Gotthard Graubner: "farbraumkörper" aus unserer Rubrik: Post War Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle
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Gotthard Graubner

1930 Erlbach

Modern am 31.05.2017, Los 168

Graubner, Gotthard
1930 Erlbach - 2013 Neuss

"farbraumkörper". 1971/75. Mischtechnik auf Perlon über Synthetikwatte auf Leinwand. 101 x 101cm. Betitelt, signiert und datiert verso: "farbraumkörper" Graubner 1971/74.

Provenienz:
Galerie Elke Dröscher, Hamburg (Aufkleber)
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen

Gotthard Graubner schafft mit seinen "Farbraumkörpern" eine eigene Gattung in der Malerei. Es sind dreidimensionale Wandobjekte, die Graubner mehrschichtig aufbaut. Auf einem Keilrahmen aus Holz wird Leinwand befestigt, welche durch eine gleichmäßige Lage von Synthetikwatte abgedeckt wird. Eine zweite Textilbespannung überspannt die Watte so, dass die Seiten ohne Faltenbildung weich gepolstert sind. Durch das Aufbringen von zahlreichen Schichten dünnflüssiger Farbe entstehen Farbraumkörper mit unzähligen Nuancen und Tönen, die sich dem Betrachter entgegen wölben. Der Betrachter wird angezogen von der weichen runden Oberfläche, der Blick verliert sich in der Farbfläche. Trotz punktueller Verdichtungen und angedeuteter Zentren wird der Blick immer wieder abgelenkt und bleibt ständig in Bewegung. "Da findet ein Austausch statt. Die Farbe ist zwar dem Betrachter real näher, aber optisch kann es durchaus sein, dass sie sich, obwohl vorne stehend, zurückzieht. Wenn ein Blau, dass sich eben noch zurückzuziehen schien, während sich Rot nach vorne drängte, plötzlich vorne steht, so zieht sich das Rot wieder zurück. (.) Mein Malen ist ein Reagieren. Ich reagiere immer auf die zuerst gesetzte Farbe, kalt und warm sind wesentliche Komponenten, wie Bewegung und Atmung. Deshalb sage ich stets meine Bilder müssen atmen. Vor allem der Simultaneität und dem Simultankontrast gilt meine Aufmerksamkeit. Denn dort, wo zwei Farben aufeinandertreffen, erscheinen sie aufgrund Ihrer Wechselwirkung anders, als wenn sie weiter auseinanderliegen. Da sich in einem Farbton immer das Licht oder der Raum spiegelt, kann es auch keine absolute Monochromie geben. In meinen Augen ist die Nuance die Krönung von allem." (Gotthard Graubner, in: Das Ohr am Tatort, Ostfildern 2009, S. 23).

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