Oswald Achenbach: Malerin unter Zypressen im Park der Villa d'Este bei Rom aus unserer Rubrik: Gemälde Neuerer Meister
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Oswald Achenbach

1827 Düsseldorf - 1905 Düsseldorf

Alte Kunst am 17.05.2018, Los 992


Achenbach, Oswald
Düsseldorf 1827 - 1905

Malerin unter Zypressen im Park der Villa d'Este bei Rom. Öl auf Leinwand. Doubliert. 91 x 81cm. Signiert und datiert unten rechts: Osw. Achenbach 1883. Rahmen.

Provenienz:
Sammlung Friedrich Wilhelm Waffenschmidt, Köln.

Einführende Informationen zum Gemälde von Oswald Achenbach

Ein Spätsommertag in Italien. Ein warmes Licht liegt über der Landschaft, die in Braun- und Dunkelgrüntönen gehalten ist. Die Sonne trifft den Weg, der sich von der vorderen linken Bildecke schräg in den Raum schiebt, erst im Mittelgrund voll. Der Vordergrund ist verschattet. Aber dort, wo neben dem Himmel die hellste Stelle des Bildes liegt, dort spielt sich eine reizvolle kleine Szene ab: Eine Malerin sitzt auf dem Weg im Schutz eines weissen Sonnenschirms und zeichnet, wobei ihr zwei Damen und ein Herr interessiert über die Schulter schauen.

Die Szene ist so weit entfernt, dass die Personen nicht im Detail dargestellt und nicht genau zu erkennen sind, zumal sie dem Betrachter den Rücken zuwenden. Besonders reizvoll scheint die kleine, von der Sonne angestrahlte Gruppe im Kontrast mit den mächtigen, alten und dunklen Zypressen am Wegesrand. Sie dominieren das Bild, stoßen bis an den oberen Bildrand und verstellen den Ausblick in die Ferne.

Oswald Achenbach liebte Italien. Hier hatte der Rheinländer schon in jungen Jahren seine künstlerische Heimat gefunden und er avancierte zu "dem" Italienmaler der Düsseldorfer Malerschule in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sieben Reisen, meist in Gesellschaft von Malerkollegen oder mit seiner Familie sind belegt. Achenbach malte vor Ort und schickte die fertigen Bilder in die Heimat. Die Eindrücke und Motive, die er von diesen Reisen mitbrachte, bildeten aber auch ein unerschöpfliches Repertoire, aus dem er im kühlen Rheinland schöpfen konnt. Eine Italienlandschaft von Oswald Achenbach war ein Prestigeobjekt des gehobenen Salons nördlich der Alpen. Die Kunsthändler zogen diese Motive allen anderen von Oswald Achenbach vor. Die Nachfrage war enorm.

Ein Ort, den Oswald Achenbach auf seinen Reisen immer wieder aufsuchte und von dem es unterschiedliche Ansichten gibt, war der Park der Villa d'Este in Tivoli bei Rom. Speziell eine Blickachse des Parks scheint es dem Maler angetan zu haben, denn mindestens drei Variationen dieses Blicks sind erhalten (vgl. Kat. Lempertz, Auktion 909, 2007, Lot 1479, datiert 1875 sowie Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte, Oldenburg, datiert 1897.)

Das hier angebotene Gemälde scheint keine typische Schauseite der Villa d'Este zu zeigen. Doch täuscht dieser Eindruck: Es handelt sich um einen Hauptweg der Renaissanceanlage, die jedoch jahrzehntelang vernachlässigt wurde. Erst seit den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden Villa und Park durch den späteren Kardinal Prinz zu Hohenlohe-Schillingsfürst vor dem Verfall gerettet und saniert.

Der Kirchenbau, der in der Ferne oberhalb der Personengruppe zu erkennen ist, ist identifizierbar: es handelt sich um "San Pietro alla Carità", woraus sich die gesamte, von Achenbach exakt wiedergegebene Topographie erschließen lässt.
Parallel zum Weg verläuft linker Hand der von einer Sphinx-Skulptur bewachte Abgang zur "Fontana dei Draghi". Rechter Hand über dem Weg erhebt sich eine von Balustern begrenzte Ecke einer Terasse (dieses Element fehlt in den beiden Varianten des Motivs). Entlang des Weges, hinter einer Mauer, stehen abwechselnd steinerne Obelisken und stilisierte Lilien, wie sie im Wappen der Familie d'Este vorkommen. Sie bilden heute die Allee der hundert Brunnen.

Das Gemälde zeigt uns einen speziellen Ort, der im 16. Jahrhundert erdacht und angelegt, vor etwa 150 Jahren von Oswald Achenbach gemalt wurde und bis heute besucht werden kann. Und die Begeisterung für diese Szenerie teilte Achenbach, wie man sieht, auch mit der Künstlerkollegin im Bild.

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