Eat Art Sammlung Carlo Schröter

"Für die Haltbarkeit der verkauften Objekte übernimmt die Galerie keine Haftung."


Als Daniel Spoerri gemeinsam mit Carlo Schröter und einigen anderen Unterstützern 1968 das Restaurant Spoerri am Burgplatz 19 in Düsseldorf eröffnet, wagen die beiden ein Experiment, welches 12 Jahre dauern wird und unvergessen in die Kunst- und Stadtgeschichte Düsseldorfs eingeht.

Eat Art beschäftigt sich mit den existentiellen Fragen des Menschen: mit dem Einsatz und der Aufnahme von Nahrung, mit dem Verwerten und Ausscheiden derselben, mit Koch- und Essritualen. Nahrung wird einerseits als Konsumgut wahrgenommen, andererseits als Objekt sinnlichen Vergnügens. In keiner anderen Kunstform liegen Genuss und Ekel so nah beieinander.

Die enge räumliche und konzeptuelle Verbindung des Restaurant Spoerri im Erdgeschoss und 1. Stock und der im 2. Stock liegenden, 1970 eröffneten Eat Art Galerie, deren Geschäftsführung Hete Hünermann übernahm, machte das Thema Essen auf vielerlei Arten erlebbar: optisch, haptisch, olfaktorisch und natürlich gustatorisch. Letztere Wahrnehmung wurde besonders im Restaurant mit seinen außergewöhnlichen Gerichten geschult. Hammelhoden, Löwenfleisch, Seehundragout oder Carlo Schröters exotische Suppenkreationen vom Bison, Bären oder Hängebauchschwein lockten gleichermaßen naserümpfende Vertreter des Ordnungsamtes wie begeisterte Restaurantkritiker ins Lokal.

In Spoerri's Restaurant essen zu gehen, oder sich an der Bar im Erdgeschoss ein Altbier mit Radieschen und Frikadellen zu genehmigen, gehörte zum "Muss" in Düsseldorfs Kunstszene. Künstler waren nicht nur regelmäßige Gäste sondern wirkten aktiv mit: Katharina Sieverding hat bei Carlo Schröter gekellnert während Joseph Beuys und Daniel Spoerri ihre Kochkünste zum Besten gaben. Das "who is who" der Kunstszene mischte sich mit Reichen und Schönen: So konnte es passieren, dass Alfred Schmela neben der "Zeroclique" im Erdgeschoss ein Alt zu sich nahm, während sich gern gesehene Vertreter der Wirtschaft (Gerda Henkel) und Werbung (BBDO und GGK) von Beuys bekochen und Sieverding bedienen ließen.

In der Eat Art Galerie fanden Lebensmittel ausschließlich künstlerisch-bildnerische Verwendung. Ihre Deklarierung zum Kunstwerk reflektierte den Ewigkeitswert und kalkulierte einen möglichen Verfallsprozess ein. Spoerri initiierte in regelmäßigen Abständen unter Mitwirkung zeitgenössischer Künstler verschiedene Editionen sowie Happenings, deren Relikte auch über die Galerie vertrieben wurden. Neben einigen Schweizer Künstlerkollegen wie André Thomkins, Bernhard Luginbühl und Dieter Roth, konnte Spoerri auch Joseph Beuys und prominente Künstlerkollegen der "Nouveaux Réalistes" für seine Eat Art-Projekte gewinnen.

Trägt das Restaurant auch Spoerris Namen, so muss doch gesagt sein, dass für Inhalt und Umsetzung nicht minder Carlo Schröter verantwortlich war. Als "gute Seele", Organisator, Wirt, Ideengeber und Geschäftsführer war er nicht nur für die betriebswirtschaftlichen Belange des Restaurant Spoerri verantwortlich, sondern stellte den Dreh- und Angelpunkt der Düsseldorfer Kunstszene in den späten 1960er und 1970er Jahren dar.

Der Reiz der Sammlung Carlo Schröters liegt in ihrer besonderen Authentizität und ihrer weniger geplanten, sondern vielmehr gewachsenen Gesamtheit. Zu jedem Objekt weiß Carlo Schröter eine (Entstehungs-)Geschichte zu erzählen und man kommt nicht umhin, die Selbstverständlichkeit im Umgang mit Kunst und die scheinbar ungebrochene Neugier und Experimentierfreudigkeit zu bewundern.

Bemerkenswert ist auch, dass sich viele Objekte der Sammlung in sehr gutem Zustand befinden, was in Anbetracht der verwendeten Materialien eine Seltenheit ist. Die hier vorgestellten Arbeiten geben einen umfassenden Einblick in das Phänomen Eat Art und erlauben zugleich einen intimen Rückblick in eine Zeit, "in der Kunst, Aktion, Happening und Leben, zu einer Einheit wurden und in Düsseldorf bei Carlo Schröter im Spoerri einen ihrer Höhepunkte bildete" (Robert Hartmann, In: Ausst.-Kat. Malkasten Düsseldorf 2009, S.3).


Sammlung Carlo Schröter

Auktion: Juni 2013