1917 Stolberg -
Moderne Kunst / Zeitgenössische Kunst
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Dahmen, Karl Fred
1917 Stolberg - 1981 Preinersdorf
Große Zeichenwand / Helle Komposition. 1960. Mischtechnik auf Leinwand auf Holz. 176,5 x 217,0cm. Signiert unten rechts: Dahmen. Atelierleiste.
Provenienz:
Dieter Monheim, Aachen
Ausstellungen:
Museumsverein Aachen 1965 ("Helle Komposition")
Literatur:
Weber, Thomas: K.F. Dahmen - Werkverzeichnis Band I, 1946-1965, Köln 2003, Wvz.-Nr. 017.60
- B 0289.
Suermondt-Ludwig Museum Aachen (Hrsg.): K.F. Dahmen - Bilder in Mischtechnik, Collagen,
Montagen, Graphik, Museumsverein Aachen, 15.8.-26.09.1965. In: Aachener Kunstblätter,
Beiheft zu Band 32, Düsseldorf 1965, S. 17 mit Farbabb. ("Helle Komposition")
Bruckmann Verlag (Hrsg.): K.F. Dahmen. Das malerische Werk 1950-1972, München 1972, S. 25
mit Farbabb. ("Große Zeichenwand")
Motte, Manfred de la: K.F. Dahmen. Aus Anlaß der Ausstellung im Februar 1979. In:
Taschenbuchreihe der Galerie Hennemann, Band 19, Bonn 1979, S. 219 mit Abb.("Große
Zeichenwand").
Für alle Künstler in Deutschland bedeutet das Ende des Zweiten Weltkrieges eine
Neuorientierung in ihrer Arbeit, da während der Zeit des Nationalsozialismus alle
progressiven Kunstäußerungen verboten waren. Für Karl Fred Dahmen bringt die Begegnung mit
den Mitgliedern der École de Paris neue Anregungen.
Durch die intensive Beschäftigung mit
dem Informel und Tachismus schafft er zwischen 1951 und 1955 abstrakte
"Stadtlandschaften", die noch ihre gegenständliche Herkunft erkennen lassen. Etwa 1956
findet Dahmen dann "sein großes Thema" - die Landschaft. Seine Bilder der folgenden Jahre
zeigen eine Konzentration hin zu amorpher Farbmaterie und zu informellen Strukturen, wobei
jegliche Hinweise auf Gegenständliches negiert sind. Das hier vorgestellte großformatige
Gemälde ist ein eindrucksvolles Beispiel für diese Schaffensphase.
"Die verletzte, geschundene Landschaft um seinen Heimatort Stolberg mit dem
Braunkohleabbau, der die Erde auf- und zerreißt, ihr Wunden eingräbt und den Oberflächen
vielfältige Läsionen zufügt, wird als Hintergrund ahnbar und bleibt für Jahre bildnerische
Metapher in Form schrundiger, durchstrukturierter, die Oberfläche betonender Werke. Die
Farbe scheint in diesen subtile Oberflächenvaleurs und terrestrische Strukturen
bändigenden Kompositionen zu "verdämmern" und sich in einem letzten Licht zu zeigen. Das
Gestische ist in diesen informellen Arbeiten Karl Fred Dahmens kontrolliert und doch von
geplanter Direktheit. Als wäre der Künstler Archäologe, werden Schichten freigelegt und
von der Materie wieder verschüttet, insulare Setzungen schaffend und die Farbe den
Bildkörper als atmende Haut überziehend.
Kruste und scheinbar erstarrte Farblava verweisen in den informellen Kompositionen auf
ihren Anlaß zurück. Das Bild ist künstlerische und künstliche Landschaft zugleich. In
tonalen oder monochromen Differenzierungen verweigert der Maler dem Bild jede Heftigkeit
der Farbe, um Struktur und sie gliedernde Ordnungen als kompositorische Setzungen stärker
zu betonen. Offene Formensprache und verschlossen wirkende Zonen durchdringen einander
oder kontrastieren. Verhaltene Ruhe und sichtbar gewordene Dramatik wirken nebeneinander
und führen in der Werkentwicklung mehr und mehr zu Konfliktpotentialen. Appellative
Farbigkeit steht neben sonoren, zurückhaltenden Partien. Linear betonte Flächensegmente
treten in den Dialog mit Materie und Struktur. Damit gewinnen die Bilder an Komplexität
und schaffen sich einen weiteren Bedeutungsraum. Bis 1964 entwickelte Dahmen diese
oberflächenbetonte, strukturreiche, formassoziative Malerei, um ihr dann mehr und mehr
Objektcharakter zu verleihen und das Bild schließlich ganz zu verdinglichen." (Dienst,
Rolf-Gunter: Karl Fred Dahmen. In Ausst.-Kat.: Kunst des Informel - Malerei und Skulptur
nach 1952, Museum am Ostwall Dortmund u.a. 1997, S. 92).
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322. Moderne Kunst / Zeitgenössische Kunst,
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