SØR Rusche Collection - Passion – ONLINE ONLY

6. bis 19. Mai 2020

Auktion

6. bis 19. Mai 2020, ab 18 Uhr

Zwei Begriffe sind mit dem Wort Passion eng verbunden. Das Leid und die Leidenschaft. Leid empfindet man selten ohne Leidenschaft und anders herum.

Sprechen wir vom Leid, so verbinden wir im Christentum damit meist den Leidensweg Jesu, sein Leiden und Sterben samt Kreuzigung. Die Passionsgeschichte spiegelt jedoch auch die absolute Leidenschaft Jesu gegenüber Gott wider. Nur dank seiner totalen Hingabe zu Gott erträgt Jesus all das Leid und wird am Ende des Leidensweges erlöst.

Versinnbildlicht hat sich vor allem die Dornenkrone als Synonym für den Leidensweg Christi. Als weiteres wichtiges Arma Christi gilt auch das Holzkreuz, an welchem Jesus seinen Tod fand. Beide Leidenswerkzeuge sind die einzigen Gegenstände in dem Gemälde „Burden“(Bürde) von Zoltan Bela. Und trotz der Abwesenheit des Körpers Jesu assoziieren wir mit dem Gemälde sofort die Leidensgeschichte.

Zoltan Bela nutzt die bekannte Symbolik und Ikonografie, um etwas Neues daraus zu machen. Die Neuinterpretation der Kreuzigung, dem traurigen Ende der Passion Christi, ist sehr reduziert, kommt ohne viele Details aus und besitzt trotzdem eine starke Aussagekraft.

Sprechen wir von der Leidenschaft. Empfindet man Leidenschaft in der Liebe, so empfindet man oft früher oder später auch Leid. Schon unser innerster Trieb, der sexuelle Trieb, ist eng verknüpft mit der Leidenschaft. Ist doch die Leidenschaft das, was uns das rein biologische Fortpflanzen zu etwas Besonderem verkennt, was wir als romantisch ansehen und welche durch die Medien einen großen Stellenwert in unserem Alltag einnimmt. Leidenschaft ist immer das, wonach der Mensch in seinem sexuellen Leben zu streben scheint. Was die Vollkommenheit einer Liebesbeziehung ausmacht. Sie ist das, was die Beziehung spannend und wertig macht und keinesfalls mehr negativ konnotiert. (Sprach man in der antiken Philosophie noch von der Beherrschung und der Mäßigung der Leidenschaft und der Angst sich der Leidenschaft komplett hinzugeben.) Gibt man sich der Leidenschaft komplett hin, läuft man jedoch immer noch Gefahr die Realität aus den Augen zu verlieren. Die Leidenschaft fungiert dann als besitzergreifende Emotion des Gemüts, als Rausch, den man möglichst als Dauerzustand herbeizuführen versucht.

Wer das Spiel mit der Leidenschaft und des Begehrens perfekt verkörpert, ist zum Beispiel die Göttin und Zauberin Circe, die in der griechischen Mythologie mit ihrem Charme die Begleiter Odysseus außer Gefecht zu setzen weiß. Nicht umsonst leitet sich das Wort „bezirzen“ von ihrem Namen ab.

Steve Viezens nimmt das Thema in seinem Gemälde „Circe am Waldesrand“ auf und transferiert dieses in ein zeitgenössisches Gemälde. Die Leidenschaft gipfelt hier in der Lust der Männer, die Circe verfallen. Die Gesichter haben die Männer Odysseus am Waldesrand „liegen“ gelassen, Circe hatte sie in Schweine verwandelt. Entkleidet wartet die Göttin in verführerischer Pose am Waldesrand auf neue Opfer.  Anstelle eines Bechers mit verhextem Getränk wartet die junge Frau mit einem unschuldig wirkenden Hasenohrenreif und zwei Zöpfen, gebunden mit pinken Schleifen, auf. Dabei fällt vor allem eines ins Auge des Betrachters.: Ihre sehr üppigen Brüste, die dem nächsten Besucher quasi entgegengestreckt und Begehrlichkeit geweckt werden. Die Unnatürlichkeit des Körpers spiegelt gepaart mit der Verniedlichung des Gesichtes hier eine zeitgemäße Fantasiewelt wider wie wir sie in der Pornografie finden.

Das Wort Passion bezieht sich allerdings nicht nur auf das Thema des Schmerzes oder der Liebe.

Eine Leidenschaft empfindet man auch als Sammler oder Künstler. Die Sammelleidenschaft verbindet den Sammler mit der Leidenschaft des Künstlers zu Malen. Beide Tätigkeiten geschehen oft aus dem tiefsten Inneren heraus. Der Trieb durch das Sammeln eine Befriedigung zu erfahren stellt eine Ähnliche Herausforderung dar, wie der Trieb sein Innerstes zum Ausdruck und auf Papier, Leinwand oder ein anderes Medium zu bringen. Damit verbunden sind auch hier nicht selten Leidensempfindungen. Gerade den Künstler kennen wir in der Kunstgeschichte oft als leidgeprägtes Wesen.


"5 Sterne Kunst"   Beitrag von Dr. Teresa Bischoff 


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