Europäisches Kunstgewerbe
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HÖFISCHE ROKOKO TAPISSERIE GALANTES PAAR AUS DER SERIE DER INDIANISCHEN BLUMEN.
Berlin. Um 1750. Manufaktur Charles Vigne zugeschrieben, wohl nach einem Entwurf von Antoine Pesne.
Wolle und Seide in dezenter Polychromie. Junges Paar unter einer blütenumrankten Laube. Die Bordüre mit Akanthuslaubranken. 250 x 190cm. Zustand B.
Provenienz:
Privatsammlung Süddeutschland, erworben im Kunsthandel Neidhardt, München 1994.
Literatur:
Heinrich Göbel: Wandteppiche III.Teil, Bd.2, Leipzig 1934. Vergleiche Abb. 64b und S.89.
Die Anfänge der deutschen Teppichmanufakturen fallen zeitlich zusammen mit der in Frankreich wiederauflebenden Verfolgung der Hugenotten aufgrund der Aufhebung des Gnadenedikts von Nantes im Jahre 1685. Zahlreiche Anhänger dieser Glaubensbewegung, die erheblichen Anteil an der wirtschaftlichen und kulturellen Blüte Frankreichs hatten, fanden Aufnahme in Preußen und gaben hier der weiteren Entwicklung wichtige Impulse.
Dies gilt auch für Charles Vigne, der seine Teppichmanufaktur gemeinsam mit Jean Barraband im Jahre 1720 in Berlin gründete und 1725, nach dessen Tod, alleine weiterführte. Friedrich der Große, der die Manufaktur subventionierte, ließ hier Tapisserien für seine Schlösser, für den Hof und als Staatsgeschenke herstellen.
Für ihn bot sich dadurch die Möglichkeit eines der teuren, im Rahmen der höfischen Prachtentfaltung unverzichtbares Luxusgut, das bis dahin im Ausland gekauft werden mußte, nun in der geforderten Qualität im eigenen Land zu produzieren.
Neben dem preußischen Königshaus wurden u.a. auch der schwedische und der russische Hof beliefert.
Bei diesem Wandteppich handelt es sich um eine "tapisserie entre fenêtres" aus der Folge mit Indianischen Blumen und Bäumen. Dargestellt ist in Variation eines Lancret Stiches ein galantes Paar. Die aufgrund der engen stilistischen Bezüge entwickelte Vermutung, dass der Entwurf für die Tapisserie von dem Berliner Hofmaler Antoine Pesne angefertigt wurde, wird durch ein bei Heinrich Göbel wiedergegebenes Zitat (S.89) aus einem Brief von Charles Vigne an den Würzburger Fürstbischof, Friedrich Karl von Schönborn, datiert vom 21.Januar 1738 erhärtet, das die Mitarbeit Pesnes bei der Umsetzung von Arbeiten Watteaus und Lancrets betont.
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