Günther Uecker: "both". aus unserer Rubrik: Post War Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle
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Günther Uecker

1930 Wendorf

Modern | Post War | Contemporary am 29.11.2017, Los 289

Uecker, Günther
1930 Wentdorf

"both". 2011. Eingeschlagene Nägel und Farbe auf Leinwand. Auf Holz. 230 x 230 x 20cm. Signiert und datiert rückseitig unten rechts: Uecker '011. Bezeichnet und betitelt rückseitig Mitte links: Hommage à Roman Opalka "both". Hier zudem Richtungspfeil und Maßangaben.

Provenienz:
Galerie Hans Mayer, Düsseldorf
Privatsammlung Helge Achenbach, Düsseldorf

"Mein Körper spielt für die Proportionen meiner Arbeiten eine große Rolle. Die Bewegung meiner Füße, die Beugung des Leibes und die Bögen der ausgreifenden Arme, in Farbe getaucht, sind choreografische Zeichen, die ein Bildfeld füllen. Die Erreichbarkeit der Feldgrenzen ist Handlungsspielraum, ein Ritualplatz, auf dem bildhaft Spuren gezeichnet sind. Meine Hände sind malendes Werkzeug, die Fingerabdrücke Partituren eines örtlichen Ereignisses. Die Handbewegungen streben ausschweifend in eine gravitätische Kurve und schließen sich zum Kreis. Diese Zeichen auszulöschen durch Zerstörung, wie in einer Schlacht, geben dem Feld einen aufgebrochenen Ausdruck. Das Bild wird als erstarrtes Ereignis wahrgenommen. Der materielle Arbeitsgrund ist sichtbar in seinen Verletzungen. Dieses aufgebrochene Werk wird nun vernagelt. Die Abstände der Nägel ergeben sich durch die Dicke meiner Finger, die Bewegungsmöglichkeiten der Hände bilden Richtungen und Strömungsverläufe. Durch Umgehen der zu benagelnden Stellen entstehen Wirbel und Spiralen. Die Struktur entwickelt sich vom Mittelbunkt des Feldes über seine ganze Fläche." (Uecker 1981, zit. nach: Künstler Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, München 1988/92, S. 15)

Mit dieser Vorgehensweise, die eine menschliche Dimension in sein Werk bringt, erarbeitet sich Günther Uecker auch das Nagelrelief "both". Zunächst tut er dies malerisch auf der Bildfläche, um Chiffren, Metaphern, Empfindungen zu artikulieren, die kaum sichtbar sind, weil er sie mit Farbe wieder überdeckt. Schließlich schlägt er die Zimmermannsnägel ein und schlämmt diese mit weißer Farbe, wodurch er eine neue Oberfläche schafft. Mag diese Art des Zerstörens und Einschlagens auch aggressiv wirken, so ist die Komposition doch poetisch. Denn Uecker benutzt den Nagel wie einen Bleistift, um eine Linie zu ziehen. So ist jeder verwendete Metallstift eine gezeichnete Linie in den dreidimensionalen Raum. Dergestalt entwickelt Uecker die über die Grenzen des Bildes hinaus verweisenden, fließenden organischen Strukturen, die an zwei ineinander verwirbelnde Wasserstrudel denken lassen. Da der jeweilige Schattenwurf der Nägel - bedingt durch das wechselnde Tageslicht und den veränderten Blickwinkel - immer neue dynamische Formen hervorbringt, schafft er zudem ein wandlungsreiches Lichtobjekt. Auf diese Weise erreicht Uecker einen Zustand der Erregung und zugleich der Kontemplation. Er lädt uns ein, zu verweilen und unserer Fantasie freien Lauf zu lassen.

Uecker, für den Licht und Bewegung und damit die Zeit eine große Rolle spielen, widmet dieses Nagelbild seinem am 6. August 2011 verstorbenen Malerkollegen Roman Opalka (geb. 1931). Während seiner gesamten Schaffenszeit suchte dieser das Vergehen der Zeit sichtbar zu machen, indem er in gleichbleibender, kleiner, weißer Schrift eine Zahl neben die andere in monotoner Ordnung auf einfarbigem Grund malte. Dem anfangs dunklen Untergrund mischt er von Bild zu Bild immer 1 Prozent mehr Weiß bei, sodass sich die Schrift eines Tages im Malgrund auflösen würden.

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29.11.2017, Los 289,
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