Max Liebermann: Gartenlokal an der Havel unter Bäumen aus unserer Rubrik: Mod. Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle
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Max Liebermann

1847 Berlin

Modern am 30.05.2018, Los 50

Liebermann, Max
Berlin 1847 - 1935

Gartenlokal an der Havel unter Bäumen. 1920 - 1922. Öl auf Leinwand. 54,5 x 75cm. Signiert unten rechts: M Liebermann. Modellrahmen.

Es liegt ein Fotozertifikat von Herrn Prof. Dr. Hans-Jürgen Imiela vom 7. Januar 1990 vor.

Provenienz:
- Sammlung Dagobert David, Düsseldorf
- Dr. Hildebrand Gurlitt, Düsseldorf (?)
- Sammlung Walter Franz (bis 1984)
- Kunsthaus Lempertz, Köln, 600. Auktion, 2. und 4. Juni 1984, Lot 236
- Sammlung Friedrich Wilhelm Waffenschmidt, Köln

Ausstellungen:
- Landesgalerie Hannover/Kunstverein Düsseldorf/Kunstverein Hannover 1954, Nr. 93 (Rest eines Aufklebers)
- Volkswagenwerk Wolfsburg 1956, Nr. 104 (Aufkleber)

Literatur:
- Eberle, Matthias: Max Liebermann, 1847-1935 - Werkverzeichnis der Gemälde und Öl Studien, Bd. II 1900-1935, München 1996, WVZ.-Nr. 1921/36 mit s/w Abb. (mit dem Vermerk: Standort unbekannt)

Die Versteigerung erfolgt auf Grundlage einer gütlichen Einigung mit den Erben nach Dagobert und Martha David.

Informationen Sammlung Waffenschmidt


Auf der Suche nach einer grundlegenden Erneuerung der Kunst gelangt Max Liebermann über einen fast derben Realismus zur Freilichtmalerei und mit ihr zu einer impressionistischen Arbeitsweise. Diese muss er sich allerdings selbst erschließen. "Denn", so gesteht er 1920 rückblickend, "der Künstler versteht nur das Kunstwerk, das er liebt, und er liebt nur das, was er versteht. Dieser Konflikt wirkt besonders schwer Werken gegenüber, deren Technik - wenn Technik die Kunst in der Kunst bedeutet - der seinigen nicht nur diametral entgegengesetzt erscheint, sondern die seinige zu vernichten gewillt ist, in deren Wesen sich aber trotzdem ernstes, künstlerisches Streben dokumentiert." (Liebermann: Rede zur Eröffnung der Ausstellung der Akademie der Künste Berlin, Herbst 1920, zit. nach Günter Busch (Hrsg.): Max Liebermann - Die Phantasie in der Malerei. Schriften und Reden, Berlin 1983, S. 193). So übernimmt er die neue Sichtweise der Impressionisten nicht unreflektiert, sondern bringt sie in Einklang mit seiner eigenen künstlerischen Entwicklung und erarbeitet sich eine im besonderen Maße von realistischen Elementen bestimmte Variante. Dabei gibt er im Gegensatz zu den Franzosen den flüchtigen visuellen Natureindruck nicht mittels winziger Pinselstriche wieder und löst die Modellierung von Figuren und Gegenständen wie auch die räumliche Staffelung und perspektivischen Verkürzungen nicht in flimmernden Flächenerscheinungen auf.

Einhergehend mit der malerischen Auseinandersetzung wendet sich Liebermann aber mit seinen Ansichten von Straßenzügen und Parkanlagen oder Szenen von Caféterrassen und Gartenlokalen den Sujets der Impressionisten zu - das pulsierende, moderne Leben in der Großstadt und die Vergnügungen des Bürgertums. Ab etwa 1880 widmet er sich immer wieder in Ölstudien und Gemälden besonders den beiden letztgenannten Motiven. Ist er bei seinen frühen Biergarten-Szenen noch ganz den konkreten Zügen des Naturalismus verhaftet, so hat er sich bei unserem "Gartenlokal an der Havel unter Bäumen" vollkommen von der realistischen Schärfe und der klaren Linienführung der frühen Schaffensjahre gelöst. Mit Verve und leichtem Duktus schildert Liebermann hier das Gesehene und Erlebte ohne erzählerische Details hervorzuheben: Unter dichten Baumkronen sitzen die Gäste in geselligem Beisammensein an Tischen mit Blick auf eine der Havelbuchten; etwas aus der Bildmitte gerückt ist ein herbeieilender Kellner zu sehen. Während die einzelnen Besucher im Vordergrund noch schemenhaft erkennbar sind, verlieren sie sich zum Bildhintergrund hin in der unstrukturierten Menschenmenge. Liebermann hat die Komposition ausgewogen aufgebaut, wobei er keine besonderen Akzente setzt. Die suggerierte Lebendigkeit erreicht er allein mittels des kräftigen hellen und dunklen Farbauftrages. Dabei lässt er das Licht als Gestaltungsmittel mitklingen und verleiht hiermit der Szenerie ihre heitere, sommerliche Stimmung. Liebermann fasst das Licht jedoch nicht als Raumlicht auf - Helligkeit gewinnt er aus dem Kolorit selbst.

Unser Gemälde gehört zu der Bilderreihe mit Ausflugslokal-Motiven, die Max Liebermann ab 1910 - dem Jahr, in dem er seine neugebaute Villa am Wannsee bezieht -, rund um den Wannsee und die Havel findet. Das vorgefundene Licht wie auch der Ausblick auf das Wasser sind wohl wichtige Kriterien für seine Themenwahl.

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