1881 Zwickau - 1955 Berlin
Modern | Post War | Contemporary | Galerie Thomas | The Jagdfeld Collection
am
03.12.2025,
Los
7
Taxe: € 220.000
Ergebnis: €
303.600
(inkl. Aufgeld)
PECHSTEIN, HERMANN MAX
1881 Zwickau - 1955 Berlin
Titel: Der Jüngling.
Datierung: 1917.
Technik: Öl auf Leinwand, auf auf schwarzem Karton aufgezogen.
Montierung: Auf Leinwand kaschiert.
Maße: 51 x 69cm.
Bezeichnung: Bezeichnet von fremder Hand unten rechts: MP.
Rahmen/Sockel: Modellrahmen.
Auf der Rückseite des schwarzen Karton wohl mit Signatur und Betitelung "Der Jüngling" (lt. Günter Krüger (Hrsg.), Das druckgraphische Werk Max Pechsteins, 1958). Der Kartonträger wurde später (vor 1971) auf Leinwand kaschiert.
Provenienz:
- Galerie Ernst Beyeler, Basel
- Hauswedell & Nolte, Hamburg, 74. Auktion, 11.5.1957, Lot 1033
- Sammlung Ludwig Lehmann, Berlin/Lugano (1958-64)
- Kornfeld & Klipstein, Bern, 112. Auktion, 27.-29.5.1964, Lot 1042
- Kunsthandel Helen Serger (La Boetie), New York (1964-71; Aufkleber)
- Galerie Thomas, München (ca. 1971)
- Galerie Levy, Hamburg (ca. 1979)
- Galerie Utermann, Dortmund
- Privatsammlung (1981 von Vorheriger erworben)
- Privatsammlung Südamerika/Deutschland (1987)
Ausstellungen:
- Kunstausstellung Berlin, Landesausstellungsgebäude 1919
- University of Notre Dame (Indiana/USA), 1969/70
- Kunstverein Braunschweig, 1982
- Pfalzgalerie, Kaiserslautern 1982
Literatur:
- Soika, Aya: Max Pechstein - Das Werkverzeichnis der Ölgemälde, Bd.
I, 1905-1918, München 2011, WVZ.-Nr. 1917/73, Abb.
- Ausst.-Kat. Kunstausstellung Berlin, Landesausstellungsgebäude 1919, S. 72, Kat.-Nr. 1232
- Ausst.-Kat. The German Expressionists and Their Contemporaries - 50 Years of Fantasy and Frenzy, University of Notre Dame (Indiana/USA) 1969/70, Kat.-Nr. 99 (hier betitelt: South Sea Figures)
- Ausst.-Kat. Max Pechstein, Kunstverein Braunschweig/Pfalzgalerie, Kaiserslautern, 1982, S. 91, Abb.
- Eines der äußerst seltenen Südsee-Bildern auf dem internationalen Kunstmarkt
- Zeugnis seines zutiefst prägenden Aufenthalt in der ehemaligen deutschen Kolonie Palau 1914
- Qualitativ herausragendes Gemälde des Expressionismus in leuchtender, lebendiger Farbigkeit
Sehnsucht nach dem Paradies
Als sich Max Pechstein am 9. Mai 1914 auf den Spuren Paul Gauguins in Genua an Bord eines Schiffes begab, ließ er alles hinter sich: Die schrillen Töne bei der Auflösung der "KG Brücke" am 27. Mai 1913; die Zweifel, die einen Künstler überfallen, wenn niemand mehr seine Kunstwerke kauft; schließlich die um sich greifende, zersetzende Angst einer vom kommenden Krieg aufgeheizten Szene in Europa.
Eine erste Begegnung mit dieser Sehnsucht nach dem Paradies überfiel ihn schon 1907/08. Er sah Gemälde von Paul Gauguin. "Ab Dezember [1907] hält er sich für neun Monate in Paris auf. Er sieht die Werke von Paul Cezanne, Paul Gauguin und Henri Matisse, die für seine weitere Entwicklung wichtig werden." (Ausst.-Kat. Max Pechstein - Das ferne Paradies, Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik, Städtisches Kunstmuseum Zwickau, 1996, S. 106) "Im Februar 1908 hatte Pechstein Gelegenheit, in der Galerie Bernheim-Jeune Bilder von Paul Gauguin zu sehen." (Moeller, Magdalena M. "Zu Pechsteins Stil und Stilentwicklung", in: Max Pechstein - Sein malerisches Werk, München 1996/97, S.44) Die Einfachheit, die Direktheit der gestalterischen Sprache machte Gauguin zum Vorbild für Max Pechstein. Nichts wünschte er sich mehr, als jene fernen Welten zu betreten, die Gauguin zu seiner eigenen, unverwechselbaren Sprache geführt hatten. Dieser Wunsch vertiefte sich. Pechstein sah "[. ] die Gauguin-Ausstellung im September 1910 bei Ernst Arnold in Dresden [und sie] schein[t] Pechstein sogar stärker beeindruckt zu haben als seine frühere Begegnung mit [seinen] Werken in Paris." (Hoffmann, Meike "Max Pechstein in Paris", in: Max Pechstein - Sein malerisches Werk, München 1996/97, S.77)
1914 war es dann so weit: Durch den Suez-Kanal über Honkong, Manila zu den Palau Inseln - seit 1899 eine deutsche Kolonie östlich der Philippinen - führte ihn die Reiseroute. Er wollte, wie im Jahr zuvor Emil Nolde, Abstand gewinnen, neu anfangen und in die Magie einer fernen, fremden Kultur eintauchen. Wo? Bemalte Schnitzereien aus Mikronesien hatte er im Völkerkunde Museum Dresden gesehen. Darunter: Ein verzierter Holzbalken aus einem Männerhaus, einem "Bai", in Palau. Nun wollte er vor Ort dem Zauber dieser bildnerischen Sprache voller Ursprünglichkeit selbst begegnen. Angekommen berichtet er von den schönen, in sich ruhenden Menschen dort und schwärmt von der reichen, überüppigen Natur. Ein von ganz anderen kulturellen Herkünften geformtes Leben führte ihn auf der fernen Insel heran an eine fremde Schnitzkunst, andere kalligraphische Zeichen, einen bisher nicht bekannten Umgang mit der Farbe. Er beobachtet, zeichnet, malt: Ölbilder, Aquarelle, Skizzen. "In Ruhe und Ausgeglichenheit folgte ein Tag dem anderen. Es gab nichts, was meinen Seelenfrieden störte."(Max Pechstein zit. nach Erinnerungen, Wiesbaden 1963, S.66) Schließlich, fast schon kurios: Er erwirbt eine Insel "mit einer kleinen, wunderschönen, halbrunden Bucht." (a.a.O. S.90)
Die Gemälde: Diese wunderbaren Zeugnisse einer wertvollen Begegnung - gingen verloren! Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, besetzte die japanische Armee das Inselreich Palau. Pechstein war plötzlich ein Kriegsgefangener, wurde ausgewiesen, gelangte nach einer abenteuerlichen Reise um die halbe Welt nach Deutschland erst 1915. Retten konnte er nur wenige Zeichnungen. Seine Ölgemälde sind verschollen, vermutlich vernichtet. Eine einzige Leinwand überlebte: "Monsunstimmung in Palau", heute in englischem Privatbesitz. Ein deutscher Südseereisender hatte sie noch rechtzeitig erworben.
"Der Jüngling"
Was man ihm, dem Maler, nicht nehmen konnte: "Jahrzehntelang zehrt er von dieser Begegnung mit den klaren Glutfarben der Tropen, dem durchsichtigen Wasser, den klaren Umrissen." (Schilling, Jürgen "Zu Leben und Werk Max Pechsteins", in: Ausst.-Kat. Pfalzgalerie Kaiserslautern 1982, S.13). Was er von den Südseeinseln mitnahm, war: "Die wundervollste Einheit fühle ich um mich und atme sie in grenzenlosem Glücksgefühl." (Max Pechstein zit. nach: Erinnerungen, Wiesbaden 1963, S.78)
Aus diesen kostbaren Erinnerungen schuf er ab 1917 fünfundvierzig der verlorenen Bilder neu. Darunter: "Der Jüngling". In einer von wuchtigen Vulkankegeln geformten Landschaft treffen sich vier Personen, frontal, bildbeherrschend angeordnet am Strand. Eine kompositorische Akzentuierung, die sich häufig auch bei Paul Gauguin findet. Rechts ein erwachsener Mann mit einem Speer. Sein Jagdgerät signalisiert: Er ist der Garant für die Nahrungsbeschaffung der gesamten Familie. Zwei Frauen deuten an, dass die kleinen Dorf- Gemeinschaften polygame Strukturen besaßen, in denen die nächste Generation (links) behütet aufwächst. Hinter diesem Kind/Jungen stürzt ein Wasserfall in die Tiefe. Für Gauguin war dieses Motiv in dem Gemälde "Geheimnisvolle Quelle" (1893, 99 x 75 cm, Privatbesitz Schweiz) ein zentrales Ereignis. Bei Max Pechstein bestimmt das aus der Höhe herabstürzende Element den gleichmäßigen Rhythmus: Zweimal täglich erfrischt er sich hier. Er lebt "im Paradies". "Männer und Frauen schlingen das lange Haar in einen Knoten und stecken einen Zierkamm dazwischen. Ich sehe die zitternde Frömmigkeit und Ehrfurcht vor den unbegreiflichen Gewalten der Natur." (Max Pechstein zit. nach: Erinnerungen, Wiesbaden 1963, S.66). Wie viele seiner expressionistischen Malerkollegen sah Pechstein im Exotischen das Ursprüngliche, das nie wieder erreichbare Ideal eines Lebenszustandes naiver und unverbrauchter menschlicher Existenz.
Gerd Presler.
Robert van den Valentyn
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