Andy Warhol: Holstentor aus unserer Rubrik: Zeitgen. Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle
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Andy Warhol

1928 Pittsburgh - 1987 New York

Moderne und Zeitgenössische Kunst am 02.12.2010, Los 518

Warhol, Andy
1928 Pittsburgh - 1987 New York

Holstentor. 1980. Öl auf Leinwand. 110 x 130cm. Signiert verso auf umgeschlagener Leinwand: Andy Warhol sowie Stempel mit Identifikations-Nr.: A112.095. Rahmen.

Eine Bestätigung des Andy Warhol Art Authentication Board, Inc., New York, vom 4. Juni 2009 liegt in Kopie vor. Wir danken Frau Laura Povinelli vom Andy Warhol Art Authentication Board, Inc., New York für ihre freundliche Unterstützung.

Provenienz:
Galerie Hermann Wünsche, Bonn
Rudolf Budja Gallery, Salzburg/Wien/Miami
Privatsammlung, Miami

"Im Auftrag und anläßlich einer Warhol-Ausstellung in der Galerie Reese, Lübeck, schuf der amerikanische Pop-Art-Künstler Andy Warhol nach einer Photographie seines persönlichen Photographen und Freundes Christopher Makos dieses mittels verschiedener Photosegmente hergestellte Gemälde von Lübecks berühmtestem Bauwerk, dem Holstentor. (...) Auf Anregung des Bonner Galeristen Hermann Wünsche hatte Warhol unter dem Titel "Monumenta Germaniae" eine Reihe von Bildern nach Motiven der bedeutendendsten deutschen Bauwerke, wie dem Kölner Dom, dem Berliner Reichstag, dem Hamburger Michel, der Vorburg der Drachenburg im Siebengebirge und dem Lübecker Holstentor geschaffen.
Neben dem Lübecker Bild schuf der Künstler noch dreimal das gleiche Holstentor-Motiv mit anderen Farbkombinationen.
Die für die amerikanische Pop-Art charakteristische Plakativität der Darstellungsweise, deren Ursprung in der Reklamewelt zu suchen ist, wird hier durch einige, mit freier Hand gezeichnete grobe Konturlinien des Gebäudeumrisses etwas aufgelockert und rhythmisch begleitet, wodurch ein Spannungszustand zwischen photographischer Reproduktion und "zufälliger" Zeichnung erzielt wird.
Daß ein Bauwerk wie das 1464 bis 1478 vom Stadtbaumeister Hinrich Helmstede errichtete Holstentor einen Künstler wie Andy Warhol künstlerisch herausfordern konnte, liegt nahe. Bereits im späten 19. Jahrhundert war das Holstentor auf Postkarten oder Porzellantassen u. a. zu einem begehrten Andenkenmotiv der Lübecktouristen mutiert. Noch heute dient es der Werbeindustrie häufig als unverwechselbares (nostalgisches) Zeichen für Tradition und städtisches Selbstbewusstsein.
Als Warhol das Tor mit den Salzspeichern im Hintergrund malte, führte er mit seinen vereinfachenden, plakativen Stilmitteln und den scheren- oder collagenartig eingesetzten, signalhaften Farben diese alte Tradition des Holstentors als Wahr- und Warenzeichen fort. Der einstige historische Hintergrund des Gebäudes und seine ursprüngliche Funktion verschwinden auf diese Weise. Das Holstentor wird bei Zugrundelegung und Stilisierung des für Lübeck typischen farblichen Dreiklangs von Rot (Backstein), Blau (Himmel) und Grün (Pflanzen, Bäume) zu einem reinen, zeitlosen Werbezeichen.
Kurz nach der Aufnahme des Holstentors durch Christopher Makos wurden die das Bauwerk beengenden seitlichen Bäume gefällt.
Das populäre Bauwerk entsprach Warhols originärer künstlerischer Auffassung, die sich immer mit den Massenprodukten der modernen Konsum- und Industriegesellschaft und ihrer Oberflächlichkeit auseinandergesetzt hatte: "Wenn Sie alles über Andy Warhol wissen wollen, dann betrachten Sie nur die Oberfläche meiner Gemälde und Filme und mich, und da bin ich. Es ist nichts dahinter." (Zit. n.: Ausst. Kat. Andy Warhol, Nationalgalerie der Staatlichen Museen Preussischer Kulturbesitz in der Neuen Nationalgalerie Berlin, Berlin 1969, ohne Seitenangabe [S. 11]).
Insofern ist dieses Gemälde im Grunde eine reproduzierte Reproduktion, ein vorzügliches Spiegelbild unserer mechanisierten, industriellen und anonym gewordenen Gegenwart, in der auch das Historische nur noch als oberflächliche Form, als ein Zeichen bar jeglichen Inhalts wahrgenommen wird: das Holstentor im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, ein Markenzeichen." (Rodiek, Thorsten (Hrsg.), Geschenkt, Gestiftet, Gekauft. Kunst nach 1945 aus den Sammlungen des Museums für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck, Hamburg 2003, S. 244.).

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