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Raden Saleh Ben Jaggia: Auf dem Megamendung Pass aus unserer Rubrik: Gemälde Neuerer Meister
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Raden Saleh Ben Jaggia

1811 Samarang (Java) - 1880 Buitenzorg

Alte Kunst, Gemälde und Skulpturen am 21.11.2008, Los 670, Ergebnis: € 180.600 (inkl. Aufgeld)


Saleh Ben Jaggia, Raden
1811 Samarang (Java) - 1880 Buitenzorg

Auf dem Megamendung Pass zwischen Bogor und Bandung auf Java, Indonesien. Büffel ziehen eine Reisekutsche. Öl auf Leinwand. 53,5 x 92cm. Signiert und datiert unten rechts: Raden Saleh. 1862. Rahmen.

Rückseitige Leinwandstempel.

Diese javanische Landschaft gehört zu den Meisterwerken Raden Salehs. Er malte sie auf dem Höhepunkt seiner Karriere und es ist erstaunlich, dass sie, obgleich wir sie aus zeitgenössischen Berichten kennen, so lange verborgen geblieben ist.

Das Motiv:
Die dargestellte Landschaft ist eine reale, nämlich der Megamendung Pass in Westjava kurz vor seinem Scheitel. Der Megamendung war der höchste, mit Kutschen befahrbare, Pass Niederländisch Indiens. Er war Teil des Großen Postweges, der die wichtigsten Orte Javas mit einander verband. Der Aufstieg in das westjavanische Bergland, den sog. Preanger Landen, geschah über den sehr steilen Megamendung Pass.
Der deutsche Ethnologe und Reisende Fedor Jagor, der sich im Jahre 1858 in Java aufhielt, schrieb über diesen Abschnitt der Strasse: "Hinter Levimalam gelangt man an den Fuss des Megamendong, der die Grenze zwischen den Residentschaften Buitenzorg und den Preanger Landen bildet. Die Strasse überschreitet ihn mit Verschmähung fast aller Zickzacklinien auf einem Pass von 4620 Fuss. Daher ist dieses Joch für Lastwagen nicht übersteigbar; leichte Postchaisen gebrauchen einen Vorspann von 6 Büffeln ..."
Diese Situation ist auf dem Bilde dargestellt. Allerdings handelt es sich bei dem Gefährt auf der Strasse nicht um eine leichte Postchaise, sondern um einen Standard Reisewagen der niederländisch-indischen Post. Friedrich Gerstäcker erwähnt in seinem Buch 'Reisen. Australien-Java' den "einzelnen Sitz für den Kutscher mit seinem einer großen vergoldeten Backschüssel ähnlichen Hut" und den hinteren "Auftritt für die Treiber, die einer jeden solchen Post beigegeben sind". Kutscher und Treiber sind auf dem Bild klar zu erkennen. Dass einer der Treiber in Weiß, der andere aber in Rot gekleidet ist, ist ein weiterer Beweis dafür, dass es sich um den Megamendung handelt, denn dies waren die Farben der Treiber auf der Preanger-Strecke des Großen Postweges. Beides, die vorgespannten Büffel und die Farben der Treiber, weisen also darauf hin, dass die dargestellte Landschaft die obere Strecke des Megamendung Passes darstellt.
Neben diesen historischen Argumenten, ist es natürlich die Landschaft selbst, die diese Zuordnung erlaubt. Das diagonal ins Bild gestellte Bergmassiv besteht aus den Vulkanen Gedeh und Pangerango. Eine Illustration aus dem oben erwähnten Buch von Jagor zeigt diese Ansicht von der anderen Seite des Scheitels des Megamendung. Der Pass ist nun überwunden und das kleine Rasthaus, rechts der Strasse, ist auf dem Bild von Raden Saleh links der Strasse zu sehen. Ebenso die Vulkane Gedeh und Pangerango.

Raden Saleh, der bereits in den 1820er Jahren im Preanger Hochland lebte, kannte den Zugang zu diesem wichtigen Kaffe- und Teeanbaugebiet sehr gut. Er hat auch in den 1850er Jahren den Megamendung des öfteren überquert. 1875 und 1876 malte er zwei weitere Bilder die den unteren Teil des Megamendung, nämlich die Poststation an der die Büffel vorgespannt wurden, darstellen. Eines dieser Bilder hängt in der Sammlung des Schlosses Ehrenburg in Coburg, das andere ist Teil einer Privatsammlung in Singapur.

Das Bild in zeitgenössischen Quellen:
Das Bild wurde und das ist eher ungewöhnlich für Werke des Raden Saleh, von mehreren Zeitgenossen erwähnt. William Barrington D'Almeida, der 1862 das Atelier Salehs in Batavia besuchte, schrieb darüber:
"Like the sanctum sanctorum of all artists, the room was filled with models, busts, frameless and unfinished pictures, together with other appurtenances connected with the fine arts. Amongst this confused mass two large subjects, requiring only a few last touches to finish them, claimed our especial attention. One was a landscape taken in the province of Kedoe, including the view of the Murbaboo and Merapi. The grey smoke rising from the volcano was clear and distinct against the sky, which was tinted with the mingling hues of evening. The other called the Inundation, represented a touching scene in the melancholy catastrophe in Banyumas which I have before related."
Da D'Almeida sich im Inneren Javas nicht auskannte, beschrieb er unsere Landschaft fälschlicher Weise als "a landscape taken in the province of Kedoe, including the view of the Murbaboo and Merapi".
Genauer war da bereits Gustav Spieß, der Chronist der Eulenburgschen Preußischen Expedition nach Ostasien, der Salehs Studio im März 1862 besuchte:
"Wir fanden ihm in seinem Atelier beschäftigt, die letzte Hand an ein Bild zu legen, das eine Szene aus den furchtbaren Überschwemmungen zum Vorwurf hatte, welche im verflossenen Jahre das Innere von Java heimgesucht haben. Außer diesem, für den König von Holland bestimmten Bilde, war noch eine herrliche Waldpartie aus den Gebirgen bei Buitenzorg aufgestellt. Raden Saleh würde gern wieder nach Deutschland zurückkehren, wenn zwischen Wunsch und Ausführung nicht manche Hemmnisse ständen, doch sprach er in den dankbarsten Ausdrücken von den Tagen und Jahren, die er in Deutschland verlebt hatte."
Noch genauer in der Zuordnung der Landschaft war ein holländischer Anonymus, der wenig später die beiden Bilder im Hause Raden Salehs ausgestellt sah. Er gab unserer Landschaft den Titel 'Een gezigt op de Megamendong in de Preanger' (ein Blick auf den Megamendung im Preanger):
"In Holland gibt es wenig Sinn für die Kunst, aber in Java? Schade, schade! Kunst ist in Java eine Ware, die man vergebens auf dem Markt suchen wird. Doch habe ich dieser Tage mit Vergnügen dem Atelier des Malers Raden Saleh einen Besuch abgestattet und ein Bild besichtigt, das von ihm für den König gemalt wurde und eine Phantasie über die letzte Überschwemmung auf Java darstellt. ... ... Seit dem vorigen Sonntag ist Raden Salehs Überschwemmung in seinem Haus ausgestellt; der Künstler hat als zweites Bild "Een gezigt op de Megamendong in de Preanger" hinzu gefügt. ... Die Ausstellung ist stark besucht ... An diesem Sonntag begann fast jede Unterhaltung mit der Frage: 'Warst Du schon auf der Ausstellung?' ... Der Maler hat sich einen weiteren schönen Lorbeer an seine Krone geheftet."

Diese Ausstellung wurde auch von den jungen Eduard Julius Kerkhoven besucht, der ortskundig war, ja gerade eben aus dem Preanger nach Batavia gefahren kam, und deshalb eine noch genauere geographische Bestimmung des Bildes liefern konnte:
"Am Sonntag sah ich eine Ausstellung von Bildern des Malers Raden Saleh. Es waren zwei Ansichten des Weges von Buitenzorg nach Cianjur, den sog. Puncak, den höchsten Punkt des Megamendung, welcher ein Teil des Gedeh Berges ist. Es gab da auch ein Bild das die Überschwemmung in Banyumas darstellte."
Die vier oben zitierten Berichte lassen keinen Zweifel daran, dass es sich dabei um die "Strasse über den Megamendung" handelt.

Die Signatur:
Die Signatur entspricht in Strichführung und Konstruktion der Buchstaben und Zahlen der üblichen Praxis des Malers. Verwiesen sei in diesem Zusammenhang alleine auf die Konstruktion der Buchstaben "a" und "d", die immer einen oben etwas offenen Kreis entsprechen.

Der Leinwandstempel:
Als Besonderheit des Bildes ist der "canvas stamp" zu nennen. Auf der Rückseite der Leinwand ist ein Stempel der Firma George Rowney & Co zu sehen. Rowney & Co war im 19. Jahrhundert, neben Windsor & Newton, der größte Anbietern von Künstlerbedarf weltweit.

Der Stempel, der halb verborgen ist, lautet: G. Rowney & Co Manufacturers 51 Rathbone Place London. Die Firma Rowney, die heute noch existiert, wurde 1789 gegründet und hatte bald Zweigstellen und Agenturen in der ganzen Welt. In Paris, Barcelona, New York, Chicago, Boston, Melbourne, Sydney und Downsview/Canada. Daneben war Rowney & Co in der Lage an jeden Ort der Erde zu liefern. Der Vater dieser unternehmerischen Erfolgsgeschichte war George Rowney (1792-1870), der zur Mitte des 19. Jahrhunderts mehr als 300 Mitarbeiter in London allein beschäftigte. Den gleichen Leinwandstempel wie auf diesem Bild fand ich im Juli 2008 in Yogyakarta/Java auf dem wunderbaren Porträt des Sultans Hamengku Buwono VI, das Raden Saleh 1868 gemalt hat.

Saleh, der die Firma wahrscheinlich bei seinem Englandbesuch von 1847 kennen gelernt hatte, scheint Anfang der 1860er Jahre bei ihr eine größere Menge von Leinwänden bestellt zu haben. Sie tragen alle die Geschäftsadresse "51 Rathbone Place, London". Diese Adresse gab Rowney & Co allerdings bereits 1862 auf. Canvas stamps sind ein wenig erforschtes Gebiet und im Hinblick auf Raden Saleh ist dies die erste Erwähnung überhaupt. Für Originalität und Datierung eines Gemäldes sind sie jedoch von Bedeutung.

Zusammenfassung:
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das hier angebotene Gemälde ohne jeden Zweifel ein Werk von Raden Saleh ist. Neben der überzeugenden historische Argumentation (zeitgenössische Erwähnungen), beweist die Signatur und der Leinwand Stempel die Richtigkeit diese Behauptung. Werkimmanente Kriterien wurden deshalb oben weitgehend außeracht gelassen. Das Bild zählt zu den besten Landschaften die der Maler in Java gemalt hat.

Passau, im August 2008
Dr. Werner Kraus

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Auktion 270. Alte Kunst, Gemälde und Skulpturen,
21.11.2008, Los 670,
Taxe: € 60.000
Ergebnis: € 180.600 (inkl. Aufgeld)

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