295. Auktion, "Moderne und Zeitgenössische Kunst", 2. 12. 2010, Lot 518
Holstentor. 1980
Acryl und Siebdruck auf Leinwand. 110 x 130cm. Signiert verso auf umgeschlagener Leinwand: Andy Warhol sowie Stempel mit Identifikations-Nr.: A112.095. Rahmen.
Eine Bestätigung des Andy Warhol Art Authentication Board, Inc., New York, vom 4. Juni 2009 liegt in Kopie vor. Wir danken Frau Laura Povinelli vom Andy Warhol Art Authentication Board, Inc., New York für ihre freundliche Unterstützung.
Provenienz:
Galerie Hermann Wünsche, Bonn
Rudolf Budja Gallery, Salzburg/Wien/Miami
Privatsammlung, Miami
Ergebnis: € 611.500 (Schätzpreis: € 500.000)
295. Auktion, "Moderne und Zeitgenössische Kunst", 2. 12. 2010, Lot 518
Holstentor. 1980
Acryl und Siebdruck auf Leinwand. 110 x 130cm. Signiert verso auf umgeschlagener Leinwand: Andy Warhol sowie Stempel mit Identifikations-Nr.: A112.095. Rahmen.
Eine Bestätigung des Andy Warhol Art Authentication Board, Inc., New York, vom 4. Juni 2009 liegt in Kopie vor. Wir danken Frau Laura Povinelli vom Andy Warhol Art Authentication Board, Inc., New York für ihre freundliche Unterstützung.
Provenienz:
Galerie Hermann Wünsche, Bonn
Rudolf Budja Gallery, Salzburg/Wien/Miami
Privatsammlung, Miami
Ergebnis: € 611.500 (Schätzpreis: € 500.000)
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Andy Warhol
1928, Pittsburgh, PA - 1987 New York City
VAN HAM Kunstauktionen erzielte für das Gemälde aus der Serie der "German Monuments" in der 295. Auktion ein herausragendes Ergebnis.
Biografie von Andy Warhol
Anfang der 1950er-Jahre lebte Warhol quasi „von der Hand in den Mund“, machte Gelegenheitsarbeiten als Grafiker bei Werbeagenturen oder verkaufte Obst und Gemüse auf der Straße. In dieser Zeit entwickelte er seine Technik des drop and dripping, einer Methode, die seine späteren Siebdrucke vorwegnahm. Auf sogenannten „Colouring Partys“ lud er Freunde und Gäste ein, welche dazu beitrugen, seine Arbeiten farbig auszumalen (was bereits auf die spätere serielle „fabrikartige“ Produktionsweise seiner Werke und Filme durch Mitarbeiter hindeutete). Die Druckgrafik bot die technische Übersteigerung seiner Sujets.
Vorrangig sind seine Porträts bekannter Persönlichkeiten (Marilyn Monroe, Elvis Presley, Liz Taylor, Mao und viele andere mehr). Er interessierte sich indes auch für die Ästhetik der Ware und der Konsumgesellschaft, wobei Konsum von ihm positiv gesehen wurde.
Umstritten ist, ob dies eine Variante der Überidentifikation darstellte, wie auch viele seiner Statements. Er liebte die Künstlichkeit und raffinierte Kolportagen und schaffte es (als gelernter Grafiker) geschickt, sich selbst als Image/Marke zu erfinden und zu feiern. Sein Werk folgt dem beständigen Versuch, die Grenzen zwischen Kunst und Kommerz, also kommerziell angewandter Kunst (Werbung, Design) und bildender Kunst (Hochkultur) aufzuheben.
Im Auftrag und anläßlich einer Warhol-Ausstellung in der Galerie Reese, Lübeck, schuf der amerikanische Pop-Art-Künstler Andy Warhol nach einer Photographie seines persönlichen Photographen und Freundes Christopher Makos dieses mittels verschiedener Photosegmente hergestellte Gemälde von Lübecks berühmtestem Bauwerk, dem Holstentor. (...) Auf Anregung des Bonner Galeristen Hermann Wünsche hatte Warhol unter dem Titel "Monumenta Germaniae" eine Reihe von Bildern nach Motiven der bedeutendendsten deutschen Bauwerke, wie dem Kölner Dom, dem Berliner Reichstag, dem Hamburger Michel, der Vorburg der Drachenburg im Siebengebirge und dem Lübecker Holstentor geschaffen.
Neben dem Lübecker Bild schuf der Künstler noch dreimal das gleiche Holstentor-Motiv mit anderen Farbkombinationen.
Die für die amerikanische Pop-Art charakteristische Plakativität der Darstellungsweise, deren Ursprung in der Reklamewelt zu suchen ist, wird hier durch einige, mit freier Hand gezeichnete grobe Konturlinien des Gebäudeumrisses etwas aufgelockert und rhythmisch begleitet, wodurch ein Spannungszustand zwischen photographischer Reproduktion und "zufälliger" Zeichnung erzielt wird.
Daß ein Bauwerk wie das 1464 bis 1478 vom Stadtbaumeister Hinrich Helmstede errichtete Holstentor einen Künstler wie Andy Warhol künstlerisch herausfordern konnte, liegt nahe. Bereits im späten 19. Jahrhundert war das Holstentor auf Postkarten oder Porzellantassen u. a. zu einem begehrten Andenkenmotiv der Lübecktouristen mutiert. Noch heute dient es der Werbeindustrie häufig als unverwechselbares (nostalgisches) Zeichen für Tradition und städtisches Selbstbewusstsein.
Als Warhol das Tor mit den Salzspeichern im Hintergrund malte, führte er mit seinen vereinfachenden, plakativen Stilmitteln und den scheren- oder collagenartig eingesetzten, signalhaften Farben diese alte Tradition des Holstentors als Wahr- und Warenzeichen fort. Der einstige historische Hintergrund des Gebäudes und seine ursprüngliche Funktion verschwinden auf diese Weise. Das Holstentor wird bei Zugrundelegung und Stilisierung des für Lübeck typischen farblichen Dreiklangs von Rot (Backstein), Blau (Himmel) und Grün (Pflanzen, Bäume) zu einem reinen, zeitlosen Werbezeichen.
Kurz nach der Aufnahme des Holstentors durch Christopher Makos wurden die das Bauwerk beengenden seitlichen Bäume gefällt.
Das populäre Bauwerk entsprach Warhols originärer künstlerischer Auffassung, die sich immer mit den Massenprodukten der modernen Konsum- und Industriegesellschaft und ihrer Oberflächlichkeit auseinandergesetzt hatte: "Wenn Sie alles über Andy Warhol wissen wollen, dann betrachten Sie nur die Oberfläche meiner Gemälde und Filme und mich, und da bin ich. Es ist nichts dahinter." (Zit. n.: Ausst. Kat. Andy Warhol, Nationalgalerie der Staatlichen Museen Preussischer Kulturbesitz in der Neuen Nationalgalerie Berlin, Berlin 1969, ohne Seitenangabe [S. 11]).
Insofern ist dieses Gemälde im Grunde eine reproduzierte Reproduktion, ein vorzügliches Spiegelbild unserer mechanisierten, industriellen und anonym gewordenen Gegenwart, in der auch das Historische nur noch als oberflächliche Form, als ein Zeichen bar jeglichen Inhalts wahrgenommen wird: das Holstentor im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, ein Markenzeichen." (Rodiek, Thorsten (Hrsg.), Geschenkt, Gestiftet, Gekauft. Kunst nach 1945 aus den Sammlungen des Museums für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck, Hamburg 2003, S. 244.).
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