Raden Saleh Ben Jaggia: Schiffe auf stürmischer See aus unserer Rubrik: Gemälde Neuerer Meister
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Raden Saleh Ben Jaggia

1811 Samarang (Java)

Alte Kunst am 17.05.2018, Los 978


Saleh Ben Jaggia, Raden
1811 Samarang (Java) - 1880 Buitenzorg

Schiffe auf stürmischer See. Öl auf Leinwand. Doubliert. 88 x 116cm. Signiert und datiert unten links: Raden Saleh f. 1840. Rahmen.

Provenienz:
Privatsammlung Rheinland seit den 1920er Jahren; damals erworben in der Galerie Paffrath, Düsseldorf.

Gutachten Dr. Werner Kraus zu Raden Saleh Ben Jaggia
Er machte Schiffbruchbilder in seinen letzten beiden Jahren in den Niederlanden zu seinem Markenzeichen. Obgleich das Thema in der traditionellen niederländischen Malerei eher eine Ausnahme bildete, zeigte Raden Saleh 1839 in der Ausstellung der Berliner Akademie zwei dieser Seesturm-Bilder.

Der javanische Maler Raden Saleh (1811-1880) lebte zwischen 1829 und 1839 in Den Haag, wo er zunächst in der Tradition der niederländischen Malerei ausgebildet wurde. Obgleich Marinebilder ein traditionell starkes Motiv der holländischen Malerei sind, waren Schiffbruchbilder eher die Ausnahme. Doch Saleh machte, in seinen letzten beiden Jahren in den Niederlanden, gerade diese zu seinem Markenzeichen. Und als er 1839 nach Deutschland gereist war und an der Berliner Akademie Ausstellung teilnahm, zeigte er auch dort zwei Seesturm Bilder.

Bei dem hier besprochenen Bild handelt es sich aber nicht um eines der "Berliner Seestürme", sondern um den Seesturm, den Saleh 1840 auf der Akademieausstellung in Dresden gezeigt hatte. In der Zeitung Dresdner Wochenblatt für Vaterländische Interessen wurde dieses Bild wie folgt beschrieben:

Ein zweites Gemälde von Raden Saleh, auch mit sicherer Kraft entworfen, zeigt uns einen Seesturm. Schiffe, deren Flaggen im Winde flattern, kämpfen mit den Wogen, schon von jenen beraubt, und fast schon ihre Beute. Aus den Fluthen steigen Schiffstrümmer. Im Luftraum ballen sich die Nebel oder Wolken und fegen, wie schwarze Flore über den Schiffbruch hin. Der Wasserdämon mit seinen Schäumen, Güssen, Wirbeln, Strudelwellenköpfen und Schwanksystem ist gut getroffen".

Das Bild wurde auch in vielen anderen Zeitungen lobend erwähnt. So schrieb das renommierten Morgenblatt für gebildete Leser: Ein Seesturm des javanischen Prinzen (Raden Saleh) ist höchst ausgezeichnet. Selbst der bekannte Kunsthistoriker und Kunsttheoretiker Johann Gottlieb von Quandt, ein Freund Johann Wolfgang von Goethe, fand lobende Worte für Raden Salehs Seesturm.

Raden Saleh hat zwischen den Jahren 1836 und 1842 (so weit wir jetzt wissen) sechzehn Bilder mit Schiffen auf stürmischer See gemalt. Dabei ist es ihm gelungen die Darstellung der Wogen und der Wolken ständig zu verbessern. Im vorliegenden Bild erreicht er fast die Perfektion des "Malers der Wellen", Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski.

Fünfzehn, der erwähnten sechzehn bekannten Seestürme, sind wesentlich kleiner, als das hier beschriebene Bild. Dies weist auf die besondere Bedeutung hin, die Raden Saleh diesem Gemälde zugemessen hat. Er malte es nämlich für einen besonderen Anlass. Als Raden Saleh im Juli 1840 das Bild in die Akademieausstellung in Dresden einlieferte, lebte er schon fast ein Jahr in der Stadt und hatte bis her keines seiner Bilder öffentlich ausgestellt. Seine Beteiligung an der jährlichen Akademieausstellung betrachtete er als Nagelprobe. Er wollte dem Publikum beweisen, dass die Vorschusslorbeeren, die er bereits geerntet hatte, berechtigt waren. Deshalb produzierte er einen Seesturm der doppelt so groß war, als alle vorausgegangenen und löste sich auch vom holländischen Bezug. Die Schiffe auf dem Bild segeln unter amerikanischen Flaggen! Seine Hoffnung wurde erfüllt, die Besprechungen seiner Bilder waren sehr positiv. (Neben dem Seesturm brachte er ein zweites Bild in die Ausstellung, eine Löwenjagd. Sie wurde 2005 erfolgreich bei Van Ham versteigert.)

Ein wichtiges inhaltliches Detail des Bildes ist, wie schon erwähnt, dass die beiden Segelschiffe im Vordergrund, die Flagge der 13 Staaten der Vereinigten Staaten von Amerika gehisst haben. Diese Flagge war zum Zeitpunkt der Entstehung des Bildes längst Vergangenheit, da sie allein zwischen dem 14. Juni 1777 und 1. Mai 1795 in Gebrauch war. 1840 war die Zahl der Bundesstaaten auf 26 angewachsen und die Flagge der USA zählte entsprechend viele Sterne. Weshalb Raden Saleh die historische Flagge für sein Bild benutzte ist noch nicht klar. Eine Möglichkeit ist, dass er dieser Flagge im Kontakt mit dem Herausgeber des Dresdner Wochenblatt für vaterländische Interessen, Adolph Schäfer, begegnet war. Schäfer war nicht nur der Verfasser der oben zitierten positiven Besprechung des Seesturms, sondern war auch stark mit der sächsischen Auswanderungsbewegung in die USA verbunden. Allerdings fuhr Schäfer 1845 nicht in die USA, sondern nach Java, wo er als erster Daguerreotypist arbeiteten sollte. Dort, in Batavia, begegnete der glücklose Schäfer um 1854 Raden Saleh noch einmal.

Da Raden Saleh nur drei Seestürme mit Schiffen unter amerikanischer Flagge malte, ist es möglich, dass das hier angebotene Bild Schiffe auf stürmischer See jenes Bild ist, das unter dem Titel "A Squall" 1853 von De Braekeleer, Jr., in New York angeboten wurde. Im Katalog der Auktion wurde das Bild A Squall von Raden Saleh beschrieben und ausdrücklich vermerkt, dass die Schiffe in Not amerikanische Schiffe sind:

"The tempest is raging and below yonder high shore an American ship is wrecked whilst farther off another one is trying to escape the imminent peril. The fury of the hurricane, the power with which the high rolling waves are thrown on the breakers, the rage of the elements, and the gloom of the spectacle are very lively and strikingly represented.

Die Beschreibung, dass ein amerikanisches Schiff vom Sturm zerschlagen wird, während ein zweites vielleicht noch verschont bleibt, könnte auf unser Bild verweisen. Ob es der Provenienzforschung gelingt nachzuweisen, dass das Bild um 1853 in Amerika war, muss abgewartet werden.

Das Bild Schiffe auf stürmischer See, 88 x 116 cm von Raden Saleh, das vom Auktionshaus Van Ham angeboten wird, ist der größte und beste Seesturm, den wir von seiner Hand kennen. Kein anderes seiner Storm-at-Sea Bilder ist ähnlich detailliert gemalt und in der Darstellung des Wassers ähnlich gut gelungen. Die bereits 1840 von zeitgenössischen Kritikern gefällten, positiven Urteile haben bis heute ihre Gültigkeit bewahrt. Die Raden Saleh Forschung kennt keinen zweiten Seesturm von ähnlicher Bedeutung und es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass in ansehbarer Zeit ein vergleichbarer Seesturm von Raden Saleh am Kunstmarkt erscheinen wird.

Passau, 10. Februar 2018
Dr. Werner Kraus


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