Paul Gauguin: Les falaises de la Bouille aus unserer Rubrik: Mod. Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle
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Paul Gauguin

1848 Paris - 1903 Atuona Hiva-Oa

Modern am 30.05.2018, Los 22

Gauguin, Paul
1848 Paris - 1903 Atuona Hiva-Oa

Les falaises de la Bouille. 1884. Öl auf Leinwand. 38,3 x 56,2cm. Bezeichnet, datiert und signiert unten rechts: La Bouille 1884 à mon amie Fru Manthey P Gauguin-Souvenir.

Provenienz:
- Mme Carl August Manthey, Rouen (Geschenk des Künstlers 1884)
- Sammlung Moen Oslo (ca. 1955)
- Sotheby's, London, 1.4.1981, Lot 15
- Sammlung M. Samuel Josefowitz, Lausanne (1981)
- Christie's, New York, 8.5.2002, Lot 205
- Galerie Salis & Vertes, Schweiz (2002)
- Privatsammlung Nordrhein-Westfalen

Ausstellungen:
- Huitième Exposition Impressionniste, Paris 1886, Nr. 59
- Kunstnerforbundet (Paul Gauguin) Oslo 1955, Nr. 5 (Stempel)
- Art Gallery of Ontario, Toronto (Leihgabe 1981-2001)
- Musée Départemental du Prieuré, Saint-Germain-en-Laye 1985/86
- The National Museum of Modern Art, Tokyo/Aichi Prefectural Art Gallery, Nagoya 1987
- Gauguin und die Schule von Pont-Aven: Bunkamura Museum of Art, Tokyo; National Museum of Modern Art, Kyoto; National Museum of Modern Art, Hokkaido; Prefectural Art Museum, Mie; City Museum of Art, Koriyama; Art Gallery of New South Wales, Sydney; Museum of Art, Indianapolis; Walters Art Gallery, Baltimore; Museum of Art, Montreal; Dexon Gallery and Gardens, Memphis; Museum of Art, San Diego; Museum of Art, Portland; Museum of Fine Art, Boston; The Israel Museum, Jerusalem; Museum Würth, Künzelsau (1993-1997)
- Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München 1998

Literatur (Auswahl):
- Daniel Wildenstein: Gauguin - Premier itinéraire d'un sauvage, Catalogue de l'oeuvre peint (1873-1888), Paris 2001, Bd. 1, WVZ.-Nr. 143, S. 160 Farbabb.
- Georges Wildenstein: Gauguin, Paris 1964, Bd. 1, WVZ.-Nr. 120, S. 46f. mit s/w Abb. (Les voilers)
- Borchsenius, Christian: Manthey - en dansk-norsk embetsslekt, in: Norsk Slektshistorisk Tidsskrift, Bd. 25, Heft 3, Oslo 1976, S. 195-207
- Fezzi, Elda: Gauguin - Das Gesamtwerk, Frankfurt a.M./Berlin/Wien 1979, Nr. 129 mit s/w Abb. (Segelboote)
- Ausst.-Kat. Le chemin de Gauguin - genèse et rayonnement, Musée Départemental du Prieuré, Saint-Germain-en-Laye 1985/86, Nr. 36 mit Abb.
- Ausst.-Kat. Paul Gauguin, The National Museum of Modern Art, Tokyo/Aichi Prefectural Art Gallery, Nagoya 1987, Kat.-Nr. 4, S. 54f. mit Farbabb. (Les voiliers)
- Ausst.-Kat. Gauguin und die Schule von Pont-Aven, Museum Würth, Künzelsau 1997, Kat.-Nr. 2, S. 52f. mit Farbabb. (Les voiliers)
- Ausst.-Kat. Gauguin und die Schule von Pont-Aven, Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, München 1998, Kat.-Nr. 1, S. 35 mit Farbabb. (Les voiliers)


"Der Eindruck aber, der aus der einfachen Verteilung der Farben, Lichtern und Schatten hervorgeht, das ist die Musik des Bildes."


Ein ganz heiteres, leichtes Gemälde. Wolken und Wasser, getrennt durch eine Hügelkette mit Kreidefelsen. Sommerlicher Sonnenschein, Segelboote mit und ohne Takkelage auf dem Wasser. Der Standort des Malers, ein breiter, heller Uferweg, wird durch einige von links einfallende Schatten strukturiert. Blau, grün, weiß, ein wenig rosé. Die perfekte Harmonie eines Sommertages.
Als Paul Gauguin dieses impressionistische Gemälde 1884 schuf, war seine Lebenssituation alles andere als leicht, sein Gemütszustand, wie aus seinen Briefen bekannt, überwiegend nicht heiter. Gauguin ist der Künstler, dessen kommerzielle Erfolglosigkeit zu Lebzeiten, dessen Armut und dessen Unverstandensein bei seinem gleichzeitigen beharrlichen Festhalten am Kunstschaffen das Bild der Nachwelt vom "verkannten Genie" ebenso nachhaltig prägte, wie sein Freund Vincent van Gogh.
Im Sommer 1884, als das hier angebotene Bild entstand, war Paul Gauguin 36 Jahre alt.
Den ersten Teil seiner Kindheit hatte er bei der Familie seiner Mutter in Peru verbracht, war in Frankreich zur Schule gegangen und mit 17 Jahren als Offiziersanwärter für sechs Jahre zur See gefahren. Nach dem Tod seiner Mutter kam Gauguin unter den Einfluss seines Vormundes, des Geschäftsmanns Paul Arosa. Er verließ die Marine, bekam 24jährig eine Anstellung in einer Bank, war mit Börsengeschäften erfolgreich und wurde wohlhabend. Der aufstrebende junge Börsenmakler heiratete eine Dänin, Mette-Sophie Gad, eine junge Gouvernante, die in Paris ihre Französischkenntnisse erweitern wollte. Mit ihr bekam er fünf Kinder.
Gauguin interessierte sich, auch hier beeinflusst von Arosa, für die zeitgenössische bildende Kunst, war in der Lage Kunst zu sammeln und begann in seiner Freizeit selbst zu malen. Der "Amateur" von erstaunlichem Talent stellte 1876 im Pariser Salon aus, dann zog es ihn aber zu den "Rebellen". 1879 wurde er erstmals eingeladen, an der "Ausstellung der Impressionisten" teilzunehmen. Gauguin freundete sich eng mit Camille Pissarro an, bei dem er Unterricht in der Freilichtmalerei nahm und pflegte intensive Kontakte zu den Künstlern des Impressionisten-Kreises. Die Intensität mit der er seine Leidenschaft verfolgte nahm immer mehr zu. Der malende Kaufmann war in Kunst-Angelegenheiten bald auf Augenhöhe mit den Künstler-Kollegen und schon 1881 bekannte er gegenüber Pissarro, dass der Schwerpunkt seines Interesses sich immer mehr von der kaufmännischen Arbeit hin zur Malerei verlagere.
Der Pariser Börsenkrach 1882 nahm Gauguin die Entscheidung aus der Hand und machte dem gut eingerichteten Leben ein Ende: Er verlor seine Anstellung und entschloss sich - als Vater von damals vier Kindern - den Lebensunterhalt der Familie ganz mit der Malerei zu verdienen. Aber der von ihm prognostizierte Erfolg stellte sich nicht ein; zumindest nicht wirtschaftlich. Die finanzielle Situation in Paris wurde schwieriger. Das Leben außerhalb der Metropole erschien preiswerter und so zog die ganze, inzwischen siebenköpfige Familie im Januar 1884 nach Rouen. Die wohlhabenden Bürger der Stadt erfüllten Gauguins Erwartungen jedoch ebenfalls nicht. Nennenswerte Käufe blieben aus. Mette fuhr im Juli mit zweien der Kinder nach Kopenhagen zu ihrer Familie. Als sie im September zurück kam, wurde der Entschluss gefasst, dass Paul Gauguin die Malerei doch wieder zum Nebenberuf machen sollte. Seine Frau Mette würde in Kopenhagen als Französischlehrerin das nötigste Geld für die Familie verdienen können. Für November wurde die Übersiedelung der Familie nach Dänemark geplant.
So erfolglos es wirtschaftlich war, so produktiv war doch das knappe Jahr in Rouen, aus dem 47 Gemälde bekannt sind. Gauguin malte verstärkt Landschaften. Sein Freund Pissarro hatte ihn für die Freilichtmalerei begeistert, und ihm berichtete er später, dass er in Rouen Fortschritte gemacht und dort Fundamente für die Zukunft gelegt habe.
Während ihrer kurzen Zeit in Rouen hatte sich das Ehepaar Gauguin mit einer Gruppe Skandinavier angefreundet unter ihnen Carl August Manthey, ein Norwegischer Holzhändler und dessen Ehefrau, dem das hier angebotene Bild mit Widmung geschenkt wurde. Bürger Norwegens waren im 19. Jahrhundert mit der dänischen Sprache vertraut und das Ehepaar Gauguin scheint den Zugang zu den wohlhabenden Skandinaviern über die Kultur- und Sprachverbindung Mettes bewusst gesucht zu haben.
Es ist nicht konkret belegt, aber zu vermuten, dass Gauguin im Sommer 1884, während seine Frau in Kopenhagen war, einen Boots-Ausflug mit den Mantheys auf der Seine machte: Von Rouen nach La Bouille, einem Dorf, das von Kreidefelsen überragt wird, die in der Normandie so typisch sind.
Das hier angebotene Gemälde hält die heitere Stimmung dieses Sommertages fest. Die Häuser des Dorfes erscheinen nur als blaue Schatten auf dem Uferweg. Die lichtdurchflutete Landschaft unter dem weiten, leicht bewölkten Himmel, die Seine, die in einer scharfen Biegung verläuft und das Blau des Himmels spiegelt, das Segelschiff, das die leichte Brise suggeriert: Das Gemälde gibt die Unbeschwertheit und den Optimismus dieses Ausflugstages wieder. Der fein gesetzte Kontrast zwischen dem Rosé des Weges und den verschiedenen Grüntönen des Ufersaums und der ferneren Hügel-Landschaft zeigt schon die Handschrift des grandiosen Koloristen.

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