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277. Auktion "Moderne und Zeitgenössische Kunst", 27. Mai 2009
Drei Akte im Wald. 1912. Öl auf Nessel. 51 x 50,4cm. Signiert und datiert unten rechts: E L Kirchner 12. Rückseitig ein weiteres Mal in Bleistift signiert: "E L Kirchner". 
Literatur: 
Gordon, Donald E.: Ernst Ludwig Kirchner, mit einem kritischen Katalog sämtlicher Gemälde, München 1968, Wvz. Nr. 263, Abb. S. 311
Ausstellung: 
Galerie Ludwig Schames, Frankfurt/Main 1919, Kat. Nr. 21, ohne Abb.
Provenienz: 
Sammlung Alfred Hess, Erfurth
Sammlung Notar Robert Sterck, Köln
Rheinische Privatsammlung
Veräußerer und die Erbengemeinschaft der Eigentümerfamilie Hess haben sich hinsichtlich evtl. bestehender Restitutionsansprüche geeinigt. Seitens der Familie Hess werden keinerlei Ansprüche hinsichtlich dieses Werkes geltend gemacht.
Ergebnis: € 1,1 Mio. (Schätzpreis: € 400.000)

277. Auktion "Moderne und Zeitgenössische Kunst", 27. Mai 2009
Drei Akte im Wald. 1912. Öl auf Nessel. 51 x 50,4cm. Signiert und datiert unten rechts: E L Kirchner 12. Rückseitig ein weiteres Mal in Bleistift signiert: "E L Kirchner". 
Literatur: 
Gordon, Donald E.: Ernst Ludwig Kirchner, mit einem kritischen Katalog sämtlicher Gemälde, München 1968, Wvz. Nr. 263, Abb. S. 311
Ausstellung: 
Galerie Ludwig Schames, Frankfurt/Main 1919, Kat. Nr. 21, ohne Abb.
Provenienz: 
Sammlung Alfred Hess, Erfurth
Sammlung Notar Robert Sterck, Köln
Rheinische Privatsammlung
Veräußerer und die Erbengemeinschaft der Eigentümerfamilie Hess haben sich hinsichtlich evtl. bestehender Restitutionsansprüche geeinigt. Seitens der Familie Hess werden keinerlei Ansprüche hinsichtlich dieses Werkes geltend gemacht.
Ergebnis: € 1,1 Mio. (Schätzpreis: € 400.000)

 

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Weitere Werke von Ernst Ludwig Kirchner

Ernst Ludwig Kirchner

1880 Aschaffenburg - 1938 Frauenkirch/Davos


VAN HAM hat einen herausragenden Preis für Kirchners "Drei Akte im Wald" erzielt.


Biografie von Ernst Ludwig Kirchner

Kirchner, Ernst Ludwig (Pseudonym: Louis de Marsalle), deutscher Maler, Zeichner, Graphiker und Bildhauer, * 6.5.1880 Aschaffenburg, † 15.6.1938 (Freitod) Wildboden, Frauenkirche/Davos; ab Frühjahr 1890 Chemnitz Besuch der Volksschule und des Realgymnasiums, Anregungen durch Zeichenlehrer Fischer, 1901 Abitur. Seit Sommersemester 1901 Student an der Architekturfakultät der Sächs. Techn. Hochschule Dresden; Wintersemester 1903/04 in München an der TH und im »Lehr- und Versuchsatelier für Angewandte und Freie Kunst« unter Leitung von W.v. Debschütz und Hermann Obrist; März 1904 erster Holzschnitt »Appelfatzke«, gedruckt auf einer Postkarte an F. Bleyl, einen Kommilitonen aus Dresden. Setzt im Flühjahr 1904 Architekturstud. in Dresden fort, begegnet E. Heckel, arbeitet mit ihm und Bleyl zusammen. Am 7. Juni 1905 gründen die Freunde mit Karl Schmidt aus Rottluff die Künstlergruppe »ð Brücke«. Juli 1905 erhält K. den Grad eines Dipl.- Ing. Erste Brücke-Ausst. im November 1905 in der Kunsthalle P. H. Beyer & Sohn in Leipzig. Erste Einzelausst. K.s mit K. Schmidt-Rottluff im Kunstsalon A. Dörbandt in Braunschweig im Januar 1908. Im Jahre 1909 entstehen die bedeutenden Dresdner Stadtansichten (»Straßenbahn in Dresden«, Slg. Dr. M. Fischer, Stuttgart). Im Sommer 1908 und Frühjahr 1910 Reisen nach Fehmarn, weitere Aufenthalte dort folgen. 1910 Mitglied des »Dt. Künstlerbundes«. Es entstehen die ersten Berliner Stadtansichten. Im September 1910 große Ausst. der »Brücke« in der Gal. Arnold in Dresden, für den Katalog schneidet K. die Mitgliederliste, auch die der Passivmitglieder, in Holz. »Stehender Akt mit Hut« (überarbeitet 1920) – eines seiner Hauptbilder (Städt. Gal. im Städelschen Kunstinst., Frankfurt/M.) entsteht. Januar 1911 Zusammenarbeit mit Heckel und Pechstein in Berlin, siedelt im Oktober 1911 nach Berlin-Wilmersdorf über und gründet mit Pechstein das »MUIM-Institut« (Moderner Unterricht in Malerei). Im »Sturm« erscheinen von Juli 1911 bis März 1912 10 Holzschnitte von K. Nimmt April-Mai 1912 an der Kölner »Sonderbund-Ausst.« teil, wo K. eine 4 m hohe »Madonna« malt. 1913 schreibt K. im Auftrag der »Brücke«-Künstler die Chronik der Gemeinschaft – die »Brücke« wird im Konflikt darüber aufgelöst. 1913 Holzschnitte zu A. Döblins »Das Stiftsfräulein und der Tod«. Gegen E. 1913 beginnt K. mit einer Reihe großformatiger Berliner Straßenszenen mit flanierenden Kokotten und meist männl. Passanten aus der Gegend um die Friedrichstraße. 1914 dritte Einzelausst. K.s im Jenaer KV, Kontakte v.a. zu E. Grisebach und B. Graef. Anf. August 1914 meldet sich K. als »unfreiwillig Freiwilliger« zum Kriegsdienst, im September 1915 wegen »Lungenaffektion und Schwäche« bis 29. Oktober beurlaubt. Er malte wohl in Berlin während eines Urlaubs das dramat. »Selbstbildnis als Soldat« (Oberlin/Ohio, Allen Memorial Art Mus., Oberlin College, Charles F. Onley Fund). Gleichzeitig entsteht die Holzschnittfolge »Peter Schlemihl« nach Chamisso. 1916/17 Aufenthalte in Sanatorien. Am 8. Mai 1917 siedelt K. nach Davos über, wird von dem Arzt Dr. Luzius Spengler betreut. Malt im Juli wieder auf der Stafelalp über Davos, außerdem Porträtholzschnitte. September erste Ausst. in der Schweiz (Buchhandlung Erfurt in Davos). Am 15. September 1917 sucht K. auf Anraten H. van de Veldes das Nervensanatorium Dr. Ludwig Binswanger in Kreuzlingen (Schweiz) auf. Im Jahre 1918 entstehen die Holzschnittfolgen »Triumph der Liebe« und »Absalom« sowie das »Porträt Ludwig Schames«. Begegnung mit der Tochter Henry van de Veldes, Nele (»Briefe an Nele«). K. errichtet die Botho-Graef-Stiftung – 250 Blatt Graphik und Zeichnungen zugunsten des Jenaer KV, die als »Entartete Kunst« später aufgelöst wird. Im »Genius« II/2, 1920, interpretiert er unter dem Pseudonym L. de Marsalle, das er für Besprechungen beibehält, »Die Zeichnungen von E. L.K.«. Im Februar 1921 Ausst. mit ca. 50 Werken im Berliner Kronprinzenpalais, eigener Aufsatz »Über K.s Graphik« (»Genius« 3, 1921, Bd. 2). Arbeit an einer der beiden 2 m hohen Tonfiguren »Adam und Eva«. Die Weberin Lise Gujer webt Teppiche nach Entwürfen K.s., die von Mus. (Mus. Folkwang Essen, Kunsthalle Hamburg) und Sammlern erworben werden. Für den Katalog »Ausst. von neueren Gemälden und Graphik von E. L.K. 1916-21« in der Gal. Ludwig Schames verfaßt K. einen Beitrag »Über die Schweizer Arbeiten von E. L.K.«. Freundschaft mit dem Dichter Jakob Bosshardt, dessen Novellenzyklus »Neben der Heerstraße«, versehen mit 23 Holzschnitten von K. im Verlag Grethlein, Leipzig und Zürich, im Jahre 1923 erscheint. Der Kurt-Wolff-Verlag bringt 1924 »Umbra vitae« von G. Heym mit 47 Holzschnitten von K. heraus (1919 beg.), dessen gesamte Gestaltung in K.s Händen lag. Im Frühsommer 1927 erteilt E. Gosebruch, Direktor des Folkwang-Mus., K. den Auftrag, den großen Festsaal des Mus. mit großen Wandgemälden zu schmücken. Erst im Februar 1933 beendet K. den Entwurf, zu einer Ausführung kommt es nicht mehr. K. wird 1931 Mitglied der Preuß. Akad. der Künste. Im März 1933 große Ausst. in der Kunsthalle Bern mit 236 Werken. 1937 werden aus dt. Mus. 639 Werke K.s als »entartet« entfernt, 32 in der Ausst. »Entartete Kunst« in München gezeigt. Im Juli 1937 legte die Preuß. Akad. der Künste K. den Rücktritt als Mitglied nahe. Am 15. 6. 1938 setzte K. seinem Leben ein Ende, zerstörte zuvor Zeichnungen, Holzplastiken und seine sämtl. Holzstöcke. K. folgte in seinen Anf. noch dem Jugendstil, bes. in der Druckgraphik ist der Einfluß F. Vallotons spürbar; etwa 1908 hat er sich davon gelöst und gelangt in dem Holzschnitt »Kinderporträt K.-H.« zu dem flächenhaften Stil, der als erster Höhepunkt der »Brücke« zu bezeichnen ist. Um 1909 ist der Einfluß von Matisse und der Fauves zu beobachten. Anregungen erhielt K. auch aus Werken der Südseekulturen im Völkerkundemus. Dresden. Auch Bilder Gauguins waren im November 1906 in der Dresdner Gal. Arnold ausgestellt. Abschluß und Höhepunkt der Dresdener Phase eines utop. Lebensentwurfes der »Brücke« sind seine Gemälde von den Moritzburger Seen (Vier Badende, 1910, Wuppertal, Von der Heydt- Mus.). Kurz danach wird der sinnl. Impuls noch gesteigert durch die Beschäftigung mit ind. Kunst (Fünf Badende am See, 1911, Berlin, Brücke-Mus.). Seit 1913 distanzierte sich K. von seinen früheren Freunden in der »Brücke«. In eigenen Wertungen äußerte er sich abschätzig über die Kunst seiner früheren Weggefährten. K. datierte seine Bilder und Graphik selbst zurück, um den Anschein einer frühen Reife zu erzeugen. Die Intensität der Farbe der frühen Bilder nimmt gegen 1910 zu, leidenschaftlich und großflächig angewandt. Die Berliner Jahre lassen ihn zu seinen intensivsten, eindrucksvollsten und auch selbständigsten Bildern gelangen. Die Farbskala wird knapper, der Ausdruck dabei konzentrierter. Oft bestimmen 2-3 Farben die Bilder: »Grün-Ocker, Blau-Rot, Grün- Blau. Die Formen werden eckig ... die Farben wirken wie mit schnellen Pinselhieben aufgetragen« (D. Honisch 1980). Die Farbakkorde werden gemäßigter, da die Komplementärfarben zugunsten im Farbkreis nebeneinanderliegender Farben zurücktreten. Prägend wird zunehmend eine »Asketisierung der menschl. Gestalt« (G. Schiefler 1913), ein z.T. von Kubismus und Futurismus angeregter emblemat. Figurenstil, bes. in den dissonanten Straßenbildern vor 1914 mit ihren scharfen Formkontrasten, die die hekt. Großstadtumwelt reflektieren. Nach dem seel. und körperl. Zusammenbruch K.s, der bes. durch den Militärdienst ausgelöst wurde, veränderten die Schweizer Jahre seinen Malstil, die Farben werden rein und leuchtend, die zeichner. Form gestärkt, die Proportionen verändert. Ab 1921 setzt der »Prozeß der Ausdrucksberuhigung« ein. Es entstand der sog. »Teppichstil«, der die Fläche zum beherrschenden Element seiner Bilder machte und der ab 1927 in den sog. »abstrakten Stil« K.s übergeht. 1927-29 sind zunächst wenige Bilder davon betroffen, die Jahre 1930-34 bedeuten den Höhepunkt. Die Formate werden größer. Von der »Konturfläche« gelangt K. zur »bildl. Unabhängigkeit der linearen Akzente« (Gordon). Einflüsse vom synthet. Kubismus Picassos, Braques und Légers, für die Verselbständigung der Linie Anregungen von Klee. K. entwarf in diesen Werken der Schweizer Jahre noch einmal eine Welt der Utopie im Einssein von Mensch und Natur.

In Kooperation mit dem Seemann Verlag
Aus: Lexikon der Kunst: Kirchner. Lexikon der Kunst, Bd. 3, S.749-750, (c) E. A. Seemann

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