Museale Reiseapotheke aus unserer Rubrik: Kunstkammer
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Wohl Augsburg

Europäisches Kunstgewerbe am 13.11.2019, Los 83

MUSEALE REISEAPOTHEKE.
Wohl Augsburg. 2. Hälfte 17.Jh. Das Silbergerät tlw. gemarkt Augsburg 1680-85, Matthäus Baur II.

Pappelmaserholz poliert, ornamental durchbrochene und gravierte Beschläge, originaler Bezugstoff aus roter Seide und Silberpasseporten, Silberblechbeschläge und -knöpfe. Strenge rechteckige Form mit zweitüriger Front und aufklappbarem Deckel. Auf dem Deckel
Tragegriff. Im geöffneten Zustand Front mit insgesamt 21 kleinen Schüben. Im oberen Teil
26 kleine Fächer, darin Deckelbecher, Trichter, Mörser, sieben Schraubgefäße, eine
Eisenreibe, sowie eine große und zwölf kleine Flaschenmontierungen mit Schraubdeckel. In
den großen mittleren Schüben silberner Spachtel, Schere, Eisen tlw. vergoldet, Eisenmesser
mit vergoldetem Schraubgriff und Dispensierlöffel, Silber vergoldet. Darunter Handwaage
mit vergoldeten Waagschalen, vier kleine silberne Schraubdosen und ein Eisenhohlmass. Im
untersten Schub zwölf kleine Glasgefäße. In den unteren sechs Schüben insgesamt 24
Pulverdosen aus Holz mit Schiebedeckeln und Elfenbeinknauf. Die restlichen zwölf Schübe
alle mit rückwandigen Inhaltsstoff-Angaben. 23,5x29,3x22cm.
Auf Becher, Trichter, Mörser und 7 Schraubgefäßen Tremolierstrich, Augsburger Beschau für 1680-85 (Seling Nr.132), Meistermarke MB für Matthäus Baur II. (Seling Nr.1776; Rosenberg Nr.711).
Zustand B. Aderlass-Schale und Rubingläser verloren.

Provenienz:
Deutsche Sammlung, erworben im Kunsthandel Albrecht Neuhaus, Würzburg.

Literatur:
- Marc Rosenberg: Der Goldschmiede Merkzeichen, Band 1. Frankfurt 1922, Meister siehe Nr.711.
- Helmut Seling: Die Kunst der Augsburger Goldschmiede 1529-1868, 3 Bände, München 1980. Meister und Stadtbeschau siehe Bd.3, Nr. 132 und 1776. Typus vergleiche Bd.2 Abb. 244 und 948-949.
- Elisabeth Huwer: Das Deutsche Apothekenmuseum, Regensburg 2008. Typ vergleiche S.203, Abb.254.

Marc Rosenberg erwähnt zu Matthäus Baur eine Hausapotheke mit Rubingläsern in vergoldeter Fassung, Provenienz 1884 Roderich Freiherr von Walterskirchen, Wien.

Sogenannte Haus- oder Reiseapotheken erfreuten sich vom 17. bis 19. Jahrhundert größter Beliebtheit. Sie wurden von Apothekern mit den benötigten Inhaltsstoffen versehen und dienten dann den Reisenden bei Erkrankungen als erste Hilfe.
Aus dem 17. Jahrhundert kennen wir mehrere prachtvoll gestaltete Reiseapotheken, die sich heute in verschiedenen Museen befinden. Geschaffen wurden sie als Zusammenarbeit verschiedener Gewerke, so etwa der Goldschmiede, Kistler und anderer Zunftmeister, die die Gerätschaften aus verschiedensten Materialien erzeugten.

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