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Sigmar Polke - Ohne Titel

1941 Oels/Niederschlesien - 2010 Köln

Modern | Post War | Contemporary Art
am 05.06.2023, Los 4
Taxe: € 150.000
Ergebnis: € 204.600
(inkl. Aufgeld)

POLKE, SIGMAR
1941 Oels/Niederschlesien - 2010 Köln

Titel: Ohne Titel.
Datierung: 1993.
Technik: Dispersion und Acryl auf bedrucktem Stoff.
Maße: 90 x 70cm.
Bezeichnung: Signiert und datiert verso mittig: S. Polke 93. Verso oben auf dem Stoff sowie auf dem Keilrahmen Stempel des Künstlers: Sigmar Polke.
Rahmen/Sockel: Rahmen.


Wir danken Herrn Michael Trier, Köln, für die freundliche, wissenschaftliche Beratung.

Provenienz:
- Artax Kunsthandel, Düsseldorf
- Privatsammlung Deutschland

- Aus der bekannten Werkreihe der "Stoffbilder"
- Bedeutende Elemente in Polkes Schaffen hier in betörender Kombination verdichtet: Schüttung, Raster und die Liebe zum Stoff
- Erstmals auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten


"Ich liebe alle Punkte. Mit vielen Punkten bin ich verheiratet. Ich möchte, dass alle Punkte glücklich sind. Die Punkte sind meine Brüder. Ich bin auch ein Punkt." (Sigmar Polke, 1966)
Polkes Rasterbilder bilden einen der Grundpfeiler seiner außergewöhnlich vielfältigen und eklektischen Kunst unter seinen früheren Werken. Polkes Faszination für den Rasterpunkt als Darstellungsmittel wurde von seinem kollektiven Interesse an den hermeneutischen Mitteln inspiriert, mit denen Wissen und Informationen, vor allem bildliche Darstellungen, aufbereitet und vermittelt werden.

In seinen ersten Experimenten in den 1960er Jahren nutzte Polke die scheinbare Duplizität des Rasterpunktdrucks, um die explizite Genauigkeit und Intention der damals typisch medialen Bilder, die die Rasterbilder vermitteln sollten, zu ersetzen. Wie Moleküle, aus denen sich der offensichtliche Kosmos der Bildmaterie der Bildfläche zusammensetzt, lassen sich die überblähten Punkte einzeln ausmachen, wobei ein einzelner Punkt einen außergewöhnlichen und autonomen Charakter annimmt. Diese "Polke-Punkte" begründen nicht nur die greifbare Falschheit des von ihnen komponierten Bildes, sondern sie entwickeln sich zu malerischen Implikationen einer alternativen, abstrakten Realität, die sie selbst schelmisch erschaffen. In der Folgezeit begann Polke, die Rastertechnik bewusst zu manipulieren und zu erweitern, indem er die Punkte vergrößerte und verzerrte und so eine Manifestation matrixartiger Anordnungen schuf, die einen lebendigen, aktiven und zugleich abstrakten Sinn für die Oberfläche erzeugten. In einem Interview mit Dieter Hülsmann bemerkte Polke 1966: "Sehen Sie, die Notwendigkeit für mich Rasterbilder zu machen, rührt von einer meiner Eigenschaften her, nämlich von meiner Liebe zum rein Technischen, zum Unpersönlichen". Es ist diese satirische und malerische Unterwerfung des Musters und eine allgegenwärtige Mehrdeutigkeit, ähnlich dem Verwischungsprozess seines Kollegen Gerhard Richter, der die Kohärenz und Sichtbarkeit des ursprünglichen Bildes absichtlich störte und es auf neue und breitere Interpretationsmöglichkeiten ausdehnte. Indem er diese Methode auf seine ästhetische Technik anwandte, wurde Polke mit Roy Lichtenstein verglichen; doch während Lichtenstein die äußere Schönheit eines Bildes mit seiner undurchdringlichen Harmonie von Form, Farbe und Design feierte, entschied sich Polke dafür, Bilder mit seinem Halbtonverfahren buchstäblich und metaphorisch zu zerlegen und zerfließen zu lassen. Seine Motive in eine zeitgemäße Form gebracht, lässt der Künstler erkennen, dass er mit seiner Verwendung von allgegenwärtigen Bildern kulturelle, soziale und politische Milieus durchforstet.
In "Ohne Titel" kann man eine Verschmelzung all dieser Elemente innerhalb des abstrakten Formats einer einzigen Leinwand sehen. Es zeigt ein vage erkennbares Bild, das am Rande der Lesbarkeit verweilt. Das vorliegende Werk ist eine bewusst mehrdeutige, spielerische und offene Verschmelzung von abstrakten, allegorischen und modernen mechanischen Darstellungsmitteln in der für ihn charakteristischen Rasterbildtechnik. Auf dem für ihn typischen, um 1993 von Polke oftmals verwendeten schwarz-weiß gepunkteten Stoff, hat er seine Rasterpunkttechnik über eine violette Masse von malerischen Gesten gelegt, die sich in Form und Gestalt gegenseitig widerspiegeln. Durch Polkes bewusste Vergrößerung des Rasterpunktmusters wird die Bildsprache mehrdeutig und erinnert an einen geografischen Ort, an eine Landmasse, die auf einer Landkarte zu sehen ist. Doch je mehr sich das Bild in den Köpfen der Betrachter festsetzt, desto mehr ändert sich die Wahrnehmung des Themas. Es entstehen multiple Realitäten und so meint man eine Gestalt mit aufgerissenen Augen in der Rasterung auszumachen, die einen direkt anblickt. Der Künstler reflektiert eine Sichtweise der Welt als kapriziöse Realität, die sich gleichzeitig auf vielfältige Weise zeigt und durch mehrere Bewusstseinsschichten beobachtet und erfahren werden kann. 1992 und 1993 fertigt Polke eine große Serie von Gemälde in den Maßen 90 x 70cm. Vergleichbar zu dem hier angebotenen Werk "Ohne Titel" zeigen sie alle amorphe gerasterte Strukturen auf, die Polke auf verschiedenen wunderbaren Stoffen anlegt. Sie wurden dann z.B. 1993 in der Ausstellung "Bilder" bei Erhard Klein in Bonn gezeigt und sind heute hochgesucht im internationalen Kunsthandel.

Profilbild Hilke Hendriksen

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Hilke Hendriksen

Mail icon h.hendriksen@van-ham.com

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