Bedeutendes Barock Schreibkabinett mit Chinoiserien, sogenanntes "grand bureau de la chine" aus unserer Rubrik: Möbel
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Antwerpen

Europäisches Kunstgewerbe am 15.05.2019, Los 254

BEDEUTENDES BAROCK SCHREIBKABINETT MIT CHINOISERIEN, SOGENANNTES "GRAND BUREAU DE LA CHINE".
Antwerpen. Um 1705. Werkstatt des Hendrik van Soest (1659 - nach 1716) zugeschrieben.

Nussbaum und Palisander. Ornamentale und figürliche Einlagen aus tlw. graviertem Zinn. Geradliniger Korpus mit tischartigem, verstrebtem Untergestell auf runden, leicht
konischen Beinen. Das Schreibfach mit zurückschiebbarer Platte und aufklappbarer Front.
Der Aufsatz mit leicht zurückgesetztem Mittelteil. Zentrale Tür mit fünf rahmenden
Schüben. Die flankierenden Seitenelemente mit je zwei Schüben und Geheimfach im Gesims.
Auf der Tür unter einem Thronbaldachin der Kaiser von China. Auf den Schüben exotische
Kauffahrteiszenen. In Feldern reiche ornamentale Einlagen. 131x94x62cm. Zustand B. Restauriert.

Provenienz:
Privatsammlung Rheinland, erworben bei Kunsthandel Barthels auf der Westdeutschen Kunstmesse 1991.

Literatur:
Gerhard Hojer (Hrsg.): Die Möbel der Schlösser Nymphenburg und Schleißheim, München 2000. Ein vergleichbares Schreibkabinett mit identischer Marketerie auf der Tür unter Nr.121, S.279ff.
Heinrich Kreisel: Die Kunst des Deutschen Möbels, München 1970. Vergleiche hier Abb. 318 bis 322, hier sind die Möbel noch als Augsburger Arbeiten um 1720 beschrieben.

Die Konstruktion dieses Möbels ist mit seinem tischartigen Untergestell und einer zurückschiebbaren Schreibplatte typisch für die Möbelproduktion in Antwerpen zur Blütezeit des Barocks. Auch die Vorliebe, zu der aus Paris stammenden Technik der sogenannten Boulle Einlagen spricht für Antwerpen. Antwerpen zählte zu den wichtigsten Zentren des Fernhandels und verfügte dementsprechenden über genügend exotische Materialien. Die Werkstatt des Hendrik van Soest war eine der größten der Stadt und beschäftigte zeitweise bis zu 50 Arbeiter verschiedener Gewerke. Van Soest selbst war nicht nur Kunsttischler, sondern auch Kunsthändler. Zu seinen Kunden zählte der europäische Hochadel u.a. auch Kurfürst Max Emanuel von Bayern. In Schloss Nymphenburg und im Bayerischen Nationalmuseum haben sich zwei sehr vergleichbare Schreibkabinette aus seinem Besitz erhalten. Besonders auffällig ist die übereinstimmende Marketerie der Mitteltür. Sie zeigt eine Szene mit dem Kaiser von China. Als Vorlage diente das Titelblatt von Joan Nieuhofs Het Gezandtschap der Neêrlandtsche Oost-Indische Compagnie, aan den grooten Tartarischen Cham, den tegenwoordigen Keizer van China" (deutsch: "Die Gesandtschaft der Niederländischen Ostindienkompanie an den großen Tartarischen Khan, den gegenwärtigen Kaiser von China"), die erstmals 1665 bei Jacob van Meurs gedruckt wurde.

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426. Europäisches Kunstgewerbe,
15.05.2019, Los 254,
Taxe: € 30.000

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Antwerpen Flandern