Sammlung Alfred Hess

VAN HAM Restitutionen

Alfred Hess, 1879 als Kind jüdischer Eltern geboren, gilt noch heute als einer der passioniertesten Sammler Deutscher Expressionisten. Als er im Alter von 52 Jahren starb, hinterließ er eine große und bedeutende Sammlung expressionistischer Kunst, zu denen Werke von Kirchner, Marc, Macke, Heckel uva. gehörten; alle bekannt aus immer wieder kehrenden Ausstellungen von der Künstlergemeinschaft »Die Brücke« bis zum »Blauen Reiter«.

Sein Engagement für Kunst war so umfassend, dass er den Aufbau der Abteilung Moderne des Museums der Stadt Erfurt, des heutigen Angermuseums, unterstützte. Er erwarb und stiftete regelmäßig Bilder seiner »Schützlinge«, um sie in der Öffentlichkeit für jeden frei zugänglich zu machen, bis sie 1937 zum Teil als »entartet« diffamiert und beschlagnahmt wurden. Alfred Hess verstarb 1931.

Seine Kunstsammlung, die zu diesem Zeitpunkt etwa 4.000 Werke umfasste, vererbte er seinem Sohn Hans Hess, der im Juni 1933 NS-verfolgungsbedingt nach Frankreich emigrierte und seit 1936 im Londoner Exil lebte. Die Sammlung musste in der Obhut der Mutter Thekla Hess verbleiben, die sich um die Rettung der Sammlung und deren angemessene Unterbringung in einem Museum im In- und Ausland bemühte. Unmittelbar nach den Novemberpogromen am 9./10.11.1938 emigrierte Thekla Hess ebenfalls nach England. Den Großteil der Gemälde der Sammlung musste sie im Deutschen Reich zurücklassen.

Ernst Ludwig Kirchner (1880—1938), »Drei Akte im Wald«, Unten rechts signiert und datiert: Kirchner 1912, Öl auf Leinwand, Ergebnis: € 1,1 Mio., Auktion »Moderne Kunst«, 2009

Da aufgrund der NS-Verfolgung ab 1935 weder Thekla Hess im Deutschen Reich, noch ihr Sohn Hans Hess im Exil über ein ausreichendes Einkommen verfügten, waren sie zur Sicherstellung ihrer Lebensgrundlage gezwungen, Kunstwerke aus der Sammlung zu veräußern. Ein Großteil der Kunstwerke wurde an den Berliner Kunsthändler Thannhauser und den Kölnischen Kunstverein geschickt, dort gelagert oder verkauft. Andreas Hüneke von der Forschungsstelle »Entartete Kunst« an der FU Berlin führt einen Versand am 4. September 1936 von sieben Gemälden und einem Aquarell von Zürich an den Kölner Kunstverein auf, der sich bereit erklärt hatte, die Werke kostenlos zu lagern. Unter den Bildern war - gemeinsam mit der »Berliner Straßenszene« - auch das Gemälde »Drei Akte im Wald« von Ernst Ludwig Kirchner.

Was mit den, dem Kölnischen Kunstverein übersendeten Gemälden anschließend geschah sowie deren Verbleib, ist weitgehend ungeklärt. Lediglich sechs Gemälde wurden der Familie Hess vom Kölnischen Kunstverein 1951 zurückgegeben. Wahrscheinlich wurden Kirchners »Drei Akte im Wald« - genau wie die »Berliner Straßenszene« und andere Werke - zwischen 1936 und 1945 durch den Kölnischen Kunstverein zum Kauf angeboten. In diesem Zeitraum wurde es von einem Kölner Sammler erworben und in der Folge weitervererbt.

Kirchner nach 70 Jahren wieder in der Öffentlichkeit

Das Gemälde »Drei Akte im Wald« von Ernst Ludwig Kirchner aus dem Jahre 1912 aus der ehemaligen Sammlung Alfred Hess kam am 27. Mai 2009 bei Van Ham zur Versteigerung und erzielte das sensationelle Ergebnis von rund 1,1 Mio. Euro.

»Teilen mit Würde«

— Spiegel, 18. Mai 2009

Das Kirchner Gemälde, das unter der Werkverzeichnisnummer 263 im Gordon erfasst ist, galt 70 Jahre als verschollen und konnte 2009 identifiziert werden. Das vormals aus der berühmten Sammlung Alfred Hess stammende Gemälde wurde vom Eigentümer, nach jahrzehntelangem Familienbesitz, zur Auktion eingeliefert. Seitens der Familie Hess wurden keinerlei Restitutionsansprüche geltend gemacht. Die Versteigerung war ein historischer Moment für den deutschen Kunsthandel, da nur selten Gemälde Ernst Ludwig Kirchners aus der Brückezeit auf dem Kunstmarkt erscheinen.

»An Eisenbeis’ untadeligem Vorgehen [...] wird sich nicht nur sein Haus auch bei künftigen Fällen messen lassen müssen.«

— Süddeutsche Zeitung, 14. Februar 2009

Bei den anschließenden Verhandlungen zwischen dem Einlieferer und dem Holocaust Claims Processing Office in New York, welches die Erben Max Sterns vertritt, hat Van Ham die zentrale Rolle als Vermittler eingenommen. Das große Fingerspitzengefühl Van Hams bei der Kommunikation und die transparente und liberale Umgangsweise mit diesem Thema ermöglichte eine erfolgreiche Restitution, durch die das Achenbach-Gemälde nun wieder in den Besitz des Nachlassas Max Sterns an der Concordia University in Montreal gelangt.

Pressemitteilung

»Ohne Fingerspitzengefühl gibt es keine Lösung«

— Stuttgarter Zeitung, 28. April 2009

»Knapp 1,1 Mio. Euro hat ein Sammler [...] für Ernst Ludwig Kirchners »Drei Akte im Wald« [...] geboten. Damit ist das Gemälde aus der ehemaligen Sammlung Hess bisher das teuerste Werk der Saison auf einer deutschen Auktion.«

— Handelsblatt, 29. Mai 2009