Johannes Molzahn - August 1931, 70332-4, Van Ham Kunstauktionen
Johannes Molzahn: August 1931 aus unserer Rubrik: Mod. Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle
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Johannes Molzahn - August 1931

1892 Duisburg - 1965 München

Modern - Post War - Contemporary Ergebnis: € 77.400

MOLZAHN, JOHANNES
1892 Duisburg - 1965 München

Titel: August 1931.
Datierung: 1931.
Technik: Öl auf Leinwand.
Maße: 125,5 x 125,5cm.
Bezeichnung: Signiert und datiert unten rechts neben den Füßen: Molzahn 31.
Rahmen/Sockel: Rahmen.


Auf der Rückseite befindet sich ein weiteres Ölgemälde: Strandszene mit zwei weiblichen Akten. 1930. Signiert und datiert unten links in der orangefarbenen Fläche: Molzahn 30. Dieses ist nicht im Werkverzeichnis von Gries aufgeführt.

Provenienz:
- Johannes Molzahn Centrum, Kassel

Ausstellungen:
- Katholische Akademie in Bayern, München 1972, Nr. 20
- Galerie nächst St. Stephan, Wien 1973
- Galerie am Landesmuseum Joanneum Graz 1973, Nr. 16., Abb.
- Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg 1974, Nr. 22, Abb.
- Schlesisches Museum Görlitz 2019, Abb.

Literatur:
- Gries, Christian: Johannes Molzahn (1892-1965) und der 'Kampf um die Kunst' im Deutschland der Weimarer Republik (Anhang: Werkverzeichnis der Gemälde von Johannes Molzahn), Diss. Universität Augsburg 1996, WVZ.-Nr. 181a
- Schade, Herbert: Johannes Molzahn, München/Zürich 1972, S.8, 67, 119, Abb; Titelbild der Publikation

- Unverwechselbare Bildsprache des Künstlers
- Dichte Komposition mit komplexer Farbgebung
- Aus der fruchtbarsten Zeit seines Schaffens zwischen 1928 und 1932
- Werke des Künstlers werden selten auf dem Auktionsmarkt angeboten

"I know I am august / I do not trouble my spirit to vindicate itself or be understood / I see that the elementary laws never apologize / (I reckon I behave no prouder than the level I plant my house by, after all.)" (Walt Whitman: "Song of Myself", Version von 1892, Auszug aus Vers 20)

Als Johannes Molzahn 1928 eine Professur für Grafik an der Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau annimmt, ist er bereits ein bekannter Maler und Gebrauchsgrafiker. Die Jahre bis zur Schließung der Akademie 1932 sind für ihn die fruchtbarsten seines malerischen Schaffens, die er selbst als die "Wiedergeburt der Malerei" bezeichnet. So entwickelt er in dem kurzen Zeitraum drei verschiedene Figurenstile. Auch ihnen liegt sein Bemühen um ein "kosmisches Welt-Bild" zugrunde, in das er Rationales und Irrationales, Mythisches und Religiöses, Menschliches und Technisches integriert. Dies tut er immer wieder auf neue Art und Weise, indem er in seinen kubistisch-futuristisch anmutenden Werken expressive Formen, Gesten, Bewegungen und Farben mit geometrischen Strukturen verbindet. Dabei reduziert er die menschlichen Gestalten auf Schablonen und platziert sie in ein mehrschichtiges, oft undefinierbares Umfeld.

Ein wunderbares Beispiel hierfür ist unser Gemälde "August 1931", auf dem drei Badende am Strand zu sehen sind. Molzahn stilisiert die Frauengestalten zu biomorphen Silhouetten, in denen er verschiedene Körperansichten zusammenfügt. Auch Himmel, Wasser und Sand stellt er vereinfacht in mehr oder weniger geometrisch gegliederten, breiten Streifen dar. Eine eigenwillige Dynamik geht von dieser scheinbar starren und leblosen Szenerie aus. Molzahn erreicht diese durch die komplexe Farbgebung und die sich in den dichtgedrängten Bildelementen wiederholenden geraden Strich- und wellenförmigen Liniengefüge.

Das Motiv der "Badenden" ist vielen Künstler des frühen 20. Jahrhunderts ein Sehnsuchtsbild für das verlorene Paradies, in dem Mensch und Natur eine harmonische Einheit bilden. Auch hiervon kündet Molzahns Gemälde. Stets gilt sein Interesse, den "neuen Menschen", eingebunden in die Gesetzmäßigkeiten von Natur und Kosmos, darzustellen und seiner Vorstellung von einer allgemeingültigen und damit zukünftigen - metaphysischen - Ordnung Ausdruck zu geben. Dabei greift er die Auffassung des Philosophen und Künstlers Ernst Fuhrmann (1886-1956) vom Einfluss der Naturkräfte auf die Kulturgeschichte der Menschheit auf. So verweist Molzahn etwa mit den konzentrischen Linien, die er mit einem Kamm in die graue Farbfläche der linken Frau zieht, auf das Wachstum der Natur und die Kreisbahnen der Planeten. Zudem bezeichnet er mit dem Bildtitel keinen schönen Sonnentag am Meer im Monat August. Vielmehr bezieht er sich hier auf die Zeile aus dem Gedicht "Song of Myself" von Walt Whitman (1819-1892): "Ich weiß, ich bin erhaben". Schon früh ist Molzahn begeistert von den Werken des amerikanischen Lyrikers und Transzendentalisten. In ihnen stellt er die gesellschaftlichen Umbrüche seiner Zeit und die Naturverbundenheit der vergangenen Gesellschaft gegenüber. Dabei beschreibt er die utopische Vision eines Menschen, der sich von den erstarrten Überlieferungen und der materialistischen Sichtweise befreit und dadurch die Eigenständigkeit von Körper und Geist erreicht, um mit der Natur eins zu werden. Wie sehr Molzahn Whitman schätzt, zeigt, dass er drei Ausgaben des Bandes "Leaves of grass" besitzt, der das berühmte 52-teilige Gedicht "Song of Myself" beinhaltet.

Profilbild Johann Herkenhöner

Ansprechpartner

Johann Herkenhöner

Mail icon j.herkenhoener@van-ham.com

Phone icon +49 221 92 58 62 304


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