Oskar Schlemmer: Auktion 306, Los 406 aus unserer Rubrik: Mod. Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle
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Oskar Schlemmer

1888 Stuttgart - 1943 Baden-Baden

Moderne und Zeitgenössische Kunst am 01.12.2011, Los 406

Schlemmer, Oskar
1888 Stuttgart - 1943 Baden-Baden

Halbfigur frontal mit Licht auf der Stirn. 1941. Umdruck in Ölfarbe auf Kunstdruckpapier (Rückseite eines Kalenderblattes). 28,9 x 20,8cm. Rahmen.

Provenienz:
Nachlass Schlemmer
Weinmüller München, Aukt. 112, 28.05.1968, Nr. 346, Kat. Abb. Tafel 23
Hauswedell & Nolte, Aukt. 206, 5.-7.06.1975, Nr. 1611, Abb. S. 568
Galerie Otto Stangl, München

Literatur:
Maur, Karin v.: Oskar Schlemmer, Band II, Oeuvrekatalog der Gemälde, Aquarelle, Pastelle
und Plastiken, München 1979, Wvz.-Nr. G 586, Abb. S. 178 (Hier abweichende Blattmaße: 28 x
21,4cm)
Grohmann, Willi: Oskar Schlemmer, München 1952, Monotypie 10, Abb. S. 343

Ende des Kriegsjahres 1940 nimmt Oskar Schlemmer das Angebot von dem Wuppertaler
Lackfabrikant Dr. Kurt Herberts an, als "Professor für maltechnische Forschungsvorhaben"
in dessen Unternehmen tätig zu werden. Gemeinsam mit Willi Baumeister, der wie er von den
Nationalsozialisten verfemt wird, und dem Architekt Franz Krause erhält Schlemmer u.a. den
Auftrag, zeitgemäße künstlerische Anwendungsmethoden zu entwickeln. Für das Vorhaben
experimentieren die drei intensiv mit Lacken und anderen Malmaterialien. Dabei wird ihnen
das Sich-Anregen und -Leitenlassen von der Eigengesetzlichkeit der Malstoffe zum
vorherrschenden Gestaltungsprinzip. Gerade Schlemmer kommt diese Arbeitsweise entgegen,
denn er strebt nach einem Gestaltungsvorgang, der den Zufall einbezieht und den Eindruck
erweckt, als sei er naturhaft und nicht durch Menschenhand entstanden. Und er sucht nach
einem spontanen, unbewußten Malakt, dem eine meditative Versenkung und damit eine Art
"Entleerung" vorausgeht, so dass Idee und Ausführung eins werden und die
Subjekt-Objekt-Distanz zwischen Maler und Bild aufgehoben werden: "Es bestärkt mich in
meiner Idee des 'von wannen'. Alles, was nicht von Menschenhand oder indirekt nicht,
jedenfalls unbewußt gemacht ist, also 'Natur' ist, kann Geheimnisse formal-farbiger Art
enthalten und den, der sie zu sehen versteht, begeistern. Andere Beispiele: Der
Farbenzusammenfluß einer gebrauchten Palette; Abstriche des Malens auf Papier oder
dergleichen - Weiters suchen!" (Schlemmer, 22. März 1942, zit, nach Maur, Karin v.: Oskar
Schlemmer, Bd. I. Monographie, München 1979, S. 290)

Aus diesen Überlegungen heraus entsteht im Juli 1941 eine Folge von kleinen Arbeiten, die
Schlemmer als "Klexographien" bezeichnet. Zu ihnen gehört die "Halbfigur frontal mit Licht
auf der Stirn". Die Monotypie entstand, indem der Künstler Farbklexographien auf einer
Glasplatte komponierte und davon dann einen Abklatsch - eine Modulation, wie er es nennt -
auf Papier machte. Inspiriert wird Schlemmer hierzu durch einen Artikel über die
Décalcomanie, eine Umdruck- und Farbabklatschtechnik, den er in der Ausgabe vom Juni 1936
der Surrealistenzeitschrift "Minotaure" gefunden hatte. Bei diesem Verfahren entstehen
durch die Übertragung flüssiger Farbe von einer auf die andere Fläche unvorhersehbare
Effekte. Eine mögliche gegenständliche Deutung der Formgebilde hängt ganz von der
Wahrnehmung des Betrachters ab. Schlemmer ist begeistert von dem Spiel mit dem Zufall
unter weitgehender Ausschaltung des bewußten Willens und damit dem Hervorheben unbewußter
Impulse: "Klexographien? Veranlasst durch Minotaure-Abbildung, die für Mikroaufnahmen
irgendwelcher Naturobjekte wie Schwämme, Baumrinden und dergleichen gehalten werden, aber
der Erklärung nach Klexographien in Kleisterpapiermanier sind. Habe Versuche dieser Art in
Öl auf Papier abgezogen. Es ist wieder dieses Unnachahmliche der Entstehung 'von wannen',
es ist da, es ist nicht gemalt, man sieht keine Spuren des unglückseligen Malpinsels, und
es erscheint wie ein Stück Natur, von einem Phänomen gesehen und gemacht. Seltsamer
Kreislauf dessen, was wir alles 'Natur' nennen! - Ich wollte ich könnte malen, also ob es
'von wannen' sei und nicht von der menschlichen Hand." (Schlemmer, 8. Juli 1941; zit. nach
Maur, ebenda, S. 19)
Trotz aller Spontaneität und allem Erfindungsreichtum, dem sich manchmal ein dadaistisches
Element gesellt, und trotz des Zulassens von Unvorhersehbarem wendet sich Schlemmer keiner
informellen Abstraktion zu. Bei all den neuen Erfahrung, die er bei seinen Experimenten
macht, verliert er nicht den Bezug zum Gegenständlichen, vor allem zur menschlichen Figur.
Davon zeugt die hier vorgestellte "Klexographie".

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