1930 Erlbach -
Moderne und Zeitgenössische Kunst
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Graubner, Gotthard
1930 Erlbach - 2013 Neuss
Ohne Titel. Farbraumkörper. 1972. Mischtechnik auf Leinwand. 130,5 x 130,5cm. Signiert und datiert verso oben rechts: Graubner 72. Rahmen.
Provenienz:
Galerie Denise René/Hans Meyer, Düsseldorf (Aufkleber)
Galerie de Gestlo, Hamburg (Aufkleber)
Seit der zweiten Hälfte der 1950er Jahre setzt sich Gotthard Graubner ausschließlich mit der Farbe als alleinigem Ausdrucksträger auseinander. Immer wieder untersucht er ihre Eigenwertigkeit und erprobt die Formen ihres Auftrages, um die räumliche Wirkung der Farben zu forcieren. Dabei verwendet er bald kein herkömmliches Malmaterial mehr. So entwickelt er Anfang der 1960er Jahre die "Kissenbilder", indem er auf dem Keilrahmen eine Vielzahl von farbaufsaugenden Watten und Schaumstoffe schichtet und abschließend darüber synthetische Stoffbahnen spannt. Bei diesen "plastischen" Gemälden lotet er äußerst subtil die unterschiedlichen Nuancen der durchscheinenden Farblagen wie auch die weich verlaufenden Lichtabstufungen auf der Kissenwölbung aus. Zugleich erreicht er ein besonderes Ineinanderwirken des Wechselverhältnisses von ungreifbarer Vision (= unmessbarer Farbraum) und greifbarer Faktizität (= messbarer Körper): Befreit von dem Anspruch etwas anderes darstellen zu müssen als sich selbst, ist hier die Farbe nicht mehr bloßes, starres Zeichen.
Vielmehr erscheint sie "unfassbar" in all ihrem Sein und in ihrem unendlichen Rhythmus innerhalb des Bildraumes wie auch über die Grenzen des Gevierts hinaus.
Dergestalt nennt Graubner seine Bild-Gebilde ab 1970 "Fabraumkörper". In diesen steigert er noch die Qualität des Farbraumes zugunsten der unabschließbaren Erfahrung einer nicht erschließbaren Erscheinung. "Diese entzieht sich nicht nur jeglicher räumlichen Verortung, sie ist - bei aller Unterschiedlichkeit ihrer jeweiligen, bald ängstigenden und bald versöhnenden Koloristik - zugleich als ein Organismus im Wechsel sanft hervorleuchtender und entschwindender Farbwerte sowie überhaupt im Wechsel von Ausdehnung und Verdichtung pneumatisch. In der unabschließbaren Erfahrung des nicht erschließbaren Farbraumes verliert der Beschauer nicht nur alle Gewissheit seines eigenen Standortes. Er ist nicht nur aus aller vorschematisierten und schon mitgebrachten Raumorientierung eliminiert und in dieser Ortlosigkeit ganz auf sein eigenes Selbst verwiesen: Er kann sich vielmehr zugleich - ganz als er selbst - der Erscheinung lebendig vermitteln, indem er deren Sich-Ausdehnen und Sich-Verdichten gleichsam mitatmet. (Max Imdah,l in: Erläuterungen zur Modernen Kunst, Bochum 1990, S. 105).
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