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Karl Hofer
(1878 Karlsruhe - 1955 Berlin)
Hinter der Mauer
1953. Öl auf Leinwand. 100 x 60cm. Monogrammiert und datiert unten rechts: CH53. Rahmen.
Provenienz:
Nachlass des Künstlers
Witwe Lisbeth Hofer Erben
Literatur:
Kirsten Muhle, Karl Hofer (1878-1955): Untersuchungen zur Werkstruktur, Lohmar 2000, S. 202ff., 317 (Abb. 23).
Karl Bernhard Wohlert, Karl Hofer, Werkverzeichnis der Gemälde, Bd. 3, VAN HAM Art Publications, Köln 2007, Kat.-Nr. 2586, Abb
Das Gemälde zeigt eine Mädchenfigur hinter dem Mauerrest einer zerstörten Hauswand stehend. Ihr Körper ist halb verborgen hinter der Mauer, während ihre rechte Hand vor das Wandfragment greift. Es bleibt unklar, ob sie sich hinter der Mauer verbirgt oder sich aus dieser hervor wagt. Den Bildhintergrund bilden diagonal verlaufende Balken, die ohne sichtbare Ordnung den Eindruck von Chaos, Zerstörung und Auflösung bestehender Strukturen unterstützen. Der mit der Ausschnitthaftigkeit der Bildelemente hergestellte fragmentarische Charakter des Dargestellten steht in einem inneren Bezug zum Motiv. Zwar ist das Gemälde acht Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges entstanden; dennoch bleiben Krieg und Zerstörung ein zentrales Thema Hofeschen Schaffens. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg greift Hofer das Thema mit dem Gemälde "Mann in Ruinen" auf.
Die Mädchenfigur "erscheint neben der Silhouette des Mauerfragments, die in ihrer gezackten Kontur den Proportionen von Kopf, Hals und Schultern der parallel dazu stehenden Figur gleicht, klein und zierlich. Der überlängte Hals, der kugelige Kopf, auf dem emblematisch die Gesichtsmerkmale Auge, Mund, Nase verzeichnet sind, und die steil abfallende Schulterkontur erwecken in Relation zu der gemauerten Ziegelsteinwand den Eindruck des Ephemeren und Fragilen. Diese Gewichtung wandelt sich, betrachtet man den Arm, mit dem die Figur vor die Mauer greift. Der unverhältnismäßig große Arm ruht in dieser Haltung, de ins Monströse reichende Hand mit gespreizten Fingern flach auf die Mauer legend. (...) Für die Darstellung sind die Proportionen des menschlichen Körpers unmaßgeblich geworden. Die Gestaltung oder Form der Figur (...) ist als Resultat eines künstlerischen Bemühens, die Gesetzlichkeiten der Gestaltung und des Bildnerischen auf anderer Ebene weiter zu führen, deren Grundlage die betonte Akzentuierung der Fläche ist. (...) Form gliedert sich an Form, Fläche an Fläche". (Kirsten Muhle, Karl Hofer (1878 - 1955), Untersuchungen zur Werkstruktur, Lohmar 2000, S.203f)
Schätzpreis
€ 10.000
Zuschlag
€ 7.500
272. Auktion "Moderne und Zeitgenössische Kunst", Los 88, 03.12.2008
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