In Gedenken an Carola Eisenbeis

*11.05.1926 – † 02.08.2016

Am 2. August verstarb Carola van Ham-Eisenbeis im Alter von 90 Jahren in Köln. Mit großer Dankbarkeit und Bewunderung verabschieden sich Markus Eisenbeis mit der Familie und die Mitarbeiter von VAN HAM Kunstauktionen von ihrer Seniorchefin und Gründerin des Unternehmens.


»Ihr Urteil fand stets Anklang bei den Interessenten«, attestierte der Auktionator Franz A. Menna seiner Mitarbeiterin Carola van Ham Eisenbeis 1958 in einem Zeugnis. Mit ihrem guten Gespür gelang es der jungen Akademikerin, das Interesse von Käufern und Einlieferern zu wecken und ihr Wissen über die Spezialgebiete der Kunst zu vertiefen. »Im Umgang mit der oft äußerst kritischen Kundschaft hatte sich Fräulein van Ham in den letzten Jahren eine ziemliche Gewandtheit angeeignet«, wie ihr Mentor Menna schrieb.

Den Unternehmergeist erbte Carola van Ham-Eisenbeis von ihrer Mutter, die als erste Maklerin für eine Kölner Privatbank an der Börse zugelassen war. »Sie war eine selbstständige Frau«, erinnerte sich Carola van Ham-Eisenbeis, »die ihre Schwester und auch ihre Kinder dazu ermunterte, beruflich auf eigenen Füßen zu stehen. «Allerdings» hatte sie von Kunst keine Ahnung« — anders als der Vater. Er stammte aus einer niederrheinischen Fabrikantenfamilie, mit Leidenschaft für Kunst.

Geboren wurden Carola van Ham-Eisenbeis am 11. Mai 1926 in Köln-Rodenkirchen. Ihr Abiturzeugnis, das sie am 4. Februar 1944 mitten im Krieg erhielt, wies auf eine Begabung für die Naturwissenschaften und Mathematik hin. Nach Kriegsende schrieb sie sich jedoch für Kunstgeschichte an der Universität Köln ein und entdeckte bei Professor Werner Speiser ihre Liebe zur Ostasiatischen Kunst und bei Professor Hans Kauffmann zum Kunsthandwerk. Hans Werner Stopp (1924 – 2016), den sie später als Gemäldeexperten ins Kunsthaus am Museum holte, und Brigitte Klesse (1929 – 2014), die langjährige Leiterin des Kölner Museums für Angewandte Kunst, waren ihre Kommilitonen. Mit ihr engagierte sie sich als aktives Mitglied in der Gesellschaft für Keramikfreunde, die zahlreiche Gelegenheiten für fachlichen Austausch bot, sowie der Overstolzengesellschaft.

Das Interesse der Kunstauktionatorin und Galeristin galt immer den Materialien und ihrer handwerklichen Bearbeitung. Ihre leider nie vollendete Promotion galt den Kölner Goldschmieden. Eine besondere Leidenschaft entwickelte sie für das sog. Studioglas. Hieraus entstanden intensive Freundschaften zu Künstlern aus Europa und den USA, denen sie zahlreiche Ausstellungen in ihrer Studio-Galerie widmete. Carola van Ham-Eisenbeis engagierte sich auch in anderen Bereichen von Kunst und Politik: als vereidigte Sachverständige für Antiquitäten, im Prüfungsausschuss der Industrie- und Handelskammer in Köln, wo sie einen Ausbildungsgang für Kaufleute im Kunsthandel initiierte, sowie im Wirtschaftsrat der CDU und im Kölner Verkehrsverein. Für ihr großes Engagement als ehrenamtliche Handelsrichterin verlieh ihr Bundespräsident Johannes Rau im Juli 2001 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Nachdem sie 1968 den Kaufmann Hansjörg Eisenbeis (1932 – 2016) geheiratet hatte und nach der Geburt ihres Sohnes Markus, zog sie sich in den 1970er Jahren etwas aus ihrem Geschäft zurück. Zum 25-jährigen Jubiläum 1984 stand sie jedoch pünktlich zur 100. Auktion wieder am Pult und führte das Auktionshaus bis zum Beginn ihres Ruhestands 1996. Ihrem Sohn Markus Eisenbeis, der ihre Nachfolge übernahm, und den Mitarbeitern von VAN HAM stand sie auch nach ihrer aktiven Zeit stets mit Rat und Tat zur Seite und nahm bis zuletzt rege an der Entwicklung von VAN HAM Kunstauktionen teil.

Ihr für die deutsche Nachkriegszeit fortschrittliches Engagement und Mut als junge Unternehmerin würdigte der WDR 2011 im Rahmen der viel beachteten Reportage »Als Frauen Chef wurden«. Ihre große Leidenschaft galt stets dem europäischen Kunsthandwerk. Ihre mit beeindruckendem Sachverstand zusammengetragene Sammlung von Studio-Glas stiftete sie dem Museum für Angewandte Kunst in Köln.

 

In Gedenken an Carola Eisenbeis