Hentschelkinder

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Julius Konrad Hentschel, geboren 1872, ist einer der bedeutendsten Künstler des Meissener Jugendstils. Seit 1897 für die Manufaktur tätig, begeistert er schon vor 1900 mit seinen Service Entwürfen wie dem Krokus-Dejeuner. Er verstand es „Jugendstilformen, Dekor, Funktion und materialgerechte Gestaltung harmonisch zu verbinden“. Dieses Konzept verfolgt er auch bei seinen beliebten ab 1904 bis zu seinem Tod 1907 entstandenen und bis heute produzierten bezaubernden Kinderfiguren. Die Kinder, dargestellt in einer Momentaufnahme des kindlichen naiven Spiels, in dezenten Aufglasurfarben und schlichter Ausführung entführen den Betrachter in die scheinbar heile Welt um die Jahrhundertwende. Einige der sogenannten „Hentschelkinder“ entstanden ursprünglich in Verbindung mit Schreibtischgarnituren als Dekoration für den Arbeitstisch.

Das Besondere an Hentschels Kompositionen ist neben der Lebendigkeit der Figuren, die liebevoll und individuell umgesetzten Alltagsszenen an denen wir teilhaben dürfen. So sehen wir ein Kind mit einem Hund oder einer Puppe spielen, einen Jungen in sein Bilderbuch vertieft, ein Mädchen mit Puppenwagen oder auch einen Jungen aus einer Zwiebelmustertasse trinkend. Eigen ist allen Kindern die Einfachheit der Ausführung. Dennoch wurde auf kleine Details geachtet. Die Farbgebung gibt Hentschel einen kleinen Gestaltungsspielraum, wie beispielsweise verschiedene Ausführungen des Bilderbuchs des kleinen Jungen, oder aber auch die zu einem Hut gefaltete Zeitung die es in deutscher und in dänischer Ausführung gibt.

Konrad Hentschel schafft es mit seinen realistischen Kinderdarstellungen die charakteristischen Wesenszüge eines jeden einzelnen Kindes durch Mimik, farblicher Gestaltung und kleineren Details hervorzuheben und „mit ihrer emotionaleren Eindringlichkeit, Aura und Authentizität“ den Betrachter in das kindliche Spiel einzubeziehen.

„Es ist diese Intensität und Natürlichkeit, die der Jugendstilkünstler […] in Porzellan verewigt – und damit einen Wendepunkt in der Meissener Kleinplastik zu Beginn des 20. Jahrhunderts markiert.“ 

Literatur:

  • Jedding, Hermann: Meißener Porzellan des 19. und 20. Jahrhunderts 1800–1933. München 1981, S. 109f.
  • Bröhan-Museum (Hrsg.): Porzellan. Kunst und Design 1889 bis 1939. Vom Jugendstil zum Funktionalismus, Berlin 1996, vgl. S.88f.

www.meissen.com/de/meissencollectiondetail/hentschelkinder

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