293. Auktion "Alte Kunst", 15.11.2010, Los 486
Der Garten Eden mit der Erschaffung Adam und Evas
Öl auf Leinwand. Doubliert. 162 x 237,5cm. Rahmen. Provenienz: Seit den 50er Jahren in Freiburger Privatbesitz.
Mündl. Auskunft: Nach mündlicher Auskunft von Damian Brenninkmeyer, Christie's, Amsterdam hat Fred Meijer, RKD, Den Haag das Gemälde im Original gesehen und die Eigenhändigkeit bestätigt. Wie üblich, sind solche Formate in der Werkstatt entstanden - vermutlich ist der Himmel und Teile der Landschaft auf eine Beteiligung von Jan Wildens (ca. 1584 - 1653 Antwerpen) und Werkstatt zurückzuführen.
Ergebnis: € 156.250 (Schätzpreis: € 95.000)
293. Auktion "Alte Kunst", 15.11.2010, Los 486
Der Garten Eden mit der Erschaffung Adam und Evas
Öl auf Leinwand. Doubliert. 162 x 237,5cm. Rahmen. Provenienz: Seit den 50er Jahren in Freiburger Privatbesitz.
Mündl. Auskunft: Nach mündlicher Auskunft von Damian Brenninkmeyer, Christie's, Amsterdam hat Fred Meijer, RKD, Den Haag das Gemälde im Original gesehen und die Eigenhändigkeit bestätigt. Wie üblich, sind solche Formate in der Werkstatt entstanden - vermutlich ist der Himmel und Teile der Landschaft auf eine Beteiligung von Jan Wildens (ca. 1584 - 1653 Antwerpen) und Werkstatt zurückzuführen.
Ergebnis: € 156.250 (Schätzpreis: € 95.000)
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Paul de Vos
um 1596 Hulst - 1678 Antwerpen - und Werkstatt
Dieser Preis für das prächtige Gemälde, das den Garten Eden mit der Erschaffung Adam und Evas zeigt, ist ein großer Erfolg für VAN HAM. Für 70.000 Euro bei Christie’s im Mai 2008 durchgefallen, erkannten die Experten von Van Ham das Potential des Bildes und ließen es von den Restauratorinnen der "Gruppe Köln" fachgerecht restaurieren.
Biografie von Paul de Vos
Der Maler Paul de Vos gilt neben seinem Schwager Frans Snyders als einer der großen Tiermaler seiner Zeit und ist unter anderen, wie auch Jan Wildens, an Werken des Peter Paul Rubens beteiligt. Seine monumentalen Tierszenen sind begehrte Objekte der adeligen Gesellschaft.
Zum vorliegenden Gemälde gibt es Varianten in den großen Museen, so im Louvre (Inv. 1844), der Alten Pinakothek in München (Inv. 962), dem Kunsthistorischen Museum in Wien (Inv. 1709) sowie der Dresdner Gemäldegalerie (Inv. 145).
Das Thema der Darstellung nimmt Bezug auf die biblische Grundlage -die Genesis, in deren Zentrum die göttliche Erschaffung des Menschen steht. Sie wird hier bildhaft umringt von einer detailiiert und liebevoll gestalteten Tierwelt, deren gehaltvolle Ausgestaltung nicht nur den hohen künstlerischen Anspruch der Vosschen Werkstätte verdeutlicht, sondern auch darüberhinaus metaphorisch den religiös geschürten Konflikt der katholischen Niederlande mit seinen protestantischen Nachbarn kommentiert und hierzu Stellung bezieht.
Insbesondere auffällig erscheinen Zaumzeug und Sattel der Pferde, deren Herkunft durch die lange, gepflegte Mähne sowie die roten verspielten Schnüre an spanische Vorbilder erinnert. Das spanische Protektoriat der katholischen, niederländischen Provinzen drückt sich also hier in einem Detail aus, was mit der Präsenz während der Schöpfergeschichte ein Hinweis auf den Auftraggeber ist und quasi nebenbei Spielräume einer möglichen weiteren Deutung eröffnet: Der paradiesische Zustand ist per se ein friedlicher und gesellschaftliches sowie religiöses Ziel beider Lager. Der Weg dorthin wird jedoch unterschiedlich beschritten und zeigt mit der Darstellung der Genesis die Schwachstelle der Calvinistischen Heilslehre in ihrer "Prädestination", also einer vorbestimmten Auswahl Gottes in Auserwählte und Verdammte, auf. Hauptsächlich erscheint das Gemälde jedoch als himmlischer Garten Eden, ein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit.
Hierin steht das prächtige Gemälde, welches Vergleiche mit den genannten musealen Varianten nicht zu scheuen braucht, in einem eng verwobenem Kontext der politischen Ambitionen und der künstlerischen Ausdruckskraft anderer Werke des Rubenskreises. Rubens selbst Hofmaler, Diplomat und Botschafter sah den durch ihn ermöglichten Frieden, den Beginn des " Goldenen Zeitalters" als sein größtes Werk an. Remineszensen an Aufträge des großen Meisters finden sich beispielsweise im Löwen, der hier in gleicher Haltung im Medici Zyklus auftaucht (Vgl. Peter Paul Rubens: Entrevue du Roi et de Marie de Medicis a Lyon le 9 Novembre 1600. Louvre, Inv.:1775.). Der wichtigste Unterschied zu allen anderen Werken der Vosschen Werkstatt sind die von links oben in das Bild hineinkommenden Pferde. Der kompositorisch wichtige Schimmel gibt den farblichen Kontrapost zum weiß durchdrungenen Stierkopf und fungiert außerdem als helle Fortsetzung der rechten Himmelswolken. Diesen Gehalt erhöht die ikonograpische Bedeutung deren Basis die Kenntnis zweier Parameter ist, die kurz benannt werden: 1) Die Auseinandersetzungen der verschieden christlichen Lager erzeugten Synonyme und Methapern die in jener Zeit leicht verständliches Allgemeinwissen waren. Damit änderte sich sowohl das Abbild der Pferde als auch seine gesellschaftliche Rolle; dem hohen kräftigen adligen Reitpferd, welches quasi die Eigenschaften seines katholischen Besitzers widerspiegeln soll, steht im reformierten, calvinistischen Lager eher der arbeitsame Ackergaul gegenüber. 2) Paul de Vos arbeitet in jener Zeit, also um 1637, u.a. im Werkstattverband unter Rubens und Snyders an der Ausschmückung des Buen Retiro und des Torre de la Parada für Philip IV. von Spanien.
Der kunsthistorische Deutungsspielraum lässt das Gemälde also Kraft seiner Pferde, deren Zaumzeuge Ihre quasi spanische Provenienz belegen, als Auftrag eines katholischen Fürsten erscheinen, dessen politisches Ziel der Frieden ist.
Möglicherweise handelt es sich hier also äquivalent zum Porträt Phillips des IV aus dem Stockholmer Nationalmuseum (Inv. 762 , Sammlung Königin Christina von Schweden), welches als Gemälde von Paul de Vos (Pferd) und Cornelis de Vos (Phillip IV) gilt, um den Auftrag eines habsburgischer Herrschers.
Das Gemälde ist nicht zuletzt aufgrund seiner enormen kunsthistorischen Bedeutung im Auftrag von Van Ham Kunstauktionen restauriert worden. Die höchst professionelle Restaurierung der Gruppe Köln kann hier nur lobend hervorgehoben werden.
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