VAN HAM Kunstauktionen

276. Auktion "Europäisches Kunstgewerbe und Schmuck", 16. Mai 2009
Dactyliotheca Universalis
Dresden. Zwischen 1755 und 1776. Philipp Daniel Lippert (1702-1785).
Gipsabdruckmasse nach Lippertschem Verfahren. Einbände, lederbezogen, geprägt, die Schübe mit Nussbaum furniert. Dreibändige Edition mit einer Sammlung von über 3000 Abgüssen antiker Gemmen. Sammlungschatullen in Buchform mit je 19 Schublädchen. Rot gefasste Abdeckungen. Je 48,5 x 20 x 38 cm. Provenienz: Privatsammlung Rheinland.
Ergebnis: € 31.500 (Schätzpreis: € 10.000)

276. Auktion "Europäisches Kunstgewerbe und Schmuck", 16. Mai 2009
Dactyliotheca Universalis
Dresden. Zwischen 1755 und 1776. Philipp Daniel Lippert (1702-1785).
Gipsabdruckmasse nach Lippertschem Verfahren. Einbände, lederbezogen, geprägt, die Schübe mit Nussbaum furniert. Dreibändige Edition mit einer Sammlung von über 3000 Abgüssen antiker Gemmen. Sammlungschatullen in Buchform mit je 19 Schublädchen. Rot gefasste Abdeckungen. Je 48,5 x 20 x 38 cm. Provenienz: Privatsammlung Rheinland.
Ergebnis: € 31.500 (Schätzpreis: € 10.000)

 

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Dactyliotheca Universalis

VAN HAM hat regelmäßig besonders seltene und wertvolle Kunstkammer-Objekte in der Auktion.


Historie "Dactyliotheca Universalis"

Eine Daktyliothek (griech.: daktyliotheke = Ringbehälter) war im Ursprung die Sammlung antiker Ringe, meist Siegelringe. Im Laufe der Zeit wurde dann die Sammlung von Abdrücken antiker Gemmen und Kameen, also geschnittener Schmuck- und Edelsteine, als solches bezeichnet.
Die älteste Daktyliothhek trug Scaurus in Rom zusammen. Mithridates besaß ebenfalls eine umfangreiche und berühmte Sammlung, die nach dessen Fall Pompejus als Sieger nach Rom brachte und sie im Kapitol dem Jupiter weihte.
Die scheinbar preiswerte Nachbildung aus Gips oder anderen Massen war von hoher wissenschaftlicher Bedeutung. Die Sammlungen erfreuten sich besonders in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, also zu Beginn der Aufklärung, in den gebildeten Schichten des Bürgertums und des Adels größter Beliebtheit. Der Besitz einer Daktyliothek dokumentierte die Zugehörigkeit zu einer gebildeten, aufgeklärten gesellschaftlichen Elite.
Der Dresdener Philipp Daniel Lippert (Kgl. Poln. u. Churf. Sächs. Hofmaler) zählte zu den besten und überdurchschnittlichsten Herausgebern einer solchen Sammlung. Die Lippertsche Daktyliothek war aufgrund ihres großen Umfangs sehr kostbar und somit nicht für Jedermann erschwinglich. 1702 in Meißen geboren, stammte Lippert aus einfachen, ärmlichen Verhältnissen. Ursprünglich zum Glaser ausgebildet, arbeitete er sich zum Zeichenlehrer am sächsischen Hof empor. 1764 wurde er zum Professor der Antiken an der Dresdener Kunstakademie ernannt. Früh reifte der Plan eine enzyklopädisch gegliederte Abdrucksammlung von Gemmen aller europäischen Kabinette zusammenzustellen. Groß war der Kreis seiner Gönner, selbst Winckelmann und die sächsische Kurfürstin versorgten ihn mit Abdrücken aus ganz Europa.
1753 erschien dann die erste Sammlung von rund 1000 Abdrücken in Form eines Folianten mit zahlreichen Schubladen.
Sein geheim gehaltenes Rezept der Abgussmasse trug wesentlich zu seinem Erfolg bei. Es verlieh den Abgüssen eine besondere Haltbarkeit und einen unvergleichbaren Glanz. Ab 1755 entstand die dreibändige Edition mit nun mehr als 3000 Abgüssen unter dem ausdrucksstarken lateinischen Titel "Dactyliotheca Universalis". Diese herausragende Leistung Lipperts führte zu einer großen Hochachtung und die gebildete Elite feierte ihn als "würdigster Patriot für die Künste". Bei seinem Tod im Jahre 1785 galt die Lippertsche Daktyliothek als wichtigstes Referenzwerk für die antike Bilderwelt. Sie befindet sich heute in vielen bedeutenden Sammlungen in- und ausländischer Museen.

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