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Katalog 338 Zeitgenössische Kunst

328 NAY, ERNST WILHELM 1902 Berlin - 1968 Köln Komposition A. 1953. Öl auf Leinwand. 101 x 120cm. Signiert und datiert unten rechts: Nay 1953. Bezeichnet verso auf dem Keilrahmen oben: Nay - Komposition A 1953 E.N. Nummeriert auf dem Keilrahmen Mitte: 159. Rahmen. Provenienz: Privatsammlung Nürnberg Ausstellungen: Frankfurter Kunstverein Steinernes Haus, Frankfurt a.M. 1953 Galerie Neher, Essen 1982 Literatur: Scheibler, Aurel: Ernst Wilhelm Nay - Werkverzeichnis der Ölgemälde, Band II, 1952-1968, Köln 1990, Wvz.-Nr. 650 mit S/W-Abb. Ausst.-Kat. Blickpunkte - Blumen, Menschen, Landschaften, Galerie Neher, Essen 1982, Kat.-Nr. 45, Abb. S. 34/35. „Die Fläche als imaginärer Raum, die farbige, dynamische Konstruktion, 150 das Ornament, das Relief, das Licht aus der absoluten Farbe.“ (Nay zit. nach Karl Ruhrberg, „Die Malerei in Europa und Amerika 1945–1960“, Köln 1992, S. 60). Schon während des Kriegsdienstes 1943 beschreibt Ernst Wilhlem Nay seine Idee über die formalen Eigenschaften einer zukünftigen freien Malerei, die nur sich selbst zum Thema hat. Ein Jahrzehnt später vollzieht er den Schritt von einer farbintensiven, expressiven Figurenmalerei hin zur Improvisation ausdrucksvoller, melodischer Farbklänge und findet 1952/53 mit der Serie der „Rhythmischen Bilder“ schließlich zur völligen Abstraktion. Anregungen hierfür findet er bei der „neueren Musik“ u.a. von Schönberg, Strawinsky, Hindemith und Stockhausen. So bestimmt ein heftiger, vitaler Rhythmus seine jetzt entstehenden Kompositionen. Dieser kündigt sich schon in den kleinen, einzelnen Farbformen an, die sich, angestimmt vom Takt meist schwarzer Liniaturen, zu einem harmonischen Akkord zusammenfinden. Damit einher geht die Auflösung der bis dahin klar begrenzten Farbfigurationen, die nun als spitze und zackige Farbflächen erscheinen. Hier bringt Nay seine Erfahrung mit der druckgrafischen Holzschneidetechnik ein, wobei er die herausgeschnitten splittrigen Holzpartien in seine Malerei überträgt. Die „Komposition A“ ist ein eindrucksvolles Beispiel für seinen neuen malerischen Ansatz: „Ungebändigte“ Farbformen schwirren ungestüm durch den Bildraum und erzeugen bei ihren Zusammentreffen unterschiedliche Tonalitäten - vom „leisen Klang“ einer Grau-Schwarz- Begegnung bis zum „lauten Schrei“ einer Rot-Grün-Berührung. Die sie begleitenden, überwiegend schwarzen und weißen, Punkte und Strichgefüge steigern die Dynamik. Zugleich binden diese die Farbformen in ein grafisches Netz ein und damit an die Bildfläche. Wie in der Musik zeigen die Bewegungsabläufe keine Variationen einer „Figur“, sondern ihre Bearbeitung nach strengen Regeln, bei der bestimmte Strukturen sichtbar und die „Figur“ stets wirksam bleiben. (Siegfried Gohr, in: Ernst Wilhelm Nay, Werkverzeichnis der Ölgemälde, Bd. I, 1922–1951, Museum Ludwig (Hrsg.), Köln 1990, S. 18) € 150.000 - 200.000 | $ 207.000 - 276.000


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