michel Tapié führte den Begriff „Informel“ ein, als er 1951 die Ausstellung „Signifiants de l’Informel“ im Pariser Studio Facchetti kuratierte. Er ist zum Oberbergriff verschiedener Strömungen abstrakter Kunst geworden. Die Übergänge sind fließend: „Lyrische Abstraktion“, „Tachismus“ oder „Art autre“. In Amerika, wo man schon früher auf bildnerische Kompositionsgesetze verzichtete und versuchte, Materialität und Farbe für sich sprechen zu lassen, setzte sich die Bezeichnung „Abstrakter Expressionismus“ oder auch „Action Painting“ durch.

Die Wurzeln dieser Kunstrichtung liegen im Surrealismus und Expressionismus. Schon in diesen Kunstrichtungen wird der Drang nach Freiheit spürbar. Während im Surrealismus das Irrationale und Unbewusste die sichtbare Welt verdrängt, wird im Expressionismus bereits die Farbe zur Steigerung des Ausdrucks verwendet.

Die direkten Wegbereiter aus Paris waren Wols, Jean Fautrier oder Jean Dubuffet. In Deutschland erreichte das Informel in den 50er Jahren seinen Höhepunkt. Eine Schlüsselrolle kommt der Ausstellung „Quadriga“ zu. Otto Greis, Karl Otto Götz, Heinz Kreutz und Bernard Schultze beeinflussten mit ihrer Ausstellung von 1952 die Entwicklung der Malerei in den fünfziger Jahren wegweisend. Weitere, nicht so homogene Gruppen bildeten sich, wie der „junge westen“ im Rheinland, „ZEN 49“ in München oder die„ Gruppe 53“ um Gerhard Hoehme, Winfred Gaul und Peter Brüning in Düsseldorf. Zur festen Etablierung des Informel trug schließlich die „documenta II“ in Kassel 1959 entscheidend bei, denn hier stellten alle internationalen, namhaften Künstler der Bewegung aus.

Der ersten Generation der Vertreter des Informel gelang der Durchbruch zu ihrer Zeit nicht in dem Maße, wie ihren bekannten Schülern, darunter Gerhard Richter, Georg Baselitz, Sigmar Polke, oder Günther Förg. Kunstrichtungen wie die „Pop Art“ begannen später schnell, die Kunstszene zu dominieren.