Musealer Deckelpokal mit Hochmeisterwappen Erzherzog Maximilian III 48756-70810,...
Musealer Deckelpokal mit Hochmeisterwappen Erzherzog Maximilian III aus unserer Rubrik: Silber
Zurück

Wohl Deuschland oder Österreich-Ungarn

Europäisches Kunstgewerbe am 16.05.2018, Los 193, Ergebnis: € 55.470 (inkl. Aufgeld)

MUSEALER DECKELPOKAL MIT HOCHMEISTERWAPPEN ERZHERZOG MAXIMILIAN III.
Wohl Deuschland oder Österreich-Ungarn. Auf Plakette datiert 1595.

Silber, vergoldet. Auf Rundfuß mit profiliertem Rand und bauchig erhöhter Mitte kurzer Schaft mit kräftigem
Nodus. Darauf Widderköpfe im Wechsel mit Fruchtrelief. Hohe, leicht konische Becherkuppa
mit Rollwerkdekor. In jeweils drei hochovalen Medaillons Einhorn, Reh bzw. Bär vor weiten

Landschaftshintergründen. In den Zwischenfeldern hohe Blumengestecke in Amphorenvasen,
sehr fein ziseliert und auf punziertem Grund. Der leicht gewölbte Stülpdeckel ebenfalls
mit Rollwerk, lagernden Putten und Fruchtrelief. Die Mitte podestartig erhöht mit
Schildhalter in Rüstung. Auf dem Schild das Wappen der Freiherren von Bobenhausen. Auf der
Innenseite des Deckels runde Plakette montiert mit großer Gravur des Hochmeisterwappens
Erzherzog Maximilians III. und Datierung 1595. Entlang des Randes
Umschrift:'MAXIMIL·DG·ARCHID·AVST·MAG·PRVSS·ATMINIST·ET· ORD·TEVTO·MAGIS·D·D'. Ca. 546g. Höhe 35cm.

Auf Fußrand gemarkt: Wohl BZ mit G und MZ mit G(...) in geschwungenem Schild, beides weitgehend verschlagen. Lemberger Repunzierung 1806-07 für steuerpflichtige, gestempelte Arbeiten und österreichisch-ungarische Befreiungsstempel für ältere Silberarbeiten 1809/10 (Tardy S.65 u. 74). Zustand A/B.

Provenienz:
Sammlung Friedrich Wilhelm Waffenschmidt, Köln.

Literatur:
Beuing, Raphael: Die Schatzkammer des Deutschen Ordens. Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens, Bd.70, Weimar 2015.

Der hier vorliegende Deckelpokal ist nicht nur aufgrund seiner meisterlichen Qualität bemerkenswert, sondern auch im Hinblick auf den historischen Zusammenhang der beiden gravierten Wappen, welche sich auf ihm befinden.
Die Wappengravur auf dem Schild der Deckelbekrönung verweist auf den Hoch- und Deutschmeister Heinrich von Bobenhausen aus Mergentheim, welcher dieses Amt von 1572 bis 1590 inne hatte. Die Gravur zeigt allerdings nicht sein Wappen als Hochmeister des Deutschen Ordens, sondern beschränkt sich auf das Wappentier der Freiherren von Bobenhausen, den Fuchs mit Gans im Maul.
Seine Amtszeit war geprägt von größeren Konflikten mit Kaiser Maximilian II. in deren Folge ihm ab 1585 ein Koadjutor zur Seite gestellt und er dadurch praktisch entmachtet wurde. 1590 erfolgte dann sein endgültiger, erzwungener Rücktritt und er zog sich nach Wissembourg im Elsass zurück. Im Jahre 1595 verstarb er. Sein Koadjutor und auch Amtsnachfolger war kein Geringerer als Erzherzog Maximilian III. von Österreich, dessen Hochmeisterwappen zusammen mit dem Sterbejahr seines Vorgängers und damit dem Jahr seiner endgültigen Amtsübernahme auf der Innenseite des Deckels angebracht wurde.

Der Schatz des Deutschen Ordens birgt noch heute einen beeindruckenden Willkomm aus dem Besitz Heinrich von Bobenhausens. Das Gefäß ist in Form seines Wappentiers gearbeitet, einem vollplastisch gearbeiteten Fuchs mit einer Gans im Maul. Er stammt aus der Hand des Nürnberger Silberschmieds Paulus Tullner und wird um 1565 datiert (Beuing, 2015, S.132, Kat.-Nr.99). Da die Meister des Deutschen Ordens das Recht besaßen den Nachlass verstorbener Ordensmitglieder einzubehalten, wurde auch dieser Willkomm Teil des Ordensschatzes wie aus einem Inventar von 1606 hervorgeht. Dies mag vermutlich auch für den hier vorliegenden Deckelpokal gegolten haben, da sich nur so die Existenz beider Wappen und der Jahreszahl 1595 erklären würde. Der Hochmeister Erzherzog Maximilian III. selbst trug zu der wohl umfangreichsten Vermehrung des Schatzes bei. Sein Testament von 1598 zugunsten des Ordens wurde zwar nach seinem Tode im Jahre 1618 von seinem Bruder Kaiser Matthias angefochten, letztendlich aber doch anerkannt (ebd. S.13).
Auch wenn die Sammlung der Schatzkammer des Deutschen Ordens im Laufe der Jahrhunderte eine wechselhafte Geschichte erfuhr und vor allem im Zuge der Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts zahlreiche Verluste erlitt, ist ihr heutiger Umfang und ihre Qualität ein beeindruckendes Zeugnis der Geschichte des Ordens, seiner Hochmeister und Ordensritter.


Movie.

Sie wollen ein ähnliches Objekt verkaufen?

Möchten Sie kaufen und zukünftig Angebote erhalten?

VAN HAM erzielt regelmäßig sehr gute Ergebnisse für Werke von .

408. Europäisches Kunstgewerbe,
16.05.2018, Los 193,
Taxe: € 25.000
Ergebnis: € 55.470