Carl Spitzweg: Die Scharwache aus unserer Rubrik: Gemälde Neuerer Meister
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Carl Spitzweg

1808 München - 1885 München

Alte Kunst am 17.05.2018, Los 991


Spitzweg, Carl
München 1808 - 1885

Die Scharwache. Öl auf Leinwand. Wohl doubliert. 54 x 31,5cm. Signiert mit Künstlersignum unten links: S im Rhombus. Rahmen.

Gutachten:
Detlef Rosenberger, Oberostendorf, 28.3.2018

Literatur:
- Boetticher, Friedrich von: Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Band II, S. 789, Nr. 107
- Roennefahrt, Günther: Carl Spitzweg. Werkverzeichnis, München 1960, S. 214, Nr. 760
- Ausst. Kat. Haus der Kunst München 1985/1986, S. 371, Abb. 696, Text S. 496
- Wichmann, Siegfried: Carl Spitzweg. Kunst, Kosten und Konflikte, Frankfurt am Main/Berlin 1991, S. 282f. (mit Abb.)
- Wichmann, Siegfried: Carl Spitzweg. Verzeichnis der Werke: Gemälde und Aquarelle, Stuttgart 2002, S. 572, Nr. 1585

Ausstellungen:
Haus der Kunst München, Carl Spitzweg und die französischen Zeichner, 23.11.1985 - 2.2.1986

Provenienz:
- Sammlung Walter Franz, Köln, bis 1984;
- Sonderauktion Sammlung Walter Franz, Lempertz Juni 1984;
- Sammlung Friedrich Wilhelm Waffenschmidt, Köln.

Einführende Informationen zu Carl Spitzweg

"Drei Kriege und deren Auswirkungen hat Spitzweg bewusst miterlebt: Bonapartes Untergang, den Angriff der Preußen auf Bayern, 1866 im Deutschen Krieg, und schließlich die Niederlage Frankreichs 1870/71 im deutsch-französischen Krieg. Dabei ist wichtig, dass nicht allein die kriegerischen Auseinandersetzungen den Maler beeindruckten, sondern es war wohl der lange andauernde bewaffnete Friede der ihn stets neue Motive zum obengenannten Thema finden ließ.
Auch die Scharwache bedeutet in des Malers Werk eine indirekte Zeitkritik, denn die Revolutionswellen des Jahrhunderts hatten den Maler zu verschiedenen und auch schriftlichen Stellungnahmen veranlasst. Die allgemeine Landesbewaffnung war am schlechtesten beim Bürgermilitär. Sie sollte die innere Sicherheit des Landes gewährleisten. Jedoch der Eifer für die Volksbewaffnung erlahmte allmählich im Ablauf der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Die Staffage wird in dem Gemälde der Scharwache kleiner. Spitzweg interessiert sich für die bildhafte Darstellung des Umgebungsraumes, wobei die Stadtlandschaft im Mittelpunkt stand. Der Maler wird ein Schilderer der tonig-farbigen Nachtbilder, in denen das Sichtbare nur ein Hinweis auf ein nicht mehr Sichtbares ist. So wird die Staffage in diesen Nachtbildern zur Interpretation des Bildgedankens. Das Nachtlicht, künstlich erzeugt durch den Glühstrumpf der Gaslaterne, hatte in den Bildern des Münchner Malers längst eine Art Zeichensprache erzeugt. Es ist der 'schaurige Schein' im nächtlichen Leben der Städte. Das Nachtlicht in den Bildern von Spitzweg sollte der ihm umgebenden Welt einen ähnlichen, differenzierten Glanz verleihen, wie das 'neu entdeckte' französische Freilicht im hellsten Schein des Tages. Spitzweg bemüht sich daher um eine Dämpfung des Grellen und eine Erhellung des Finsteren. Wir erkennen deutlich, dass dieses Nachtlicht die Aufstockung der Architekturteile, die Aneinanderreihung von Pfeilern, Geländern, Laternen, Fenstergesimsen und Erkern bringt. Die Entfaltung der der Raumweite geschah nicht nur in die Tiefe, sondern auch in die Höhe. Sie wird in diesen Bildern wie auf der Bühne provoziert. Spitzweg führt Regie in seinen Nachtbildern. Der Detailrealismus übernimmt wesentliche Aufgaben. Die Vielzahl der Dinge muss nacheinander durch den Betrachter abgelesen werden. Das dunkle Türkisblau des aufleuchtenden Nachthimmels wird durch blitzende Sterne gegliedert. [.] Der Mensch als Gegenspieler der Natur ist nochmals verklärt durch die Interpretation der Staffage. Die Örtlichkeit ist der letzte Rest von Wirklichkeit, der von der Vergangenheit noch übriggeblieben ist, und die Nacht erinnert an den vergangenen Tag. [.] Interessant ist, dass das Thema von der Frühzeit bis hinein in die Spätzeit durchgehalten wurde."
(Wichmann, Siegfried: "Die Scharwache - ein nächtliches Thema", In: Wichmann, Siegfried: Carl Spitzweg. Kunst, Kosten und Konflikte, Frankfurt am Main/Berlin 1991, S. 260).

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