289. Auktion "Moderne und Zeitgenössische Kunst", 4. Juni 2010, Los 196
Peter Brüning
Komposition (Nr. 40/63). 1963. Öl auf farbige Kreide. Leinwand. 60 x 80,5cm. Signiert und datiert unten rechts: Brüning 63. Rahmen.
Literatur:
Marie-Luise Otten (Hrsg.), Peter Brüning, Köln, 1988, Wvz.-Nr. 531, Abb. S. 393.
Ausstellung:
Galerie Widmann, Bremen, 1964-1965, Kat.-Nr. 20.
Ergebnis: € 68.600 (Schätzpreis: € 18.000)
289. Auktion "Moderne und Zeitgenössische Kunst", 4. Juni 2010, Los 196
Peter Brüning
Komposition (Nr. 40/63). 1963. Öl auf farbige Kreide. Leinwand. 60 x 80,5cm. Signiert und datiert unten rechts: Brüning 63. Rahmen.
Literatur:
Marie-Luise Otten (Hrsg.), Peter Brüning, Köln, 1988, Wvz.-Nr. 531, Abb. S. 393.
Ausstellung:
Galerie Widmann, Bremen, 1964-1965, Kat.-Nr. 20.
Ergebnis: € 68.600 (Schätzpreis: € 18.000)
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Peter Brüning
1929 Düsseldorf - 1970 Ratingen
Bei der Frühjahrsauktion "Moderne und Zeitgenössische Kunst" 2010 bei VAN HAM war die Komposition (Nr. 40/63) von Peter Brüning unangefochtener Ausreißer der Auktion.
Biografie von Peter Brüning
"Es geht um die Auflösung des klassischen Formprinzips: keine festumrissenen Formen malen, sondern die jeweilige Malmaterie so bearbeiten, dass es nur noch Passagen, Strukturen, Texturen, Farbflüsse oder Verflechtungen von Mal- und Zeichenspuren gibt." So beschrieb Karl Otto Götz, einer derbedeutendsten Maler des deutschen Informel, die neu gewonnene malerische Freiheit,welche die Künstler sich in den Nachkriegsjahren schafften. Die Entwicklung der neuen abstrakten Kunst begann Mitte der 40er Jahre in Paris vor dem aktuellen, kulturellen und politischen Hintergrund, als die Künstler nach dem Zweiten Weltkrieg die konstruktive Kunst in Frage stellten und einen neuen Sinn suchten. Sie fanden sie in einem neuen freien Umgang mit den Malmitteln. Man experimentierte mit Materialien, die Leinwand wanderte von der Staffelei auf den Boden, man goss die Farbe oder zerkratzte sie.
Der französische Kritiker Michel Tapié führte den Begriff "Informel" ein, als er 1951 die Ausstellung "Signifiants de l’Informel" im Pariser Studio Facchetti kuratierte. Er ist zum Oberbergriff verschiedener Strömungen abstrakter Kunst geworden. Die Übergänge sind fließend: "Lyrische Abstraktion, "Tachismus", oder "Art autre". In Amerika, wo man schon früher auf bildnerische Kompositionsgesetze verzichtete und versuchte, Materialität und Farbe für sich sprechen zu lassen, setzte sich die Bezeichnung "Abstrakter Expressionismus" oder auch "Action Painting" durch.
Die Wurzeln dieser Kunstrichtung liegen im Surrealismus und Expressionismus. Schon in diesen Kunstrichtungen wird der Drang nach Freiheit spürbar. Während im Surrealismus das Irrationale und Unbewusste die sichtbare Welt verdrängt, wird im Expressionismus bereits die Farbe zur Steigerung des Ausdrucks verwendet.
Die direkten Wegbereiter aus Paris waren Wols, Jean Fautrier oder Jean Dubuffet. In Deutschland erreichte das Informel in den 50er Jahren seinen Höhepunkt. Eine Schlüsselrolle kommt der Ausstellung "Quadriga" zu. Otto Greis, Karl Otto Götz, Heinz Keutz und Bernard Schultze beeinflussten mit ihrer Ausstellung von 1952 die Entwicklung der Malerei in den fünfziger Jahren wegweisend. Weitere, nicht so homogene Gruppen bildeten sich, wie der "junge westen" im Rheinland, "ZEN 49" in München oder die "Gruppe 53" um Gerhard Hoehme, Winfred Gaul und Peter Brüning in Düsseldorf. Zur festen Etablierung des Informel trug schließlich die "documenta II" in Kassel 1959 entscheidend bei, denn hier stellten alle internationalen, namhaften Künstler der Bewegung aus.
Der ersten Generation der Vertreter des Informel gelang der Durchbruch zu ihrer Zeit nicht in dem Maße, wie ihren bekannten Schülern, darunter Gerhard Richter, Georg Baselitz, Sigmar Polke, oder Günther Förg. Kunstrichtungen wie die "Pop Art" begannen schnell, die Kunstszene zu dominieren.
In den letzten Jahren wird der informellen, gestisch-abtrakten Kunst ihre rechtmäßige Würdigung zuteil. Die Ausstellung "Le grand geste! 1946 – 1964 Informel und Abstrakter Expressionismus", die vom 10.04. bis 01.08.2010 in Düsseldorf im museum kunst palast gezeigt wurde, fokussierte die Höhepunkte des deutschen Informel und zeigte ihre ebenbürtige Rolle im internationalen Kontext. Aber nicht nur im Ausstellungswesen bewegt sich etwas. Auch auf dem Kunstmarkt zeigt sich ein deutlich gestiegenes Interesse an diesen Künstlern. Bei der Frühjahrsauktion "Moderne und Zeitgenössische Kunst" bei Van Ham war die Komposition (Nr. 40 / 63) von Peter Brüning unangefochtener Ausreißer der Auktion. Auf 18.000 Euro geschätzt, stieg das großartige Gemälde auf 68.600 Euro. Die große Zeit der Künstler des Informel ist endlich gekommen.
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