George Grosz: Auktion 300, Los 409 aus unserer Rubrik: Mod. Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle
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George Grosz

1891 Berlin - 1959 Berlin

Moderne und Zeitgenössische Kunst am 31.05.2011, Los 409

Grosz, George
Berlin 1891 - 1959

Der Damenfrisiersalon. 1925. Aquarell über Tuschfederzeichnung auf JWZanders 1919 (Wasserzeichen). 53 x 74cm. Signiert und datiert unten rechts: Grosz, 25.

Provenienz:
Museum Stettin
Lempertz 1962, Auktion 471, Lot 200, Abb. S. 127
Rheinische Privatsammlung

Ausstellungen:
Galerie Alfred Flechtheim, 1926

Literatur:
Diehl, Gustav Eugen (Hrsg.): George Grosz - Ausstellung, Veröffentlichung des Kunstarchivs
Nr. 1, Berlin 1926, Abb. S. 16.

Berliner Straßenszenen bei Nacht im Winter: An der kaum beleuchteten Ecke einer dunklen
Häuserschlucht zieht ein Hundefänger (oder ein Dieb?) mit seinem gefüllten Sack über der
Schulter grimmig schauend von dannen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite geht ein
Mann. Eine Pferdekutsche rattert über das Pflaster. - Schnitt! - Unter der im Nebel grell
leuchtenden Laterne geht eine sich den Mantel zuhaltende alte Frau gebückt vorüber. Sie
folgt der Silhouette eines ebenfalls gebeugten Mannes. Ein Polizist steht, mit dem Rücken
zu ihr, vor einem Frisiersalon und betrachtet die Auslage des großen Schaufenster.
Diese beiden Szenen sind direkt nebeneinander auf ein und demselben Blatt Papier zu sehen.
Sie unterscheiden sich im gewählten Blickwinkel, in den perspektivischen Ansichten und in
der Grundtönung von Hell und Dunkel. Dergestalt ist jeder Darstellung eine eigene Dynamik
gegeben. Es handelt sich hier also um zwei verschiedene Geschehnis- und Sinnebenen. Jede
Szene erzählt eine andere Geschichte, und dennoch finden sich Gemeinsamkeiten. So fungiert
der Baum an der Trennlinie als Bindeglied und verweist damit auf den gleichen Ort (die
selbe Stadt). Auch die äußerst diffuse Gestaltungsweise ist gleich. Sie verleiht beiden
Szenen etwas Unwirkliches.
Hier zeigt sich George Grosz' feinfühliger Blick hinter die Oberflächlichkeit der
bürgerlichen Gesellschaft Berlins und auf die Auswüchse der Inflationszeit. Treffsicher
sind die Physiognomien, die spontanen Bewegungen, die Körpersprache und das Mienenspiel
der Akteure wiedergegeben. Doch findet sich hier keine "beißende" politische Kritik, die
den früheren Arbeiten des Künstlers eigen war. Seit 1923 konzentrierte sich Grosz vor
allem in seinen Zeichnungen eher auf genrehafte Sittenschilderung, in denen er die
Menschen voraussetzungsloser wiedergibt. Denn für ihn sollten nun das Dargestellte
(Menschen und Dinge) durch sich selbst sprechen. Trotzdem negiert er nicht den satirischen
Inhalt. Er will weiterhin aufrütteln. So richtet er sich auch mit seiner Bildgestaltung
gegen alle Konventionen und betritt so ästhetisches Neuland. Durch seine einzigartige
Ausdrucksweise heben sich die Zeichnungen von den Karikaturen der Tagespresse ab und
reihen sich gleichzeitig ein in die große Tradition der unnachgiebigen zeitkritischen
Kunst. Hierfür ist der "Damensalon" ein eindrucksvolles Beispiel.
Das Aquarell war 1937 im Besitz des Museums Stettin und wurde im Rahmen der Diffamierung
"Entarteter Kunst" durch die Nationalsozialisten aus der Sammlung entfernt und veräußert.

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300. Moderne und Zeitgenössische Kunst,
31.05.2011, Los 409,
Taxe: € 80.000
Ergebnis: € 199.950

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