Glossar: Techniken

Lithographie

Lithographie

Die Lithographie oder der Steindruck wurde Ende des 18. Jh.s von Aloys Senefelder in München erfunden und zunächst nur zum Druck von Briefköpfen, Noten und zu Reproduktionszwecken verwendet. Eines der frühesten lithographischen Werke mit einem künstlerischen Thema war die Wiedergabe der Dürerschen Randzeichnungen zum Gebetbuch des Kaisers Maximilian im Jahre 1808 durch J. Strixner. Dann entdeckten auch die Künstler die neuen Möglichkeiten, die ihnen mit dieser Technik geboten wurde, denn die Zeichnung auf dem Stein mit fettiger Kreide oder Lithographentusche bleibt bei der chemischen Prozedur völlig erhalten; es gibt bei dieser Technik, verglichen mit Holzschnitt, Kupferstich oder Radierung, kein Material, das widersteht und das eine Umsetzung der künstlerischen Vorstellungen verlangt.

Die Lithographie ist ein Flachdruckverfahren; d. h. auf einem Solnhofer Kalkstein (heute werden statt des schweren Steins auch Aluminium- und Zinkplatten verwendet) wird unmittelbar gezeichnet. Nachdem der Stein mit einer Gummi-arabicum-Lösung überzogen ist, nehmen nur noch die gezeichneten Stellen die Druckschwärze an. Will man das Bild nicht seitenverkehrt erscheinen lassen, wird ein besonders präpariertes Umdruckpapier in den Prozess zwischengeschaltet. Auf dieses zeichnet der Künstler. Wird das dann auf den Stein geklebte Papier wieder abgezogen, bleibt nur die Zeichnung zurück, die im Druckverfahren auf das Papier der Auflage gebracht wird. In Deutschland haben Wilhelm Schadow, Karl Freidrich Schinkel, Carl Blechen und der Porträtist Franz Krüger die Lithographie schon sehr früh benutzt. Der bedeutendste der Berliner Maler, Adolph Menzel stammte selbst aus diesem neuen Gewerbe: sein Vater hatte in Breslau eine Lithographenanstalt.

Ihren eigentlichen Ausdruck erfährt die neue Technik jedoch erst durch Honoré Daumier, der zunächst auch von malerischen Helldunkel-Wirkungen im Sinne der französischen Romantiker ausgeht, dann aber die kurvenden Linien der Lithographenkreide als geeignete Geißel für seine ätzenden politischen und sozialkritischen Satiren und Anklagen entdeckt. Édouard Manet und Edgar Degas haben die malerische Verve der Lithographie für Porträt und Landschaft benutzt, während Toulouse-Lautrec mit der Lithographie, die Chéret als erster farbig für das Plakat verwendete, sowohl bizarr plakative (Yvette Guilbert) wie auch – in dem kleinen Litho-Album „Elles“ seidenweiche intime Wirkungen erzielte.

Die Lithos von Edvard Munch, der in Paris die neue Technik kennenlernte, behalten in ihrer stark expressiven Wirkung („Der Schrei“ 1895) oft den Charakter von Holzschnitten. Gleichzeitig hat in Deutschland Max Slevogt Serien von Buchillustrationen lithographiert (Lederstrumpf, Waldläufer, die Insel Wak- Wak u. v. a.), wobei ihm Fantasie und Form – dank der Mühelosigkeit der Technik, in der er auch farbig arbeitete – mitunter durchgingen.

Die Farblithographie verlangt mehrere Steine oder Platten, von denen die einzelnen Farben nacheinander auf das Blatt gedruckt werden. Picasso hat in der Farblithographie heiter-bunte Effekte von raffinierter Primitivität erzielt (»Stierkampfarena«, »Kunstreiterin« und »Clowns« u. a.).

In Kooperation mit dem Seemann Verlag
Aus: Sachwörterbuch der Weltmalerei: Lithographie. Kindlers Malereilexikon