Karl Hofer: "Mädchen mit Blumen" aus unserer Rubrik: Mod. Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle
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Karl Hofer

1878 Karlsruhe - 1955 Berlin

Moderne + Zeitgenössische Kunst am 26.11.2014, Los 52

HOFER, KARL
1878 Karlsruhe - 1955 Berlin

"Mädchen mit Blumen". 1936. Öl auf Leinwand. 85,3 x 75,5cm. Monogrammiert und datiert unten links: CH36 (ligiert). Verso betitelt: Mädchen mit Blumen sowie mit Widmung von 1969. Rahmen.

Provenienz:
Privatsammlung Hessen
Privatsammlung Deutschland

Literatur:
Wohlert, Karl Bernhard: Karl Hofer, Werkverzeichnis der Gemälde, Bd. 2, VAN HAM Art
Publications, Köln 2007, Wvz.-Nr. 1217, Abb.

Im Werkverzeichnis ist es noch unter dem Titel "Mädchen am Tisch mit Vase" aufgeführt und
galt als vermutlich kriegszerstört.

In den 1920er bis in die 1940er Jahre beginnt Karl Hofer, in seinen Bildern in sich
versunkene, nachdenkliche und einer agierenden Außenwelt enthobene Frauen darzustellen.
Diese malt er vornehmlich in einem unbestimmten Raum, an einem Tisch sitzend und stellt
ihnen Attribute wie z.B. einen Blumenstrauß in einer Vase zur Seite. So auch in unserem
1936 gemalten Bild "Mädchen mit Blumen". Eine junge Frau sitzt mit leicht geneigtem Kopf
und vor der Wange verschränkten Händen an einem Tisch, der bis zur unteren Bildkante
reicht. Nichts deutet auf ein bevorstehendes oder gerade zurückliegendes Ereignis hin,
noch geben die Mimik oder die Gestik Aufschluss über die Gefühlswelt der Dargestellten.
Zwar scheint der reale Betrachter durch seinen Standpunkt mit der jungen Frau förmlich an
einem Tisch zu sitzen. Jedoch scheint die Porträtierte in sich gekehrt, voller innerer
Ruhe, mit sich allein ohne von einem potenziellen Gegenüber Kenntnis zu nehmen. Ihre Augen
blicken ins Leere, in den unbestimmten Raum, der sie umgibt, ohne jede Erwartung oder
Kommunikation mit der Außenwelt.
Karl Hofer selbst hat über dieses vielfach variierte Motiv gesagt:
"Was nun den speziellen Fall des Seelenspiegels betrifft, so muß ich Ihnen bekennen, daß
es eben in meinem Wesen begründet sein muß, daß Sie eine solche in meinen Darstellungen
nie erblicken; es liegt ebensowenig in meiner Hand es anders zu machen, als es in meiner
Hand lag, das zu werden, was ich bin. Derartige anscheinende Äußerlichkeiten hängen tiefer
mit dem Menschlichen im Künstler zusammen, als Sie glauben. [...] Geöffnete, den Beschauer
anblickende Augen sind in meinen Augen geradezu eine Schweinerei, abgesehen davon, daß sie
ein Bild als solches ruinieren. [...] Meine Figuren dagegen verharren völlig in Ruhe, für
sie existiert kein Beschauer, also schauen sie ihn auch nicht an." (Hofer an Theodor
Reinhart, Rom 27. Januar 1905, zit. nach Feist)
(Ausst.-Kat. Karl Hofer. Exemplarische Werke Sammlung Hartwig Garnerus. Bayerische
Staatsgemäldesammlungen Staatsgalerie moderner Kunst München, 1999, S. 33).

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