1870 Wedel - 1938 Rostock
Modern | Post War | Contemporary | Galerie Thomas | The Jagdfeld Collection
am
03.12.2025,
Los
11
Taxe: € 200.000
Ergebnis: €
224.400
(inkl. Aufgeld)
BARLACH, ERNST
1870 Wedel - 1938 Rostock
Titel: Der singende Mann.
Datierung: 1928 (Entwurf).
Technik: Bronze, braun patiniert.
Maße: 49,5 x 35 x 54cm.
Bezeichnung: Nummeriert und signiert links am Gewandsaum: 1/10 E. Barlach.
Gießerstempel: Unterhalb des Fußes Gießerstempel: H.NOACK BERLIN FRIEDENAU. Exemplar: 1/10.
Bei diesem Exemplar handelt es sich um einen Lebzeitguss von 1930. Zu diesem Werk liegt eine Expertise von Hans Barlach, Hamburg, vom 17.04.1990, vor.
Provenienz:
- Galerie Alfred Flechtheim, Berlin (Nov. 1930)
- Hans Barlach
- Galerie Neher, Essen (1990 von Vorherigem erworben)
- Privatsammlung Nordrhein-Westfalen (1991 von Vorheriger erworben)
- Selbstständige Stiftung in der Betreuung des Deutschen Stiftungszentrums, Essen
Ausstellungen:
- Galerie Alfred Flechtheim, Berlin 1930
- Galerie Neher, Westdeutsche Kunstmesse, Köln 1991
Literatur:
- Laur, Elisabeth: Ernst Barlach - Werkverzeichnis II, Das plastische Werk, Güstrow 2006, WVZ.-Nr. 432.1, Abb.
- Schult, Friedrich: Ernst Barlach - Das plastische Werk, Hamburg 1960, WVZ.-Nr. 343, Abb. (hier mit abweichenden Maßen)
- Der erste Lebzeitguss von 1930 mit einzigartiger Modulation der Oberfläche
- Absolute Seltenheit auf dem Kunstmarkt
- "Der singende Mann" zählt zu den wichtigsten Skulpturen des deutschen Expressionismus
- Wunderschöne dunkle, ins rötlich changierende Patina
Der kompletteste deutsche Künstler
Man könnte Ernst Barlach als den wohl komplettesten deutschen Künstler der Klassischen Moderne bezeichnen.
Sein Werk besteht nicht nur aus seinen einzigartigen und ungemein populären Skulpturen; er war auch ein genialer Zeichner und Illustrator, entwarf Keramiken und war als Schriftsteller und Dramatiker hoch erfolgreich.
Ernst Barlach wächst in Norddeutschland als Sohn eines Landarztes auf. Er absolviert die klassische Ausbildung eines bildenden Künstlers, zunächst an der Allgemeinen Gewerbeschule in Hamburg, ab 1891 dann an der Dresdener Akademie der bildenden Künste. Um seine Ausbildung zu vollenden, geht Ernst Barlach 1895 noch für ein Jahr nach Paris und schreibt sich in der Académie Julian ein. Nach seiner Rückkehr erhält der Künstler in den folgenden Jahren zwar auch öffentliche Aufträge, verdient seinen Lebensunterhalt aber überwiegend als Illustrator, Kunsthandwerker und Zeichenlehrer. 1905 zieht Barlach nach Berlin, doch führen ihn künstlerische Zweifel in eine tiefe depressive Krise. Eine zweimonatige Reise nach Russland 1906 bringt ersehnte Impulse. Hier findet Ernst Barlach zu einer neuen Formensprache und hin zu einem ganz reduzierten, schlichten Menschenbild. Der Durchbruch gelingt dem Bildhauer, als er im Folgejahr auf der Ausstellung der Berliner Sezession zwei seiner neuen Skulpturen zeigt. Erstmals kann er als selbständiger Künstler ein Werk verkaufen. Paul Cassirer wird auf Ernst Barlach aufmerksam und nimmt ihn ab 1908 unter Vertrag. Gegen ein monatliches Gehalt bekommt der einflussreichste Kunsthändler Berlins die exklusiven Vermarktungsrechte an seinen Arbeiten. Damit erlangt der Künstler finanzielle Sicherheit.
Ernst Barlachs schlichte und ausdrucksstarke Menschenbilder treffen den Zeitgeist. Seine zunächst überwiegend in Holz ausgeführten Werke werden von Sammlern und Kritikern geschätzt. Er wird in den Vorstand der Berliner Sezession gewählt und ist nun Teil der deutschen Avantgarde. Aus dem so geschäftigen Leben in Berlin zieht sich Ernst Barlach 1910 ins Mecklenburgische Güstrow zurück. Hier arbeitet er in den kommenden Jahren überaus intensiv und kräftezehrend als Bildhauer, Graphiker und Schriftsteller. 1924 erhält Ernst Barlach für sein literarisches Werk den Kleist-Preis, wie vor und nach ihm Literaturgrößen wie Robert Musil, Bertolt Brecht oder Anna Seghers. Nach dem Tod Paul Cassirers 1926 arbeitet Barlach mit dem Galeristen Alfred Flechtheim zusammen. Aus Anlass seines 60. Geburtstags wird der Bildhauer 1930 mit Ausstellungen in mehreren deutschen Museen und in der Galerie Flechtheim geehrt. Gleichzeitig nehmen rechtsnationale Angriffe gegen sein Werk zu. Die Zeit des Nationalsozialismus überdauern viele seiner, nun als "entartet" gebrandmarkten Werke durch die Hilfe seines ehemaligen Assistenten Bernhard Böhmer. 1938 stirbt Ernst Barlach in Rostock.
"Der singende Mann" - ein ikonisches Bildwerk des 20. Jahrhunderts
Ernst Barlachs Skulpturen gehören zu den populärsten plastischen Kunstwerken des 20. Jahrhunderts und "Der singende Mann" ist von allen seinen Arbeiten im kollektiven Kunstbewusstsein wohl die präsenteste. Barfüßig sitzt ein junger Mann in langem Gewand auf dem Boden. Mit ausgestreckten Armen umfasst er das aufgestellte rechte Bein, während das linke angewinkelt, flach auf dem Boden liegt und der Figur seitlichen Halt gibt. Drei Aspekte der Gleichzeitigkeit machen diese Skulptur so anrührend: Die geschlossene, aber auch spannungsreiche Dreiecks-Komposition der Körperhaltung, die selbstvergessene Innerlichkeit des mit geschlossenen Augen Singenden und der vom Betrachter mitgedachte Gesang, der die Skulptur, unterstützt von der Linienvorgabe des Gewandes, in eine - wiederum gedachte - wiegende Bewegung versetzt.
Dieses hier vorliegende Exemplar des "Singenden Manns" ist eine spezielle Rarität. Denn es handelt sich um den allerersten Guss, der in Berlin-Friedenau von der Firma H. Noack 1930 ausgeführt wurde. "Sie unterscheiden sich von den folgenden Güssen insoweit, dass sie in ihrer Oberfläche "mehr Modellation" aufweisen (Hans Barlach, zit nach Expertise vom 17.4.1990). Der Galerist Alfred Flechtheim konnte Ernst Barlach davon überzeugen, eine kleine Auflage von 10 Exemplaren der Skulptur gießen zu lassen. Da diese ersten Exemplare schnell verkauft waren, wurden noch zu Lebzeiten Ernst Barlachs wohl sechs weitere Güsse gefertigt. Diese ersten Güsse sind mit einer Nummerierung in Form eines Bruchs, also mit horizontalem Querstrich versehen, wie es auch bei dem vorliegenden Exemplar der Fall ist. Nummerierte Lebzeitgüsse dieser ikonischen Skulptur kommen nur äußerst selten in den Handel. Das Werkverzeichnis von Elisabeth Laur verzeichnet nur eine nummerierte Arbeit in Privatbesitz. Der Künstler hat dieses erste Exemplar der Gussreihe mit einer wunderbar dunklen, ins Rötliche changierenden Patina versehen.
Alexandra Bresges-Jung.
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