Apotheken- und Pharmaziewesen - eine deutsche Sammlung

Mens sana in corpore sano - ein gesunder Geist in einem gesundenKörper lautet ein Zitat aus den Satiren des römischen DichtersJuvenal. Die körperliche Gesundheit zu erhalten bzw. wiederherzustellen war von je her das Bestreben der Menschheit.


Bereits aus der Frühgeschichte Chinas sind uns Beschreibungen von Heilpflanzen des Kaisers Shennong bekannt. Das in der Universitätsbibliothek Leipzig aufbewahrte, ca. 3500 Jahre alte ägyptische Papyrus Ebers enthält Rezepturen zur Herstellung von Heilmitteln.

Im antiken Griechenland kam es zur ersten Blütezeit der Pharmazie. Basierend auf genauen Naturbeobachtungen entstanden die ersten großen Krankheits- und Heilmitteltheorien. Als eine der wichtigsten Persönlichkeiten dieser Zeit ist Hippokrates anzusehen. In seinem Umfeld entstand die später vom römischen Arzt Galen weitergeführte "Vier-Säfte-Lehre", nach der im menschlichen Körper vier Säfte wirken, Blut, Schleim, Gelbe und Schwarze Galle. Sind diese Säfte im völligen Gleichgewicht, ist der Körper gesund. Bei einer möglichen Behandlung ist also darauf zu achten dieses Gleichgewicht wieder herzustellen. Diese um 400 v. Chr. entwickelte Lehre sollte ihre Gültigkeit bis weit in die Neuzeit erhalten. Die uns wohl bekannteste Anwendungsmethode ist der noch im 19. Jahrhundert angewandte Aderlass. Nach dem Untergang der Antike ist es insbesondere der arabischen Welt zu verdanken, dass das antike Wissen nicht verloren ging. Viele Schriften wurden ins Arabische übersetzt. Nach antiken Vorbildern wurden Medizinschulen gegründet, die berühmteste befand sich im südpersischen Gondischapur. Heilmittel und Behandlungsmethoden wurden stetig verbessert und weiterentwickelt. Diese Errungenschaften der persischen Gelehrten bildeten letztlich den Grundstock unseres abendländischen Wissens.

In Europa bildeten zum Beginn des Mittelalters die Klöster die Zentren allen geistigen Lebens. In Bibliotheken wurde das Wissender Antike und des Morgenlandes aufbewahrt, in den Gärten wurden mannigfaltig Heilpflanzen und Kräuter angebaut, in Laboren Heilmittel zubereitet und weiterentwickelt, sowie in Hospitälern in Ausübung christlicher Nächstenliebe Kranke versorgt und gepflegt.

Mit dem schnellen Wachsen der mittelalterlichen Städte werden auch die hygienischen Probleme immer größer, Seuchen stellen eine ständige Bedrohung dar. Langsam entwickelt sich hier aus dem Umfeld von Gewürzhändlern der Berufsstand des Apothekers. Interessant ist eine Bestimmung aus dem Gesetzbuch des Stauferkönigs Friedrich II. (1194-1250): "Verbot einer Interessengemeinschaft zwischen Arzt und Apotheker; Verbot des Apothekenbesitzes für Ärzte; Beschränkung der Apothekengründung auf bestimmte Orte; Notwendigkeit, einen Eid zur Führung einer Apotheke abzulegen; der Preis der Arzneimittel"(aus Huwer,2008, S.24/25). Diese Gesetze sind bis heute Grundlage unsere Apothekenverordnung.

Im Laufe der Neuzeit wurden Arzneimittel und Heilbehandlungen immer weiter verbessert. Durch die Erfindung der Buchdruckkunst wurde das erlangte Wissen einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. So z.B. das große Destillierbuch des Straßburger Arztes Hyronimus Brunschwig (siehe Kat.-Nr. 1372). Das 1512 erstmals erschienene Buch verlor bis ins 19. Jahrhundert nichts an Bedeutung und war Vorbild für viele weitere Destillierbücher. Aber auch der Aberglaube beherrschte noch stark die Neuzeit. So sind die Übergänge zwischen Heilwissen und Aberglaube, zwischen Apotheke und Wunderkammer fast fließend. Findet man doch exotische Tiere und Pflanzen, sowie wertvolle Stein ein beiden Einrichtungen. Ob Narwalzahn, das sogenannte Einhorn, Rhinozeros, Elfenbein, Alraunen, Elefantenlaus oder Serpentin, all diese Dinge waren exotisch und kostbar. Schon seit der Antike wurden ihnen heilbringende Wirkungen zugeschrieben, so dass sie schon früh auch als Medizin eingesetzt wurden, aber gleichzeitig auf Grund ihrer Kostbarkeit begehrte Sammlungsstücke darstellten. Auch die Einrichtung von Apotheke und Wunderkammer ist verwandt, so erinnert das Offizin eines Apothekers mit seinen vielen Schüben und Abstellflächen zur Aufbewahrung der kostbaren Substanzen sehr an die Kabinettschränke der Wunderkammern, die letztlich den selben Zweck erfüllten. So wundert es nicht, dass auch in unserer Sammlung der Übergang zwischen dem reinen Apothekenobjekt und dem Schaustück der Wunderkammer beinah fließend ist.

Erst durch Humanismus und Aufklärung erfolgte der Wandel zum Pharmaziewissen der Moderne. Neue und weiterentwickelte Gerätschaften ließen immer genauere Forschungen zu und schafften so die Grundlage der modernen Arzneimittelkunde. Die in diesem Katalog angebotenen Objekte bieten einen beeindruckenden Querschnitt dieser geschichtlichen Entwicklung vom 14. bis ins 19. Jahrhundert. Sie wurden mit musealem Anspruch ausgewählt. Der Aufbau der Sammlung, sowie der Ankauf der Objekte lag zum größten Teil in den Händen des renommierten Würzburger Kunsthändlers Albrecht Neuhaus. Seine Kennerschaft und sein Wissen sind das Fundament dieser herausragenden Kollektion.

Es ist für Van Ham Kunstauktionen eine große Freude und Ehre diese Sammlung in einem Sonderkatalog erstmals der Öffentlichkeit zu präsentieren. Unser besonderer Dank gilt an dieser Stelle dem Einlieferer für das uns entgegengebrachte Vertrauen.


Apotheken- und Pharmaziewesen - eine deutsche Sammlung

Auktion: November 2012