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Karl Hofer

(1878 Karlsruhe - 1955 Berlin)


Der Denker

1943. Öl auf Leinwand. 58 x 31cm. Monogrammiert und datiert unten rechts: CH 43. Rahmen.


Provenienz:
Privatsammlung Westdeutschland

Ausstellungen:
Ausstellungsräume des Westens, Berlin 1946, Nr. 70 (Sitzender Mann(?))
Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf 1956, Nr. 141

Literatur:
Karl Bernhard Wohlert, Karl Hofer, Werkverzeichnis der Gemälde, Bd. 2, VAN HAM Art Publications, Köln 2007, Wvz.-Nr. 1700 (Abb.)

Der Denker entsteht im Jahr 1943, dem Jahr, in dem Karl Hofers Atelier in Brand gesetzt und ein Großteil der dort befindlichen Arbeiten zerstört wird. Hofers "Denker" ist eine zeitlose, orts- und geschlechtsungebundene Figur, unabhängig von äußeren Zusammenhängen. Worüber er nachsinnt, bleibt unklar. Mit seiner Haltung mit den überkreuzten Beinen und dem angewinkelten Arm, mit dem er das Kinn stützt, verweist er auf den Urtypus des Denkers von August Rodin von 1880/1882. Die Unterschiede überwiegen dennoch: Rodins Denker erscheint kraftvoll, fast heroisch. Karl Hofers Figur hingegen ist verschlossen, zweifelnd, zerrissen. Die fleckenhafte, inhomogene und spröde wirkende Farbstruktur verstärkt diesen Eindruck. Farblich unterschiedlich geführte Konturen zerfurchen mit ihrem unebenen Verlauf die Figur vor allem im Kopfbereich, wo das Denken überhaupt möglich wird. Hofer hat ein übergeordnetes Sinnbild erschaffen für eine Welt, die in Brüchen liegt, und in der als Symptom der Zeit auch der Intellekt und das zivilisatorische Denken abhanden gekommen sind.
Eine spätere Variante der Arbeit aus dem Jahr 1945 hängt im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn

Schätzpreis
€ 25.000

Zuschlag
€ 23.000

289. Auktion "Moderne und Zeitgenössische Kunst", Los 60, 04.06.2010


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